N E W S
Michael A. Mohapp, 4. März 1958 bis 7. März 2015
Foto: Archiv
Es denkt wieder einmal
so in mir...


„Es denkt wieder einmal so in mir...Etüden eben“. Gedacht hat sich Michael A. Mohapp (das A. in seinem Namen war ihm wichtig) wohl zu allem etwas. Er war ein Quer- und Vieldenker. Kritisch, manchmal mit (viel) Schärfe, aber immer konstruktiv.

„Der Mensch an sich ist nur selten Thema, wenn wir jemandem begegnen.“ Michael bedachte seine Mitmenschen mit verblüffender Leichtigkeit immer mit einem sehr großen Vertrauensvorschuss, und sie konnten zu hundert Prozent auf seine Loyalität vertrauen. Verblüffend deshalb, da er nicht nur mit einer besonderen Einfühlungsgabe, sondern auch mit der dafür erforderlichen Sensibilität, die verletzlich macht, ausgestattet war.

Machma das? Eine Idee, die in ihm selbst gewachsen ist, ein Projekt, das auf Entwicklung wartete oder eine Aufgabe, die an ihn herangetragen wurde, hat er nicht erst auf Steine, die aus dem Weg zu tragen wären, überprüft. Wenn wir das wollen, dann machma das. Wir lernen, indem wir tun. Seine Liebe zur Sprache und zur Musik, sein ungebrochener Optimismus und sein grenzenloser Humor haben ihn geformt.

„Sie wissen, was Sie wollen? Tun Sie es! Setzen Sie sich durch! Wenn Sie wollen, können Sie (fast) alles. Probieren Sie es aus!“ lautete auch einer der Leitsätze zu seinem Coaching- und Mentoring-Programm, das er gemeinsam mit Marireau Mühlen erst unter dem Namen Authentic Acting, später, „weil AA für so Manchen zu esoterisch ankommt“, unter Coach4free angeboten hat.

Michael A. Mohapp war mit der Gabe ausgestattet, die Stärken jener, die sich ihm anvertrauten, hervorzubringen. Als Schauspiellehrer hat er den Weg zahlreicher Künstler mitgestaltet, darunter Michael Niavarani, Viktor Gernot, Valerie Bolzano, Nicolaus Hagg, Sigrid Hauser, Arthur Klemt, Rupert Henning, Walter Kukla, Markus Siebert, Nadja Maleh, Reinhold Moritz, Leopold Selinger oder Christoph Wagner-Trenkwitz. 1983 gründete er in einem Kellerlokal das Graumann Theater, das er als Intendant bis 1994 leitete. In seinem legendären politischen Stand-up-Programm „Graumann’s Night Mehr“ traten Nachwuchsdarsteller erstmals auf, die er in der integrierten Schauspielschule auch ausbildete.  

Zehn Jahre später, 2004, übernahm Michael A. Mohapp die Intendanz der Sommerspiele Stift Altenburg von deren Begründer Dieter O. Holzinger. Peter Turrinis Reaktion nach der Premiere seines Stücks „Die Wirtin“ (2007), bei dem Michael Mohapp wie bei allen anderen Stücken im Stift Altenburg auch Regie führte: „Ich habe eine ganze Menge Kritikpunkte, aber an mich. Die Aufführung war hervorragend, nur ich habe ein paar überflüssige Sachen geschrieben. Aber die habt Ihr ja zum Glück eliminiert.“ Für die Auswahl der Stücke hat sich Michael immer die dafür nötige Zeit genommen. „Was wir spielen werden? ...Unterhaltsam wird es auf jeden Fall - versprochen!“

