Veranstaltungstipps
N E W S
© Pimp the Pony Productions / Thimfilm
Gruß vom Krampus
Rund drei Jahre lang hat sich Gabriele Neudecker mit allem rund um Passen, Krampus, Percht und Hobagoaß befasst. Dabei hat sich immer mehr gezeigt, dass das Krampus-Treiben, das einen beispiellosen Boom erlebt, nicht nur Teil der globalen Populärkultur, sondern vor allem auch der Jugendkultur in ländlichen Regionen geworden ist. Zu verstehen, was diese Faszination ausmacht, auf das Publikum und auf jene, die oft das ganze Jahr über leidenschaftlich ihrem durchaus auch kostspieligen Hobby frönen, an Masken tüfteln, Felle nähen, teilweise die Masken selbst schnitzen, Kunstwerke erschaffen, war Gabriele Neudecker ein großes Anliegen. Und sie lässt das Kinopublikum diese Faszination, den Nervenkitzel, spüren, bringt es mitten in das Geschehen, lässt es miterleben, was diese Masken bei Menschen auslösen können. Auch die Filmmusik trägt ihren Teil dazu bei. „Für mich war es wichtig, dass man den Herzschlag spürt, und das hat Dominic Muhrer, Frontmann von The Makemakes, mit seiner Musik genau so umgesetzt, wie ich mir das vorgestellt hatte“, erklärt Gabriele Neudecker.
Sie beleuchtet Ursprünge und Entwicklung der ruralen Tradition, spezielle Bräuche, Initiationsriten, aber auch Spannungsfelder, die sich daraus ergeben, neben Gewaltthemen auch das Frauenthema, in einigen Regionen werden Frauen nach wie vor ausgeschlossen, oder das strikte Festhalten an Traditionen, was oft zu Konflikten zwischen selbst ernannten Brauchtumsexperten und Jugendlichen, die Bräuche adaptieren wollen, führt.
Die Kinodokumentation über Jugendkultur am Land und das Aufleben von altem Winter- und Rauhnachts-Brauchtum wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und ist auch auf der Shortlist für den Österreichischen Filmpreis.

Begleitende Ausstellungen
Eröffnet werden die beiden für mindestens ein Jahr angesetzten Ausstellungen - am 16. November im Museum Fronfeste in Neumarkt am Wallersee (www.fronfeste.at), und am 30. November im Museum Rupertiwinkel auf der Burg Tittmoning (Bayern, www.tittmoning.de/de/burg/burg-tittmoning/gerberei) mit dem Film „Gruß vom Krampus“, mit anschließender Diskussion.
Die Ausstellungsleiterinnen behandeln mit Filmausschnitten vertiefend die verschiedenen Themenkreise im Film und gestalten gemeinsam mit Gabriele Neudecker Diskussionsrunden und Workshops.
Kinostart österreichweit: 9. November 2018
Buch, Regie und Produktion: Gabriele Neudecker
Produziert von Pimp the Pony Productions
Kamera: Stefan Aglassinger, Gabriele Neudecker,
Peter Neudecker, Toldy Miller
Schnitt: Gabriele Neudecker, Ilja Bayerl, Wolfram Paulus
Musik und Sound Design: Dominic Muhrer, Paul Estrela
Verleih: Thimfilm
www.pimptheponyproductions.com
https://www.facebook.com/KinofilmGrussvomKrampus/


