N E W S
Katrina Daschner
Preisübergabe
© drehbuchFORUM Wien/ Melisande Seebald
IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT 

Frauen*figuren jenseits der Klischees lautet der Untertitel und zugleich Motto des erstmals vom Drehbuchforum Wien (Wilbirg Brainin-Donnenberg) in Kooperation mit dem Österreichischen Filminstitut/gender*in*equality (Iris Zappe-Heller) veranstalteten zweistufigen Drehbuchwettbewerbs.
Im Filmcasino Wien wurde am 30. November der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis, der auch die dramaturgische Begleitung bis zum Drehbuch umfasst, an Katrina Daschner für ihr Treatment „Wanda und Nikita“ vergeben.
WANDA UND NIKITA können schießen wie Amazonen: Auf einer langen Autofahrt mit einer Leiche im Kofferraum entflammt ihre Liebe. Das experimentelle Roadmovie erzählt von Sehnsüchten und unvergesslicher Freundschaft. Die künstlerischen Abstraktionen lassen die Geschichte in visuell wie emotionell geheimnisvollen Sequenzen entfalten.

Jurybegründung: „Auf unkonventionelle, zarte und wilde Art und Weise erzählt Katrina Daschner eine große, anarchische Liebesgeschichte zweier Heldinnen, Wanda und Nikita. Gleichzeitig ist es die Geschichte eines Abschieds, einer Trennung, die beide in etwas Ungewisses entlässt.
Mit präzisem, feministischem Blick entwirft die Autorin ein Road Movie, eine Flucht, die die Protagonistinnen und uns durch unterschiedliche Zeiten und Räume führt, die Vergangenheit, die die beiden Frauen verbindet, ihre Phantasien und Alpträume. Provokant und leichtfüßig experimentiert sie dabei mit dem Genre und kreiert einen assoziativen Raum, in dem Fragmente von Erzählung, Figuren, Körper und Landschaften sich zu einem Drama verdichten, in dem das klassische Drama abwesend ist. Die Leiche im Kofferraum hat keinen Namen.
In Zeiten, in denen zeitgenössisches Kino stark von Gleichklang und Konditionierung bedrängt wird, sind wir sehr froh, mit diesem Preis die Entwicklung eines Drehbuchs für dieses Projekt zu unterstützen.“

Katrina Daschner lebt seit 20 Jahren als Künstlerin und Filmemacherin in Wien, wo sie auch mehrere Performance Salons gründete. Zuletzt den queeren CLUB BURLESQUE BRUTAL. Von 2005 – 2010 lehrte sie an der Akademie der bildenden Künste und erhielt 2010 den Otto-Mauer-Preis. Ihre Arbeiten werden international in Ausstellungen und bei Filmfestivals gezeigt. Die letzten vier Filme, hatten ihre Premiere bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen und bei der Diagonale in Graz. Seit 2012 arbeitet Katrina Daschner an einer filmischen Serie, einer queeren Neuinterpretation der Traumnovelle von Schnitzler. WANDA UND NIKITA ist ihr erstes Treatment für einen Langfilm.

Bei der Preisverleihung der ersten Wettbewerbsstufe (vom Exposé zum Treatment) am 29. Juni im Palais Schönborn/Volkskundemuseum in Wien wurden fünf der insgesamt 85 eingereichten Exposés mit je 5.000 Euro ausgezeichnet:
Lilly Axster mit dem Treatment Atalanta Läufer_in
Lisa Weber mit dem Treatmant Venice Beach
Libertad Hackl / Sophia Laggner mit dem Treatment Aloisia Schmidt oder Bin ich ein überflüssiger Mensch?
Johannes Höss / Clara Stern mit dem Treamtent Das braucht man zum Glück nicht
Katrina Daschner mit dem Treatment Wanda und Nikita

Katrina Daschner überzeugte in der zweiten Stufe mit ihrem Treatment und wurde mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Die Jury
Andrea Braidt, Vizerektorin der Akademie der bildenden Künste, Filmwissenschaftlerin Schwerpunkt Gender / Queer Studies (Wien),
Nike Glaser-Wieninger, Filmemacherin, Kuratorin, Beiratsmitglied Filmabteilung des Bundeskanzleramtes Kunst/Kultur, Vorstandsmitglied von FC GLORIA (Wien),
Valeska Grisebach, Drehbuchautorin, Spiel- und Dokumentarfilmregisseurin (Berlin),
Helena van der Meulen, Drehbuchautorin für Kino und TV, und Dramaturgin (Amsterdam), 
Wolfgang Widerhofer, Dramaturg, Filmeditor, Produzent (Geyrhalter Film) und Drehbuchautor (Wien).

Viele Filmschaffende fordern seit langem Frauenrollen jenseits der Klischees: in der Figurenzeichnung, in ihrer Rolle in der Handlung. Meryl Streep schuf ein eigenes Writer’s Lab für Drehbuchautorinnen ab 40 Jahren, Geena Davis leistet seit Jahren mit den vielfältigen Aktivitäten ihres Institute on Gender in Media wichtige Beiträge. In einer umfassenden Untersuchung* (http://seejane.org/ )von Frauenrollen im Kino, zeigt das Institut auf, dass in den populärsten Filmen aus elf Ländern nur 30,9 Prozent sprechende Frauencharaktere und 69,1 Prozent männliche Charaktere zu finden sind, dass Frauen klischeehaft und sexualisierter dargestellt werden, jünger als ihre männlichen Kollegen sind, und mehr in traditionellen Lebensvorstellungen und selten in Führungspositionen zu sehen sind. Frauenfiguren auf der Leinwand bestimmen aber die Bilder von Frauen in unserer Gesellschaft. Role-Models jenseits der Klischees zeigen Handlungsoptionen auf, machen Mut, üben Kritik, verhelfen Zuschauer_innen sich neu zu positionieren.
Das Motto dieser Untersuchung, „If She Can See It, She Can Be It“, haben das Drehbuchforum Wien und das Österreichischen Filminstitut für den erstmals in Kooperation mit FC GLORIA initiierten Drehbuchwettbewerb als Titel gewählt.
Ziel des zweistufigen Wettbewerbes „If She Can See It, She Can Be It“ war und ist es, die vermehrte Entstehung differenzierter, komplexer Frauenfiguren jenseits der Klischees für das österreichische und internationale Kino zu fördern. Einreichberechtigt waren Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren, Nachwuchsautorinnen und Nachwuchsautoren österreichischer Nationalität oder EU- oder EWR-Bürger_innen mit ständigem Wohnsitz in Österreich.
Mit einer gezielten Unterstützung von Drehbuchautor_innen bei der Entwicklung von Frauen*figuren jenseits der Klischees will das Drehbuchforum Wien dazu beitragen, dass heimische Autor_innen ihre Ideen in einem finanziell abgesicherten Rahmen frei ausarbeiten können, ohne (wie oft üblich) in Vorleistung gehen zu müssen.

www.drehbuchforum.at/deutsch/stoffentwicklung/drehbuchwettbewerb-frauenfiguren.html