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Fotos: Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Webarchiv: Anton Bruckners Werk und Schaffen

Unter dem Schwerpunkt "Digital Humanities" vollziehen die Sozial- und Geisteswissenschaften aktuell den technologischen Wandel von analog zu digital. Zahlreiche Forschungsprojekte widmen sich dem Erhalt des kulturellen Erbes. Auch die Akademie der Wissenschaften forciert den Ausbau dieses Schwerpunkts, in dessen Rahmen das Webarchiv www.bruckner-online.at umgesetzt wurde, das Bruckner-Fans und Forscherinnen und Forschern einen einzigartigen Zugang zu Handschriften, Erstdrucken und Bildmaterial des österreichischen Komponisten ermöglicht. Im Bereich der Musikwissenschaft nimmt sie dabei eine Vorreiterrolle in Österreich ein. Ein Pionier in Sachen digitaler Textmodellierung ist das Österreichische Musiklexikon, das seit 13 Jahren auf die gängige XML-Technologie (eine Metasprache) zurückgreift.

Die Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat in einem dreijährigen Projekt, gefördert durch den Wissenschaftsfonds FWF, das beinahe gesamte Werk Bruckners digitalisiert. Damit sind die wertvollen Originale künftig vor Abnützung geschützt und Bruckner-Fans können nun auf die Noten im Internet zugreifen und viele Zusatzinformationen kostenlos und online erhalten. Das Archiv enthält insgesamt 27.000 Bilder von nahezu allen Autografen und relevanten Abschriften der Werke Anton Bruckners. Die Quellen sind im Besitz vieler verschiedener Eigentümer und teilweise schwer zugänglich. Das stellte Robert Klugseder, Initiator und Projektleiter des Webarchivs, vor eine der größten Herausforderungen: "Das Auffinden aller relevanten Quellen in nationalen wie internationalen Bibliotheken, Archiven sowie in Privatbesitz und die Klärung der Rechtsfragen zur Online-Verwendung der Abbildungen durch die Akademie der Wissenschaften waren der aufwändigste Teil des Projekts", so der Musikwissenschafter.

Das virtuelle Bruckner-Archiv vereinigt nun das komplette Werk des 1824 in Oberösterreich geborenen Komponisten der Romantik. Neben den Autografen stehen zu diesen Quellen umfangreiche Detailbeschreibungen zur Verfügung, weiters 6.000 Abbildungen der Erstausgaben und der "Alten Gesamtausgabe". Eine zusätzliche Bibliografie-Datenbank enthält 9.422 Literaturzitate und bietet so ein umfassendes und einmaliges Bild zu Leben und Werk Bruckners.
Das jetzt zugängliche Archiv stellt den Abschluss der ersten Phase des Projekts dar. Als nächster Schritt sind drei weitere Module für die Plattform geplant: das Werkverzeichnis Anton Bruckners, eine umfassende Bilddatenbank und eine digitale Musikedition. Das 1977 erstellte Werkverzeichnis ist seit Längerem nicht mehr aktuell. "Neue Werke sind hinzugekommen, falsch zugeordnete Werke müssen entfallen", sagt Klugseder. Die Website mit dem umfassenden Quellenmaterial sei ein perfektes Tool zur Erstellung eines neuen Verzeichnisses. In der digitalen Musikedition sollen ausgewählte Werke Bruckners als Edirom-Edition zugänglich gemacht werden. Die Edirom-Technik ermöglicht die synoptische Darstellung verschiedener Autografen, Abschriften und Drucke zu einem Werk am Bildschirm. "Besonders reizvoll ist das bei Werken, die in verschiedenen Versionen oder Überarbeitungen überliefert sind und in Mischformen ediert wurden, wie zum Beispiel die 2. und 8. Symphonie in der 'Alten Gesamtausgabe'", erklärt Klugseder.

Robert Klugseder (www.oeaw.ac.at/kmf/mitarbeiter/m_klu.html) ist Initiator des Bruckner-Online-Archivs. Der Musiker und Musikwissenschafter arbeitet seit 2008 am Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (www.oeaw.ac.at/kmf/index.html) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Klugseder ist maßgeblich an weiteren Digitalisierungsprojekten wie dem Portal für mittelalterliche Musikhandschriften der Österreichischen Nationalbibliothek, www.cantusplanus.at, beteiligt.

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