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Mai 2017
Nr. 222


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 Late Blossom Blues  The Journey of Leo Bud Welch  Vorführtermine auf: lateblossomblues.com
Fotos: Paul Sprinz und Wolfgang Ritzberger
Bewegte Bilder – offene Grenzen

Das Motto des diesjährigen Crossing Europe Filmfestivals, das bereits zum 14. Mal in Linz über die Bühne ging, traf mit dem Eröffnungsfilm „Chez nous“ punktgenau den Nerv, findet Wolfgang Ritzberger

Zwei Tage vor der Eröffnung des Festivals ging der erste Durchgang der französischen Präsidentenwahlen über die Bühne und spülte bekanntlich Marine Le Pen, die Chefin der Front National, in die Stichwahl und demontierte gleichzeitig die Kandidaten der Traditionsparteien Frankreichs. Denn der zweite Mann in der Stichwahl ist der Chef einer extra für die Wahlen gegründeten liberalen Gruppierung, der unter dem Sozialisten Hollande schon Wirtschaftsminister war: Emmanuel Macron. Mit dem Eröffnungsfilm „Chez nou“ (englischer Titel: „This is our Land“) des belgischen Regisseurs Lucas Belvaux traf das Festival genau ins Schwarze.
Die Geschichte einer Krankenpflegerin, die zur Spitzenkandidatin einer rechtspopulistischen Partei wird, ist sehr clever konstruiert und löste in Frankreich heftige Kontroversen aus. Vor allem die Front National protestierte lautstark, da er in der Protagonistin seine Spitzenkandidatin Marin Le Pen zu erkennen glaubte. Was der Regisseur auch nicht abstreitet, im Gegenteil, in etlichen Interviews in österreichischen Zeitungen erklärte er, eine radikale Partei verfolge die Vision einer Welt, in der es nur Gut und Böse gebe. Sie zu beschreiben heißt gleichzeitig etwas gegen sie zu sagen: „Die Partei diskutiert eben nicht, sie greift an!“

Politische Aussagekraft hatten auch die anderen Eröffnungsfilme. Regisseur Vitaly Mansky macht sich auf die Reise durch die Ukraine, von Lemberg bis nach Odessa. Er selbst wurde in der Ukraine geboren, als diese noch zur UDSSR gehörte und ist folglich auch russischer Staatsbürger, seine Vorfahren kommen aus Polen und Litauen. Entsprechend unterschiedlich auch der Zugang zum Konflikt in der Ukraine, der sich in dem Film „Close Relations“ widerspiegelt. Ein Jahr lang befragte er seine Angehörigen zur politischen Lage in der Ukraine und legte ein Geflecht an ethnischer und geografischer Herkunft in seiner Heimat frei.
„The sun, the sun blinded me“ ist eine Arbeit von Anka und Wilhelm Sasnal  aus Polen, der diesjährigen Tribute-Gäste des Festivals. Basierend auf Camus‘ Roman „Der Fremde“ schufen sie eine künstlerische, manchmal fast absurd anmutende Variation über Themen wie soziale Isolation und Fremdenhass, schreibt die Kritik. Die beiden waren mit vier weiteren Langfilmen der letzten Jahre und mehreren Kurzfilmen in Linz vertreten. Ihre formal manchmal durchaus experimental angelegten Filme verhandeln die dunklen Seiten des Polen von heute, den zunehmenden Fremdenhass, das Verhältnis zur Kirche und die jüngste polnische Vergangenheit.
„The Bar“ ist ein Film des spanischen Regie-Enfant-terrible Álex de la Iglesia, der schon so etwas wie ein Stammgast in Linz ist.  Sein Film pendelt zwischen Thriller und pechschwarzer Komödie um mysteriöse Todesfälle vor dem Hintergrund der allgemeinen Angst vor Terroranschlägen – Ort der Handlung ist eine Bar, vor deren Türen ein Passant erschossen wird und auch gleich ein zweiter, der versucht, ihm zu Hilfe zu kommen. Die Angst vor einem Heckenschützen macht die Gäste der Bar zu Gefangenen.

Von seinem Streifzug durch das Festival, das mit 23.000 Besuchern und Besucherinnen eine neue Rekordmarke erreichte und sehr erfolgreich über die Bühne gegangen ist, berichtet Wolfgang Ritzberger ab Seite 30 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.
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