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Dezember 2018
Nr. 236


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MEDIA BIZ digital
Kärntner Wurzeln

Das Villacher K3 Film Festival, das letztes Jahr in die Adventzeit verlegt wurde, findet heuer vom 12. bis 16. Dezember statt. Intendant Fritz Hock hat eine kleine und feine Auswahl an Spielfilmen und Dokumentationen mit Wurzeln im Dreiländereck, durchaus sehr „kärntnerisch“, ausgewählt, ergänzt um Branchentreffs und den „Writers Room“ von Paul Harather. Ein Bericht von Wolfgang Ritzberger.

Heuer fällt es schwer, sich einen Lieblingsfilm auszusuchen, denn das Spektrum ist weit aufgespannt, man sollte nicht glauben, bis wohin Kärnten reichen kann. Der Vorarlberger Reinhold Bilgeri machte die Kärntner Skiweltmeisterin Erika Schinegger zum Thema seines zweiten Spielfilmes „Erik und Erika“. Erika Schinegger, die aus einer kleinen Kärntner Bauernfamilie kommt, wurde als Skiweltmeisterin gefeiert, bis sich kurz vor den olympischen Spielen herausstellte, dass das bis dahin als Erika aufgewachsene Dirndl medizinisch betrachtet ein Erik ist. Der Film zeigt, wie man in den 70er Jahren damit umgegangen ist. Nicht viel anders als heute, könnte man angesichts der MeToo-Vorwürfe an Ex-Trainer und Funktionäre vermuten: leugnen, vertuschen und unter den Teppich kehren. Was das mit den Betroffenen macht, schien völlig wurscht zu sein – Kindeswohl hatte damals wohl eine andere Bedeutung. Gott sei Dank nicht allen, denn trotz massiver Wiederstände durfte sich dann Erika selbst entscheiden – auch das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Bilgeri zeigt in dem Film, dass die Funktionäre des ÖSV und lokale Politiker wollten, dass sich Schinegger zur „Frau“ umoperieren lässt. Aber es kam anders, und Erik Schinegger wurde zwar nach seinem Coming-out als Mann aus dem Skiverband hinaus gemobbt und konnte an die Erfolge „als Frau“ nicht mehr anschließen, ist aber heute Besitzer einer der größten Skischulen in Kärnten und glücklicher Familienvater. Bis heute hält sich übrigens das Gerücht, dass er als Erika beim gemeinsamen Training den Männern um die Ohren gefahren sein soll. Regisseur Reinhold Bilgeri, den wir ja noch als Vertreter des Austro-Pop in bleibender Erinnerung haben, und Erik Schinegger kommen am 15. Dezember zur Vorführung des Filmes (11 Uhr, Stadtkino Villach, Rathausplatz 1).

Yomeddine
Foto: Ka3 Film Festival

Ebenfalls einen Kärntner Bezug hat der Film „Yomeddine“, der in Villach seine Österreichpremiere feiern wird. Der Film war heuer im Wettbewerb in Cannes zu sehen und galt kurze Zeit als Favorit für einen der begehrten „Palmwedel“, ging dann aber letztlich leer aus. Er erzählt die Geschichte eines eigentlich schon geheilten Leprakranken, der aber immer noch in der Leprakolonie wohnt. Zusammen mit einem Waisenkind macht er sich dann auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit, und beide finden letztendlich ihr Glück. Der Film sorgte in Cannes für Aufmerksamkeit, auch weil es der Debütfilm des Regisseurs A. B. Shawky ist, den er als Diplomfilm für sein Studium an der New York University, wo er Student der Meisterklasse von Spike Lee war, schrieb und in Szene setzte. Der Film hatte ein Budget von knapp 600.000 Dollar und hat sich, so einer der Produzenten, der US-amerikanische Independent-Producer Gill Holland, schon am Marché in Cannes gut verkauft. Wo bleibt Kärnten? Regisseur A. B. Shawkys Vater ist zwar Ägypter, aber seine Mutter kommt aus Kärnten. Er hat einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Kärnten gelebt und spricht, so Fritz Hock, einen unverwechselbaren Kärntner Dialekt. Wovon sich die Festivalbesucher überzeugen können, Shawky kommt ebenfalls nach Villach und steht nach dem Film für ein Publikumsgespräch zur Verfügung und wahrscheinlich auch mehr, denn Villach bietet genug Zeit und Gelegenheit, um auch abseits der offiziellen Veranstaltungen Gespräche zu führen. Das Café am Rathausplatz und die Punschstände am Villacher Adventmarkt bieten dafür jede Menge Möglichkeiten.

Weitere Ausblicke auf das Programm, darunter eine Weltpremiere, mehrere Österreichpremieren, das Kärntner-Branchentreffen, ein „Writers Room“, der Kurzfilmwettbewerb, eine von Christian Krönes gestaltete Masterclass, und auch einen Geheimtipp bietet Wolfgang Ritzberger ab Seite 28 der aktuellen Ausgabe.

K3 Film Festival
12. bis 16. Dezember 2018
Filmstudio im Stadtkino, Rathausplatz 1, 9500 Villach
www.k3festival.com | Facebook: K3FilmFestival
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