Foto: Novotny Film
Angelo
Der zweite Spielfilm von Markus Schleinzer feierte seine Weltpremiere beim Toronto IFF Festival und seine Österreich-Premiere im Rahmen der Viennale.
Im Europa des frühen 18. Jahrhunderts wird ein junger, aus Afrika verschleppter Knabe von einer Comtesse erwählt, christlich getauft und herangezogen. Man kleidet ihn ein, man starrt ihn an, bestaunt ihn, übergibt ihn an eine Kindermagd (Gerti Drassl). Man lauscht seinem Flötenspiel, spricht über ihn, wenig mit ihm. Angelo entwickelt sich rasch zum Lieblingsornament des Wiener Hofes. Auch der erwachsene Angelo (Makita Samba) wird weitergereicht, verschenkt wie ein Gegenstand. Er lebt nun bei einem Fürsten (Michael Rotschopf). Aber seine heimliche Eheschließung und ihre Folgen lassen ihn bald an die Grenzen seiner Sehnsüchte stoßen.
Drehbuch: Markus Schleinzer
DoP: Gerald Kerkletz
Mit: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber,Kenny Nzogang, Lukas Miko, Gerti Drassl;
Eine Produktion der Novotny & Novotny Filmproduktion, Amour Fou Luxembourg und Markus Schleinzer
Kinostart österreichweit: 9. November
www.facebook.com/Angelo-Film-542175585993087/
http://kino.novotnyfilm.at/filme/380-angelo
www.amourfoufilm.com/film/angelo/


© Epo Film/ Petro Domenigg
Der Trafikant
Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler unter der Regie von Nikolaus Leytner nach einem Drehbuch von Klaus Richter spielt in den Jahren 1937/38. Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) kommt von seinem Heimatdorf am Attersee nach Wien, um beim Trafikanten Otto Trsnjek (Johannes Krisch) in die Lehre zu gehen. Dort eröffnet sich ihm allerdings mehr als nur die Berufswelt. Zu den Stammkunden der Trafik zählt auch der 82-jährige und bereits von Krankheit gezeichnete Sigmund Freud (Bruno Ganz), von dem Franz sofort fasziniert ist. Bei diesem sucht er auch Rat, als er sich in die Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) verliebt, muss aber erkennen, dass für den Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein kaum minder großes Rätsel als für ihn selbst ist. Franz ist fest entschlossen, um seine Liebe zu kämpfen, wird aber gemeinsam mit Freud, der jungen Böhmin und seinem körperlich beeinträchtigten und sehr couragierten Arbeitgeber in den Strudel der politischen Ereignisse gezogen, als Hitlers Truppen das Kommando übernehmen...
Mit: Bruno Ganz, Johannes Krisch, Simon Morzé, Gerti Drassl und Emma Drogunova
Regie: Nikolaus Leytner
Buch: Klaus Richter, Nikolaus Leytner
Produzenten: Dieter Pochlatko, Jakob Pochlatko, Ralf Zimmermann
Kamera: Hermann Dunzendorfer
Kinostart: Österreich 12. Oktober, Deutschland 1. November
Trailer: www.facebook.com/tobisfilmclub/videos/277325459659236/
www.epofilm.com/de/movie/der-trafikant-2/
www.tobis.de/film/der-trafikant/


Foto: greenkatproductions
Back to the Fatherland
Immer mehr junge Menschen aus Israel zieht es nach Deutschland und Österreich, was mit der älteren Generation emotional nicht ganz friktionsfrei verläuft.
Gil Levanon ist aus Israel, die Enkelin eines Holocaust Überlebenden, Kat Rohrer ist aus Österreich, die Enkelin eines Nazi Offiziers. Beide hat die Frage nicht mehr los gelassen, warum das so ist. Das hat auch weitere Fragen aufgeworfen: Wie kann die dritte Generation der Opfer unbekümmert in Wien oder Berlin leben? Und wie reagieren ihre Großeltern, die vor der Vernichtung aus diesen Städten geflohen sind, auf den Entschluss ihrer Enkel, dort zu leben?
Das hat die beiden zu dem Entschluss geführt, sich auf eine Reise zu begeben, um andere Enkel von Holocaust Überlebenden, die diesen Weg gegangen sind, zu finden. In ihrem Bestreben, die Geschichte ihrer Familien zu überwinden, treffen Kat und Gil die beiden jungen Israelis Dan und Guy, die Israel bereits verlassen haben, um in Österreich und Deutschland zu leben.
„Es könnte die letzte Chance sein, diese zutiefst persönlichen Geschichten zu hören und Zeuge zu sein, wie Großeltern und Enkel mit den offenen Wunden, die die Vergangenheit geschlagen hat, umgehen. Die Großeltern haben nach ihrer Flucht Israel aufgebaut, die junge Generation fühlt sich nun dort immer mehr an den Rand gedrängt und missverstanden. Der Film gibt dieser ungehörten Generation eine Stimme und spricht ein Generationen-Problem an, das sonst medial keine große Aufmerksamkeit erhält“, erklärt Kat Rohrer.
Kinostart: 12. Oktober 2018
www.greenkatproductions.com


