N E W S
Funkhäuser verkauft man nicht

Eine sechsstellige Zahl an Hörern und Hörerinnen, darunter mehrere hundert prominente Persönlichkeiten und zahlreiche Institutionen wie die Architektenkammer, die Musikergilde, die Grünen Wien, sowie Stadtplaner, Verkehrsexperten, Denkmalschützer und Funkhaus-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kämpfen seit Jahren mit Petitionen, Medienauftritten und Protestaktionen für den Erhalt des traditionsreichen Kultur- und Medienstandortes in der Wiener Argentinierstrasse.

funkhausbleibt.at: Funkhaus soll Funkhaus bleiben: Community für einen lebendigen Medien und Innovationsstandort
So nennt sich eine neue Initiative, rund um deren Betreiber, der IG Funkhaus Wien GmbH (laut Impressum IGFW GmbH) - die nicht ident ist mit der ursprünglichen IG Funkhaus Wien – Initiative, www.ig-funkhauswien.at - sich nun eine Community formiert, die mit einem neuen Konzept eine Möglichkeit eröffnet, dieses Ziel zu erreichen.
Bereits in den ersten Tagen nach Start haben sich mehrere Hundert Menschen eingetragen, die den Plan unterstützen, die rund 5.000 Quadratmeter zu kaufen, die für den Weiterbestand des Hauses als Heimat von Radio Ö1 nötig sind. Der ORF soll somit die Räumlichkeiten für seine Radios zu günstigen Konditionen mieten und das traditionsreiche Haus kann auch weiteren Sozial- und Kulturinitiativen ein Dach bieten können.
Die Rhomberg Baugruppe hat den Zuschlag für den Kauf von rund 60 Prozent des gesamten Gebäudekomplexes erhalten. Die rund 40 Prozent, die beim ORF bleiben, sollen Radio Wien, ein Stadtstudio, Radiokulturhaus, Orchester und Großproduktions-Studios beherbergen. Der Verkaufsvertrag ist noch nicht bindend, bis Anfang 2017 besteht ein Rücktrittsrecht. 

Vertreterinnen und Vertreter der IGFW GmbH haben mit Rhomberg ein Konzept für die Erhaltung und Weiterentwicklung des Standortes ausgearbeitet. Das wichtigste Ziel dabei ist ein gestärktes Ö1 und ein insgesamt gestärkter öffentlich-rechtlicher Rundfunk. „Dafür muss der Sender im Herzen der Stadt bleiben und Teil eines belebten Kultur- und Innovationsstandorts werden,“ so lautet das erklärte Ziel in der Presseaussendung.
Voraussetzung dafür ist, dass eine unabhängige Finanzierung für den Kauf der 5.000 Quadratmeter sichergestellt wird. „Nach dem überwältigend positiven Feedback nach dem Start von funkhausbleibt.at sind wir zuversichtlich, dass wir die dafür nötige Summe aufbringen können. Etwa ein Drittel wollen wir über Crowdfunding finanzieren. Wer sich finanziell an diesem Projekt beteiligt, trägt zur Entwicklung eines neuen Standorts bei und hat damit auch eine sichere Geldanlageform“, so Christoph Robol, Geschäftsführer der IGFW GmbH.
https://funkhausbleibt.at
Twitter: @funkhausbleibt
Facebook: https://www.facebook.com/Funkhausbleibt/

Funkhäuser verkauft man nicht
Unter diesem Motto lud die IG Autorinnen und Autoren bereits im November 2015 erstmals zu einer „Live-Anthologie" von Beiträgen über das Funkhaus ein, die sich mit Erinnerungen an das Funkhaus und Erfahrungen mit dem Funkhaus beschäftigen sollen. „Live-Anthologie" heißt, die bei der IG Autorinnen Autoren einlangenden Beiträge werden nicht erst abschließend zusammengestellt in einer Anthologie veröffentlicht, sondern in der eingehenden Reihenfolge online weiterverbreitet.

