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Dezember 2019
Nr. 245


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Goldgräberstimmung

Die Zeit erinnere an die Goldgräberstimmung im goldenen Westen - für Kreative, Drehbuchautorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen seien goldene Zeiten angebrochen, jubelte die Branche bei einer sehr prominent besetzten Veranstaltung des AAFP, einer der beiden Produzentenverbände Österreichs, Ende November. Wolfgang Ritzberger mischte sich unter die Goldgräber.

Anja Lenhart, AAFP 2019

Es reicht schon, die nackten Zahlen miteinander zu vergleichen, um zu wissen, wo sich der Krieg derzeit wirklich abspielt. Der Markteintritt von Produzenten, die bisher Content lieferten, wie etwa Disney und HBO, habe, so konnte man lesen, die Karten neu gemischt. Disney etwa, mit etlichen „Marken“ ein sehr starker Player - abgesehen von den klassischen Disney-Brands gehört bekanntermaßen auch Star Wars ins gleiche Königreich wie Donald und Dagobert - wird in Zukunft seine erfolgreichen Geschichten nicht mehr den anderen Plattformen überlassen. Den neuesten Spin-Off der Star Wars Saga, „The Mandalorian“, hat man eben nur mehr auf Disney+ - und zwar seit dem 12. November auch in einer deutschen Synchronfassung. Dieses Szenario, also die Neubündelung und Verteilung von Content auf die jetzt mehreren Plattformen, wurde in Kommentaren als der aktuelle Kriegsschauplatz beschrieben. Falsch gedacht. Der echte Krieg findet, wie man eigentlich schon seit Clausewitz wissen sollte, ums Geld statt. Und dann ums Geld und schließlich ums Geld. Netflix gibt heuer kolportierte 15 Milliarden Dollar, Amazon und Apple jeweils sechs Milliarden und Disney unglaubliche 24 Milliarden grüne Scheine der Federal Reserve Bank für neuen Content aus. Das sind nach Adam Riese etwas mehr als 50 Milliarden, allein diese vier Video-on-Demand-Anbieter. Ganz Europa, und da zählen wir jetzt alle Fernsehanstalten zusammen und berücksichtigen keine Nachrichten oder Sportübertragungen, investiert in die Entwicklung und Produktion von neuen Filmen und Serien schlappe 40 Milliarden, noch einmal: alle zusammen - von Paris bis Budapest und von Berlin bis Rom.
Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von Deloitte, die bei der Veranstaltung des aafp von Alexander Mogg präsentiert wurde. Folgt man dem Ergebnis dieser Studie, dann sind die herkömmlichen und vor allem linear ausstrahlenden Sender auf dem Papier schon jetzt die großen Verlierer. Das ist auch eines der Szenarien, das die Studie zeichnet: der finale Sieg der Online-Plattformen, an dem die „alten“ Broadcaster nur dann mitnaschen können, wenn sie sich auch auf dieses Terrain vorwagen können oder - im Falle des ORF - dürfen. Ein weiteres Szenario wäre der faktische Untergang der jetzt so gehypten Plattformen, wenn etwa der Markteintritt der neuen Player zu einer Bereinigung desselben führen, das Publikum nur „entweder oder“ abonnieren und sich der Mut bei Programmentscheidungen wieder anders verteilen würde.

Warum gerade der Film „The Irishman“ sich als Beispiel zum Thema Mut bei Programmentscheidungen anbietet, was es mit der „geborgten Zeit“ auf sich hat oder warum das goldene Zeitalter des Fernsehens zwangsläufig dazu führen soll, dass es für die Kreativen Manna vom Himmel regnet oder was nötig wäre, damit Österreich mit dem übrigen Europa gleichziehen könne, berichtet Wolfgang Rtzberger ab Seite 31 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.
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