Das kleine Vergnügen
Sexspielzeuge, fehlende Orgasmen, eine Erotikboutique von Frauen für Frauen. In ihrem Debutfilm erzählt Julia Frick die Geschichte einer Mutter, Haus- und Ehefrau, deren Kinder erwachsen sind und der der Ehemann abhanden kommt. Der Weg führt vorerst eher unfreiwillig in ein neues Leben, nach Irrwegen über eine Erotikboutique zum Erfolg. Julia Frick erzählt ihre Geschichte als Komödie, meint die Auseinandersetzung mit den Themen einer erwachsenen Frau aber durchaus ernst.
DoP Marco Zimprich, aac tauchte die Erotikboutique in ein geschmackvolles, zauberhaft sanftes Licht, das dabei hilft, die Geschichte auch optisch zu dem zu machen, was der Titel verspricht.
Waltraut Haas, die nach vielen Jahren wieder vor der Kamera stand, spielt die Mutter der Protagonistin, dargestellt von Petra Kleinert, dem deutschsprachigen Publikum aus zahlreichen Fernsehserien bekannt (u. a. „Mord mit Aussicht“). Und im Film spielt Haas’ Sohn Marcus Strahl ihren Schwiegersohn, also den Bösewicht, der seine Frau nach vielen Jahren einfach sitzen lässt.
Mit: Petra Kleinert, Waltraut Haas, Marcus Strahl, Ramesh Nair, Michael Buchinger, Ben Ruedinger, Barbara Karlich, Mirellativegal .... 
Kinostart österreichweit: 12. Oktober 2018
Trailer: https://vimeo.com/216183161 
Produktion: www.viennatainment.com
www.DaskleineVergnügen.at
http://facebook.com/DaskleineVergnuegen


Foto: Alamode Film08
Cops
De wöd is ka äkschnfüm – das mehrfach preisgekrönte Polizeidrama hat zahlreiche Diskussionen über den richtigen Zugang zur Polizeiarbeit entfacht.
Christoph, Rekrut der Polizeispezialeinheit WEGA, schießt während seiner Ausbildung in vermeintlicher Notwehr auf einen psychisch kranken Mann, und wird von seinen Kollegen als Held gefeiert, die Außenwelt reagiert jedoch kritisch. Christoph selbst hat Zweifel und löst damit eine Spirale der Gewalt aus, die sein Bild von der makellosen Eliteeinheit ins Wanken bringen...
Für Regisseur ISTVAN aka Stefan Lukacs ist der Film „ein politisches Drama über weltweite gesellschaftliche Entwicklungen, heruntergebrochen auf den Mikrokosmos einer Spezialeinheit in Wien. Dabei soll er, wie schon mein letzter Film VOID, mehr Fragen aufwerfen als er beantwortet und somit Stein des Anstoßes sein für eine breit angelegte Diskussion. Diesmal geht es jedoch nicht um eine konkrete polizeiliche Verfehlung, sondern vielmehr um die grundlegende Frage, welche Art von Exekutive bzw. welche Exekutivstrategien wir uns als Gesellschaft wünschen. Welches Verständnis von Kriminalität haben wir und wie ordnen wir VerbrecherInnen gesellschaftlich ein? Sind sie lediglich eine Art „Geschwür“, welches es zu isolieren oder gar zu eliminieren gilt, oder sind sie unumstößlicher Teil einer jeden Gesellschaft und erfordern daher eine gesamtheitliche Auseinandersetzung, die sich vermehrt mit den Ursachen von Verbrechen beschäftigt?“
Kinostart: 21. September
Traier: www.facebook.com/Copsthemovie/videos/611360705932811/
Regie & Drehbuch: Stefan A. Lukacs
Kamera: Andreas Thalhammer, Xiaosu Han
ProduzentInnen: Arash T. Riahi & Karin C. Berger
www.goldengirls.at