Am 1. Oktober 2017 wird Ö1 50 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt werden Ö1 und FM4 noch im Funkhaus ihren Standort haben, aus aktueller Sicht ist die Verlagerung von Ö1 und FM4 auf den Küniglberg für 2019 geplant.
Den 50. Geburtstag von Ö1 will die IG Autorinnen und Autoren mit der Funkhausanthologie als Festschrift in Buchform feiern.
Aus diesem Grund ruft die IG Autorinnen und Autoren erneut auf, weitere Beiträge zur Funkhausanthologie, vor allem auch Gratulationen zum 50. Geburtstag von Ö1 und zur Bedeutung von Ö1, einzusenden. Die Beiträge sollen den Umfang einer halben Seite nicht übersteigen. Es sind alle literarischen Gattungen willkommen. Die neu einlangenden Beiträge werden in unregelmäßiger Folge in der Online-Ausgabe vorveröffentlicht, die bislang bereits mehr als 260 Beiträge umfasst: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=10946.
Die gesammelten Beiträge sollen nach der entweder geglückten oder misslungenen Verhinderung des Funkhausverkaufs in einer nicht-kommerziellen Gesamtpublikation veröffentlicht werden, die den Wert des Funkhauses, des Hörfunks und von Ö1 dokumentieren soll. Eine entsprechende Freigabe für diese Verwendung sollte deshalb explizit mit der Einsendung erfolgen. Eine darüber hinausgehende Verwendung der Texte findet nicht statt, alle Rechte verbleiben bei den Autor/inn/en.
Zusendungen an: Gerhard Ruiss gr@literaturhaus.at

Gegen die Zerstörung von Ö1
Am 15. November folgte aus aktuellem Anlass ein weiterer „Aufruf gegen die Gegen die Zerstörung von Ö1“, verfaßt von Georg Ruiss.
Obwohl ORF-Generaldirektor Wrabetz kurz vor seiner Wiederwahl angekündigt hatte: „Ö1 soll in jedem Fall gestärkt werden“ (APA, 13. Juli 2016), soll der neu bestellte Senderchef Peter Klein nun 750.000 Euro pro Jahr einsparen. Seiner Versicherung, es handle sich dabei lediglich um ein „sanftes Erneuern“ (Der Standard, 4. November) widersprechen die Fakten.
Gestrichen werden sollen unter anderem das bisher als erfolgreich gepriesene „Café Sonntag“ und das „Nachtquartier“, die Sendung „Von Tag zu Tag“ weicht einem Talk-Format nach dem Mittagsjournal. Die Literatursendung „Beispiele – Neue Literatur aus Österreich“ verliert ebenfalls ihren Platz und soll durch eine nicht näher bestimmte „Literaturleiste“ am frühen Vormittag ersetzt werden. „Kunstradio“ und „Hörspielstudio“ werden zusammengelegt und damit de facto halbiert. Das sind bloß einige Beispiele.
Insgesamt geht es bei diesem als Reform getarnten Sparprogramm um die Verringerung der Kosten, gerade auch für künstlerische und andere freie Mitarbeit bei Ö1. Und es geht darum, auf Ö1 allgemeine Sendeflächen zu schaffen und vom Programm Kanten und Ecken abzuschleifen.
Gemeinsam mit allen, die am künstlerischen und gesellschaftspolitischen Wert von Ö1 interessiert sind, fordern wir den Publikumsrat und den Stiftungsrat des ORF auf, diesem als Reform getarnten Spar- und Nivellierungspaket nicht zuzustimmen. Wir fordern Generaldirektor Alexander Wrabetz und Radio-Direktor Karl Amon sowie seine designierte Nachfolgerin Monika Eigensperger auf, ihre Versprechen einzuhalten und den Kulturauftrag von Ö1 zu stärken statt den international renommierten Sender zum billigen Beliebigkeitsprogramm verkommen zu lassen.

Unterstützungsunterzeichnungen werden ebenfalls gerne von Georg Ruiss entgegengenommen: gr@literaturhaus.at