Michael A. Mohapp, geboren am 4. März 1958 im Sternzeichen Fische (Aszendent Löwe), bezeichnete seinen Schulweg, der letztlich im Jesuitenkollegium Kalksburg mün- und auch enden sollte, als abwechslungsreich. Seinen ersten Bühnenauftritt absolvierte er im Alter von fünf Jahren. Er genoss die klassische Schule des Kabaretts von Kreisler und Bronner. Seit 1977 übte er einen ständigen „Spagat“ zwischen Werbung, Bühne, TV und Film - ein Bogen von Preisen und Auszeichnungen bis zu Desastern und politischer Repression. Sein logisches Motto: „Wir haben alle eine große Zukunft hinter uns!“

Schon vor seiner Zeit in Altenburg hatte Michael A. Mohapp bei mehr als 70 Komödien, Schauspiel- und Kabarettstücken und Musicals Regie geführt und außergewöhnliche Neuinszenierungen geschaffen. Als Schauspieler verkörperte er unterschiedlichste Charaktere in Inszenierungen des Schauspielhauses Graz, des Stadttheaters Baden oder des Volkstheaters ebenso wie in zahlreichen Kino- und TV-Produktionen. Als Kabarettist, einer, der seinem Publikum Intelligenz nicht verbieten will, stimulierte er schon in Gerhard Bronners Kabarett Fledermaus, im Graumann Theater, im Kabarett Simpl und mit zahlreichen Eigenproduktionen die Lachmuskeln des Publikums. Er war nicht nur seit 1987 die Stimme der Lotto-Werbung, sondern wirkte als Sprecher bei zahlreichen weiteren Werbespots und als Synchronsprecher unter anderem bei „Das Schweinchen Babe“, „Arielle“, „Opernball“, „Kronprinz Rudolf“ oder beim ORF-Kinderprogramm „Zirkus um Confetti“ von 2004 bis 2008. Bei den TV-Serien „Dance with me - Profitänzer ganz privat“ (ORF), „Du bist, was Du isst“, „Österreich isst besser“, „Bauer sucht Frau“, „Ohne Rauch geht’s auch“ (ATV) oder „Die Teufelskerle“ (RTL) fungierte er als Autor und Sprecher.

Neben unzähligen veröffentlichten Glossen, Kolumnen, Gedichten, Märchen, Kurzgeschichten und Drehbüchern schlummert wohl eine ähnliche Anzahl unveröffentlichter Texte und Gedichte in Heftchen oder auf losen Blättern, die er spontan über Jahre handschriftlich verfasst hat. Im Extradienst erschien über Jahre hinweg Mohapps Tagebuch.

Seit dem Jahr 2003 ist Michael A. Mohapp Mitgesellschafter von MEDIA BIZ und hat bis Ende 2004 als Chefredakteur die Redaktion mit seinen Ideen und seiner persönlichen Note bereichert.

„Geboren in eine Welt mit den falschen Fragen“, hat Michael A. Mohapp als Lebenskünstler den Blick für das Wesentliche bewahrt, ist weder privat noch auf der Bühne je unter die Gürtellinie gegangen und hat dennoch, auch weil er immer Rückgrat zeigte, polarisiert. Alle, die er (mit Lachen) zum Grübeln, auf ihren Weg gebracht und einfach Mensch sein hat lassen, werden ihn vermissen.

Momo, wir vermissen Dich!

(Sylvia Bergmayer im Namen des gesamten MEDIA BIZ Teams)

Das Theaterfest Niederösterreich gedenkt seinem langjährigen Mitglied Michael A. Mohapp:

Das THEATERFEST Niederösterreich trauert um sein langjähriges Mitglied Michael A. Mohapp. 17 Jahre lang sorgte Mohapp vor allem in seinen humorvollen Rollen bei den Sommerspielen in Stift Altenburg für beste Publikumsunterhaltung. Von 2004 bis 2011 war er auch als Intendant der Sommerspiele in Stift Altenburg tätig. "Mit Michael verlieren nicht nur wir einen ganz besonderen Kollegen, sondern ganz Österreich einen der klügsten Kabarettisten, Texter, Schauspieler und auch Lehrer“ so Werner Auer, Obmann des THEATERFEST Niederösterreich, "seine direkte und offene Art hat ihn immer wieder ausgezeichnet".