Fotos: Navigator Film
Zu ebener Erde
Obdachlos? Ein hierzulande nicht existentes Problem, und wenn, dann wohl selbst verschuldet oder selbst gewählt. Eine durchaus häufig anzutreffende Meinung, die das Regie-Trio Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Werani nicht teilen kann. Bei ihren Recherchen hat sich rasch herausgestellt, dass die Gründe für Obdachlosigkeit so vielfältig sind, wie die Menschen unterschiedlich. „Vielmehr ist es eine Verkettung unglücklicher Umstände. Wobei“, so Steffi Franz „grundsätzlich niemand davor gefeit ist, obdachlos zu werden. Auch finanziell vermeintlich abgesicherte Menschen landen auf der Straße, bedingt durch psychische Krankheiten und Sucht, die sich wiederum durch die permanente Stress-Situation, die ein obdachloses Leben mit sich bringt, potenzieren.“
Die Kinodokumentation begleitet Männer und Frauen, die in Wien ohne Obdach leben und vom Rest der Welt nicht wahrgenommen werden. Zwischen sensibler Nähe und respektvoller Distanz erzählen die Porträts von der Bewältigung des Alltags auf der Straße, von Freiheit und Abhängigkeit, von Bedürfnissen und Grenzen, von Krankheit, Tod und letztlich der unteilbaren Würde des Menschen.
Im Zentrum von „Zu ebener Erde“ stehen fünf obdachlose Menschen – Hedy, Herr Birkner, Micha Jölly, Katka und Laco – und ihre ganz eigenen Blicke auf das Leben in der Stadt Wien. 
Man begleitet Herrn Birkner auf seinen Wegen durch Parkanlagen,
zu provisorischen Schlafplätzen oder Sozialeinrichtungen, wo er herzlich empfangen wird. Hedy hingegen meidet auch in klirrender Kälte längere Aufenthalte in beengten Unterkünften und hat sich im Wald am Stadtrand einen höhlenartigen Unterschlupf aus Zweigen gebaut.
Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Werani haben sich mit den Dokumentarfilmen „Treibstoff“, in dem sie die gleichnamige Wiener Wagentruppe über ein Jahr begleitet haben, oder in „Dreck ist Freiheit“ über experimentelle Wohnformen am Wagenplatz als Regieteam bereits mit randständigen Themen und Menschen unserer Gesellschaft auseinandergesetzt.
Regie: Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Werani
Buch: Steffi Franz
Kamera: Oliver Werani
Schnitt : Birgit Bergmann
Produktion: Navigator Film
Verleih: Stadtkino Filmverleih
Trailer: https://vimeo.com/273889909
Kinostart: 28. September 2018
http://zuebenererde.at


