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März 2017
Nr. 219


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Erich Pröll mit dem Unterwassergehäuse HD von Subal, ähnlich dem neuen, dass nun adaptiert wird.
Foto: Erich Pröll
Rolls Royce der Unterwasserfotografie

Mehr als 140 Dokumentarfilme hat der Linzer und international renommierte Naturfilmer Erich Pröll bislang gedreht. Seine letzte in 4k gedrehte „Universum“-Dokumentation „Azoren – Tanz um den Vulkan“ hat ihn in technischer Hinsicht leicht verzweifeln lassen. Mit dem neuen Sony 4k-Camcorder PXW-Z450, für die Subal derzeit seine Unterwassergehäuse adaptiert, sieht er kreativeren Zeiten entgegen.
Text: Gabrielle Schultz

Die entlegene Inselgruppe der Azoren am atlantischen Rücken gilt als Treffpunkt der Giganten: Mehr als 20 Walarten, darunter Blauwale, Finnwale, Buckelwale, Pottwale oder Schwertwale, treffen dort auf die größten Fische der Ozeane: Walhaie, Blauhaie oder den seltenen Mondfisch. Dieser fast kreisrunde Meeresbewohner kann ein Gewicht von mehr als einer Tonne erreichen und gilt als größter Knochenfisch der Erde.
Wie Wesen aus einer anderen Welt wirken die Salpen, die aus großer Tiefe an die Oberfläche aufsteigen. Sie sind walzenförmig, fächerartig oder langgestreckt, sehen aus wie runde, durchsichtige Köcher oder transparente Plastikröhrchen.
Die Azoren haben aber mehr als die faszinierende Unterwasserwelt zu bieten. Eine besondere Herausforderung für das Team von Erich Pröll war die Erkundung des Mikrokosmos in den Lavahöhlen. „Wir mussten Kameras, niedrige Stative und Scheinwerfer in den Lavaberg hineinbringen. In manchen Höhlen tropft es unaufhörlich und die Wurzeln der Bäume, die sich oben, an der Oberfläche, an die Lavadecke krallen, wachsen durch die Höhle weiter in den Untergrund.“
Hunderte Meter, oft mehrere Kilometer lang erstrecken sich die Höhlenröhren über die Inseln. Sie verlaufen in Fließrichtung der einst flüssig-heißen Lava von den Vulkanen talwärts, und irgendwann gibt es den Punkt, an dem der Höhlenschlund das Meer erreicht – ein Sammelplatz für Unterwassertiere. Im Scheinwerferlicht der Kameras nutzen Fische die Gelegenheit und stoßen in einen Garnelenschwarm. Muränen tauchen auf und vertilgen die Garnelen zu Hunderten.

Regisseur Erich Pröll hat mit dem portugiesischen Kameramann Nuno Sá, der seit vielen Jahren die Unterwasserwelt der Azoren filmt und fotografiert, auch diese Plätze gefilmt. „Ich mag Unterwasserhöhlen, dort fühle ich mich wohl, man könnte fast sagen geborgen! Meist ist das Meer ruhig hier, es gibt kaum Strömung, doch es zeichnet sich durch eine besonders interessante Tierwelt aus. Millionen von Garnelen drängen sich in den dunklen Unterwasser-Höhlengängen, den Spalten und Grotten rund um die Inseln. Die Begeisterung an dem, was es hier zu filmen gibt, lässt mich fast die Zeit vergessen – schließlich muss der Ausgang aus der Unterwasserhöhle wieder gefunden werden, bevor die Luft im Tauchgerät zur Neige geht“, so Pröll. Ebenfalls stets an seiner Seite war Jutta Anna Wirth, eine erfahrene Taucherin und Kamerafrau, mit der er bereits seit 12 Jahren zusammenarbeitet. Sie lockte die Blauhaie an und hielt den Kameramännern den Rücken frei, wenn die Haie zu nahe kamen.

Am Rande der Verzweiflung
Trotz euphorisierender Begegnungen mit Blauwalen, Pottwalen und Haien hat Erich Pröll dieser 4k-Dreh an den Rand der Verzweiflung getrieben. „Es ist unglaublich mühsam, wenn man sich nur noch mit der Technik beschäftigen muss statt sich ausschließlich auf die Aufnahmen zu konzentrieren.“
Im Frühjahr 2014 begannen Erich Pröll und sein Team mit den Dreharbeiten; bis Mitte 2016 reisten sie sechsmal zu den entlegenen Inseln der Azoren und drehten dort jeweils von April bis September. Eine filmische Herausforderung, die ursprünglich als HD-Projekt angelegt war.  Nachdem aber ARTE, der NDR und der US-Sender National Geographic als Koproduzenten mit an Bord gekommen waren, wurde der gesamte Dreh auf 4k umgestellt. Voller Wehmut erzählt Erich Pröll von längst vergangenen Zeiten, in denen er noch mit Beta SP, Digital Betacam und selbst mit HD gedreht hat.  „Wenn man sich alle paar Jahre auf neue Systeme umstellen muss, dann kostet das jedes Mal sehr viel Zeit, die man eigentlich besser in die tatsächliche filmische Arbeit investieren sollte. Nach der Umstellung auf 4k im Laufe der Dreharbeiten haben wir mit drei verschiedenen 4k-Kameras, Sony FS7, Sony Alpha 7R und Red, untergebracht in Prototypen von Unterwassergehäusen gedreht. Das größte Problem stellte der Wechsel der Optiken dar. Um vom Weitwinkelbereich in den Nahbereich zu wechseln, mussten wir jedes Mal auftauchen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Tritonshorn verspeist gerade einen Seestern. Also beginne ich zunächst, im Weitwinkelbereich die Umgebung einzufangen. Dann muss ich aber aus 30 Meter Tiefe auftauchen, die Kamera ausbauen, die Optik wechseln und erneut abtauchen in der Hoffnung, dass ich auch noch die Nahaufnahmen realisiert bekomme. Was für ein Aufwand! Ich habe wirklich mehrmals gedacht, das mache ich nicht mehr mit!“

Warum Erich Pröll nun besseren und kreativeren Dreharbeiten entgegensieht, erfahren Sie ab Seite 24 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.
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