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April 2018
Nr. 230


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Foto: a kep
Es geht darum, Entdeckungen zu machen

Das Crossing Europe Festival in Linz wird heuer 15 Jahre alt. 2003 von Christine Dollhofer, der ehemaligen und kurz davor gekündigten Diagonale-Intendantin, ins Leben gerufen, gehört Linz heute neben der Diagonale und der Viennale zum Dreieck der wichtigen Festivals in Österreich. Wolfgang Ritzberger traf Christine Dollhofer zum Gespräch.

Eine auf Festivalbuchungen spezialisierte Agentur in Berlin hat mir gesagt, dass Sie weltweit mehr als 5000 Festivals auf der Liste haben. Was ist da passiert? Und wer kennt sich da noch aus?
Christine Dollhofer: Festivals sind mittlerweile ein wichtiges Verwertungsinstrument für Filme geworden. Das merkt man auch bei den Weltvertrieben, die sich heute viel mehr um Festivals bemühen, weil sie ein wichtiger Teil ihrer Einnahmequelle geworden sind. So ein Festival-Blockbuster, der jetzt weltweit auf 60 Festivals und mehr läuft, kann durchaus neben den Lizenzverkäufen erhebliche Mehreinnahmen generieren, weil sehr oft Filme, die im Line-up der Weltvertriebe sind, nicht mehr für ein klassisches Kino-Release in Frage kommen. Damit sind die Festivals zu einem zweiten Standbein im Weltvertrieb geworden. Das heißt aber auch, dass es für Regie und Produktion wahnsinnig schwer geworden ist, zu entscheiden, wie eine Festivalkarriere anzulegen ist. Wenn es dann nicht mit der Nummer 1 klappt, was dann. Die meisten wollen natürlich in den Olymp, also nach Cannes, aber das gelingt nur wenigen. Ich vertrete die Meinung, wenn ein Film fertig ist, dann muss er raus. Ich kenne viele Filme, die vielleicht nicht beim größten oder zweitgrößten Festival gelaufen sind und trotzdem noch eine enorm erfolgreiche Karriere gestartet haben. Wenn ein Film funktioniert, dann wird er immer den Weg zum Publikum finden und braucht allzu oft keine Festivalmeriten. Wenn ein Film exzentrischer, experimenteller oder einfach nur ohne Starbesetzung oder –regie auskommen muss, dann braucht er natürlich auch ein bestimmtes Label, das dann durch renommierte Festivals gefördert werden kann.

Wo sehen Sie da Crossing Europe? Wir haben ja in Österreich keines der großen A-Festivals.
Wir in Linz sind ein Best-of-Festival. Ich versuche, bei den vielen Festivals, auch bei den A-Festivals, nicht nur in den großen Wettbewerbsschienen, sondern auch in den Nebenreihen zu scouten. Und wir konzentrieren uns wirklich eher auf junges Filmschaffen. Leute, die am Anfang ihrer filmischen Karriere stehen. So ein klassischer Crossing Europe Film wäre von einem talentierten, jungen Regisseur oder einer Regisseurin, der oder die gleich mit dem ersten Kinofilm enorme Aufmerksamkeit erregen. Wir haben wirklich die ersten Filme von etlichen Regisseuren und Regisseurinnen gehabt, dann auch die zweite und dritte Regiearbeit bei Crossing Europe gezeigt und danach sind sie mit ihren nächsten Arbeiten in Cannes gelandet. Mir geht es schon auch darum, Entdeckungen zu machen, das Publikum einzuladen und Neuland zu betreten.

Aus meiner Sicht gibt es so ein Dreieck der wichtigsten Festivals in Österreich: die Diagonale, die Viennale und Crossing Europe. Wobei in Graz der österreichische Film und auch die Branche im Zentrum steht und die Viennale mehr ein Publikumsfestival als ein Branchentreff ist. Wo steht da Linz?
Ja, das Dreieck, das war immer die Idee. Von der Diagonale kommend und die Diagonale gut kennend, war mir klar, das muss was Spezielles sein. Ein Format, das sich zwischen diesen beiden Säulen ansiedelt. Ich habe ja im Kulturhauptstadt-Jahr 2003 in Graz das Sommerkino „Crossing Europe“ veranstaltet. Den Namen habe ich, Gott sei Dank, selbst erfunden und konnte ihn dann nach Linz mitnehmen. Aber auch aus meiner Arbeit vorher im Filmcasino und im Verleihbereich war mir klar, es gibt einen enormen, einen großen Pool an europäischen Filmen, die es nicht in die österreichischen Kinos schaffen. Die spannend, gesellschaftspolitisch und künstlerisch wertvoll sind, die man aber eigentlich nicht zu sehen bekommt. Das war dann auch die Idee, zuallererst Filme einzuladen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Österreich keinen Verleih haben werden. Natürlich haben wir auch Filme, die im Zuge der Programmzusammenstellung dann einen Verleih in Österreich erhalten. Ein Festivaleinsatz kann und soll aber auch die Promotion für den späteren Kinostart unterstützen. Bevor man ein Festival konzipiert, erkundet man die Rahmenbedingungen und (film-)kulturellen Aktivitäten des Austragungsortes. Das haben wir ja genauso gemacht, als wir die Diagonale bewusst von Salzburg nach Graz verlegt haben. Ich hatte mit Linz vor Crossing Europe keine Berührungspunkte und habe mir die Stadt quasi „erarbeitet“. Was gibt es für Initiativen? Wie schauen die Lokalitäten aus und die Kinos? Wie kann hier ein Festival eingebettet werden? Und die schwierigste Frage: Wie kann ich eine Finanzierung gewährleisten? Zentral war die Vernetzung mit allen Kunst- und Kultureinrichtungen und Initiativen sowie das Bestreben, auch dem regionalen Filmschaffen eine internationale Plattform zu bieten, um Anreize zu schaffen.

Warum Linz auch aus heutiger Sicht eine glückliche Entscheidung bleibt, über Begegnungsmöglichkeiten und Verteilungskampf spricht Christine Dollhofer mit Wolfgang Ritzberger, nachzulesen ab Seite 18 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Crossing Europe filmfestival linz
25. bis 30. April 2018
www.CrossingEurope.at
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