Foto: Alamode Film08
303
„Es ist eine Reise durch Europa, das sich zurzeit zunehmend abschottet. Deswegen ist mehr Freiheit, mehr Akzeptanz gut, und das vermittelt der Film hoffentlich“, Anton Spieker (Jan). „Ich würde 303 mit der Musik von Nirvana oder Foo Fighters vergleichen. Die sind nice guys, die hauen niemandem auf die Fresse, haben aber trotzdem eine Message gegen das System und gegen die Gleichschaltung. Und das ist das Politische. Die Menschen sollen halt sein wie sie sind und sich nicht verstellen müssen, um geliebt zu werden. Das ist das Revolutionäre an diesem Film.“
Jan (Anton Spieker) ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus egoistisch ist. Deswegen ist er auch nicht weiter überrascht, als ihn in Berlin seine Mitfahrgelegenheit versetzt. Jule (Mala Emde) hingegen glaubt, dass der Mensch im Kern empathisch und kooperativ ist, und bietet Jan einen Platz in ihrem "303“ Oldtimer-Wohnmobil an. Beide sind unterwegs Richtung Atlantik. Jan will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen, Jule zu ihrem Freund nach Portugal. Eigentlich soll es gemeinsam nur bis Köln gehen, doch mit jedem Kilometer eröffnet sich etwas mehr von der Welt des Anderen. Macht der Kapitalismus den Menschen zum Neandertaler? Führt Monogamie ins Unglück und kann man sich aussuchen, in wen man sich verliebt? Die beiden durchqueren Frankreich und erreichen Spanien, ihre Gespräche werden immer persönlicher. Und es fällt ihnen immer schwerer, sich nicht ineinander zu verlieben…
„Das, was Jan und Jule reden, das wollte ich verbreiten, und das ist natürlich hochpolitisch. Was man nebenher macht, gelingt ja immer besser, weil es aus der Absichtslosigkeit entsteht, daher nicht-intentional – ich wollte keinen Liebesfilm machen, vielleicht ist es deswegen ein ganz guter geworden“, so Hans Weingartner.
Regie: Hans Weingartner
Besetzung: Mala Emde, Anton Spieker
„303“ feierte seien Weltpremiere auf der Berlinale: www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2018/02_programm_2018/02_
Filmdatenblatt_2018_201812515.php#tab=video
Kinostart: 20. Juli 2018
Trailer: http://kahuuna.de/trl_303_v4.mp4
Verleih: Alamode Film Österreich
Vertrieb: Thimfilm GmbH


© AMOUR FOU / Bady Minck
MappaMundi ab 13. Juni im Kino
Bady Mincks Reise durch 950 Millionen Jahre Erdgeschichte, 150.000 Jahre Migration der Menschheit und 15.000 Jahre Kartografie wird unter anderem ab 13. Juni im Filmcasino Wien und ab 20. Juni im Filmhauskino Spittelberg zu sehen sein. Unterstützt von Soundtracks, unter anderem vom Klangforum Wien, von Pulsinger & Tunakan und Ivory Parker und Chakrabreaker, macht der Film den permanenten Wandel unserer Welt sichtbar, einen Wandel, den der einzelne Mensch in seinem kurzen Leben so nicht bemerken kann. Ein Bild der Welt, das wir Menschen seit Jahrtausenden stets aufs Neue entwerfen.
Kinostart: 13. Juni 2018
Screenings: www.facebook.com/mappamundifilm/
www.amourfoufilm.com


Murer, Anatomie eines Prozesses
Der Eröffnungsfilm der Diagonale 2018 wurde mit dem großen Diagonale-Spielfilmpreis ausgezeichnet. „Dieser Film ist wichtig, eine minutiöse Auseinandersetzung mit Österreichs Vergangenheit und ihrer Wirkmacht bis ins Heute. Zugleich aber sticht er als ästhetische Erfahrung heraus, ist vielschichtig und psychologisch komplex und brillant gespielt. Er schafft es, Prozessakten auf der Leinwand lebendig werden zu lassen. Ein wirklich großer Gerichtsfilm – ganz ohne Helden, aber voller Porträts der Conditio humana,“ so die Begründung der Jury:
Graz 1963. Wegen Kriegsverbrechen steht der angesehene Lokalpolitiker und Großbauer Franz Murer, 1941 - 43 für das Ghetto von Vilnius verantwortlich, vor Gericht. Überlebende des Massenmordes reisen an, um auszusagen und Gerechtigkeit zu erwirken. Basierend auf den originalen Gerichtsprotokollen wird von einem der größten
Foto: schaller08
Justizskandale der Zweiten Republik erzählt – und von politischer Strategie jenseits moralischer Werte.
Christian Frosch: „Ich bin zufällig bei einer Reise nach Vilnius auf dieses Thema aufmerksam geworden, als ich im dortigen jüdischen Museum auf eine Tafel gestoßen bin, die Franz Murer als Haupttäter im Ghetto bezeichnet. Zur Erinnerung: Wilna war das geistige Zentrum der jüdischen Kultur in Osteuropa. Es wurde von den Nazis mit Unterstützung der litauischen Bevölkerung komplett zerstört. Von den 80.000 Juden in Wilna überlebten nur ein paar hundert. Als historisch interessierter Mensch war ich erstaunt, den Namen des Mannes noch nie gehört zu haben, der als hauptverantwortlich für die Shoah in Wilna gilt. [...] Zunächst hatte ich die Idee, über den gesamten Film hinweg nur im Gerichtssaal zu bleiben, da hätte man aber die politische Verstrickung, die ja das Herzstück ausmacht und den Film in die Nähe eines Politthrillers rückt, nicht verstanden. [...] Ich wollte nicht nur diesen Prozess, sondern auch etwas über Gericht per se erzählen.“
Drehbuch und Regie: Christian Frosch
Eine Produktion der Prisma Film (Mathias Forberg & Viktoria Salcher), co-produziert von Paul Thiltges Distributions Luxemburg.
Kinostart: 16. März 2018
www.murer-film.com
www.prismafilm.at


