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Mai 2017
Nr. 222


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Die dritte Kapsel

Mitte März hatte ich das Vergnügen, für die AES-Austria (Audio Engineering Society) einen Vortrag zum Thema „Das BPT-Surround Mikrofon - ein koinzidenter DECCA-Tree?“ halten zu dürfen, der erstaunlich gut besucht war. Tatsächlich verblüfft haben mich die mehr als 900 Live-Views der über die Facebook-Seite der AES-Austria gestreamten Version des Vortrags. Mit einem so großen Interesse an einer – wenn auch neuen - Mikrofontechnik hatte ich nicht gerechnet.
Text: Edwin Pfanzagl-Cardone


Was darf man sich unter dem „Blumlein-Pfanzagl-Triple“ Mikrofon vorstellen? Das BPT-Mikrofon ist eigentlich eine ganz einfache Konstruktion, die drei Kapseln in einem Gehäuse vereint: das bekannte Blumlein-Paar aus zwei im Winkel von 90 Grad gekreuzten 8-en wird durch eine dritte, nach vorne gerichtete Kapsel mit 8-er Charakteristik ergänzt. Diese dritte Kapsel wird auf die Schallquellenmitte ausgerichtet mit dem Vorteil, dass die Anteile, die von dort kommen, stabiler abgebildet werden. Zudem kann einer eventuell auftretenden Neigung zur „Anhäufung“ der Klangquellen um die Wiedergabe-Lautsprecher herum (mit einem Resultat ähnlich einem Mittenloch bei „breit AB“) entgegen gewirkt werden. Dabei bietet das Center-Mikrofon noch einige Möglichkeiten mehr: nämlich zum Beispiel eine Art Zoomfunktion, die helfen kann, vom Pegel her zu schwache Signalinformation anzuheben. Als Faustregel für den Tonmeister gilt in der Praxis, dass der Fader der nach vorne ausgerichteten Center-Kapsel zwischen -6 bis -3 Dezibel relativ zum L und R Fader eingestellt sein sollte. Allerdings sind natürlich auch Werte von weniger als –6 dB relativ beziehungsweise auch mehr als 0 dB relativ möglich, wenn der Pegel von in der Mitte gelegenen Schallanteilen (zum Beispiel Solisten nahe bei der Dirigentenposition im Falle einer Orchesteraufnahme) stark angehoben werden soll.


Mono und Stereo gleichzeitig
Das Neue und Ungewöhnliche am BPT ist weniger die Tatsache, dass damit auch Surround-Aufnahmen gemacht werden können – dazu im zweiten Teil des Artikels mehr – sondern vielmehr die Möglichkeit, gleichzeitig eine Mono- und Stereo- Aufnahme eines Events zu machen. Und das anders als es im Prinzip auch mit einem herkömmlichen MS-Mikrofon gemacht werden könnte: Bei diesem hat man natürlich die Möglichkeit, das Signal des nach vorne gerichteten M-Mikrofons (normalerweise Niere oder Omni) als direktes Mono-Signal zu verwenden und aus dessen Kombination mit dem seitwärts gerichteten S-Mikrofon (Achtercharakteristik) mittels passender MS-Dematrizierung ein Stereosignal zu generieren.

Von unterschiedlichen Einsatzgebieten des BPT, unter anderem als Centerfill-Mikrofon oder als dreikanaliges Hauptmikrofon am Filmset, berichtet Edwin Pfanzagl-Cardone ab Seite 36 der aktuellen Ausgabe. Das BPT und 360° Surround ist Thema des zweiten Teils in der Juni-Ausgabe von MEDIA BIZ.
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