Kathrin Hartmann und Werner Boote
im Gespräch mit einem Terena-Häuptling 
Rinderzucht
Fotos: Filmladen Filmverleih
The Green Lie
Sind wir alle wirklich Konsum-SuperheldInnen, die es in der Hand haben, die Welt zu retten, wenn wir uns dafür entscheiden, die richtigen Produkte zu kaufen? Der Begriff Greenwashing bezeichnet jene Praxis, Produkte mit Hilfe massiver PR als „nachhaltig“, „umweltschonend“ oder „fair“ zu verkaufen, obwohl das in Wahrheit keineswegs so ist.
Werner Boote und die Münchner Journalistin, Autorin und Expertin für Greenwashing Kathrin Hartmann stehen inmitten des brandgerodeten Regenwaldes und erleben die ehemalige grüne Lunge der Welt als apokalyptischen Albtraum. Sie besuchen die indonesische Palmöl-Konferenz IPOC, wo der Innenminister des Landes sich über die Umweltschützer lustig macht. Sie besuchen in Texas den Uni-Professor und Mitbegründer der Antiglobalisierungsbewegung Raj Patel, der sich darüber empört, dass die Wahl zwischen fair und unfair produziert immer noch auf den Konsumenten, die Konsumentin abgewälzt wird.
In Louisiana besichtigen Boote und Hartmann die Nachwirkungen des katastrophalen Blowouts der BP-Ölbohrplattform Deepwater Horizon von 2010 – anstatt das ausgelaufene Öl wirklich komplett zu entfernen, wurde das giftige Dispersionsmittel Corexit eingesetzt, das den Ölteppich zersetzte und auf den Meeresboden drückte. Jeden Tag werden hochgiftige Teerklumpen an Land gespült.
Mit einem „umweltfreundlichen“ Tesla fahren die beiden zum Tagebau Garzweiler im rheinischen Braunkohlerevier, einer der größten Kohlengruben Europas, der mehrere alte Dörfer und riesige Waldgebiete zum Opfer fielen. Am Rand der Grube stehen ein paar Windräder, mit denen der Konzern RWE sein Engagement für Erneuerbare Energie betont. Doch das Kerngeschäft ist die Förderung und Verbrennung von Braunkohle, aus der Strom auch für Elektroautos wie den Tesla gewonnen wird.  „Nur weil man keinen Auspuff sieht, heißt das nicht, dass kein Dreck entsteht!“ Feinstaub verseucht hier die ganze Gegend, es häufen sich Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten und Krebs.
In Brasilien erzählt Sonia Guajajara, das Oberhaupt der indigenen Bevölkerung, wie ihre Landsleute mit brutaler Gewalt von ihrem ureigenen Grund und Boden vertrieben oder sogar ermordet werden, um Platz für Soja-, Mais-, Zuckerrohrplantagen und Rinderfarmen zu schaffen.
Mit: Werner Boote, Kathrin Hartmann, Noam Chomsky, Raj Patel
Regie: Werner Boote
Drehkonzept: Werner Boote, Kathrin Hartmann
Kamera: Dominik Spritzendorfer (DOP), Mario Hötschl
Ton: Andreas Hamza, Atanas Tcholakov, Eick Hoemann 
Schnitt: Gernot Grassl, Roland Buzzi
Produktion: e & a film
Verleih in Österreich: Filmladen
Im Februar ist das Buch „Die grüne Lüge“ von Kathrin Hartmann, das während der Recherche zum Film entstanden ist, im Blessing Verlag erschienen:
www.randomhouse.de/Paperback/Die-gruene-Luege/Kathrin-Hartmann/Blessing/e529465.rhd
Kinostart: Österreich: 9. März, Deutschland: 22. März 2018
Trailer: www.youtube.com/watch?v=e_AY6p3KZ8I&feature=youtu.be
www.thegreenlie.at


Foto: schaller08
Atelier de Conversation
In der Bibliothek des Centre Pompidou in Paris trifft sich allwöchentlich eine Gruppe von Menschen unterschiedlicher Herkunft, um im Sesselkreis eineinhalb Stunden lang ausschließlich auf Französisch zu diskutieren. Sie wollen in der Sprache des Landes, in dem sie leben, sattelfest werden. Kriegsflüchtlinge und BWL-Studenten, Hausmänner und Geschäftsfrauen tauschen sich in diesem „Atelier de Conversation“ auf Augenhöhe über Gott und die Welt aus. Der österreichische Filmemacher Bernhard Braunstein, der selbst zwei Jahre lang das Atelier besuchte und dessen tiefere Bedeutung erkannte, fing dort mit seiner Kamera Lebensrealitäten einer Großstadt ein.
Bernhard Braunsteins Dokumentarfilm wurde unter anderem mit dem ARTE-Dokumentarfilmpreis 2017 ausgezeichnet. Die Begründung der Jury (Auszug): „Wo die Diskussionen vor der Kamera konzentriert und präzise, dabei neugierig und fast immer vorsichtig von Statten gehen, ohne dabei den zentralen Fragen von Identität, der Begegnung mit dem Fremden und dem Ineinander von Wirtschaft und Politik aus dem Weg zu gehen, entwirft Braunstein eine ebenso komplexe, insistierende, neugierige, formal klare aber doch tiefgreifende filmische Form.“
Trailer: https://vimeo.com/220849488
Kinostart Österreich: 9. Februar 2018
Buch und Regie: Bernhard Braunstein
Kamera: Adrien Lecouturier
Schnitt: Roland Stöttinger
Produzenten: Bernhard Braunstein, Dominik Tschütscher
Sales/Distribution international: Sixpackfilm
Produktion: schaller08 (A), Supersonicglide (F)
http://schaller08.at/atelier-de-conversation/
www.facebook.com/AtelierDeConversation.documentary/


Die Einsiedler
In seinem Spielfilmdebüt erzählt Ronny Trocker vom Schicksal einer Bergbauernfamilie und von der beklemmenden Beziehung der Bäuerin Marianne zu ihrem Sohn Albert. Während die alte Frau fest entschlossen ist, ihren Lebensabend auf dem abgeschiedenen Eggerhof zu verbringen und dafür selbst den Unfalltod ihres Mannes vertuscht, ist ihr introvertierter Sohn bereits vor vielen Jahren ins Tal abgewandert, um die Familie zu unterstützen.
In den Hauptrollen sind Ingrid Burkhard und Andreas Lust zu sehen.
Der Film „Die Einsiedler“ wurde unter anderem mit dem Preis für den besten Film beim Film Festival della Lessinia, dem Preis der Filmkritik beim Schweizer Saas-Fee Filmfestival und dem "Fünf Seen Filmpreis" ausgezeichnet und war auch für den "EUROPEAN DISCOVERY 2017 – Prix FIPRESCI" beim Europäischen Filmpreis in Berlin nominiert.
Kinostart: 26. Jänner 2018
Eine Ko-Produktion von Golden Girls Filmproduktion (A) und Zischlermann Filmproduktion (D).
Weltvertrieb: CERCAMON World Sales 
Österreich-Vertrieb: filmdelights
http://www.goldengirls.at/finished-films/
https://www.facebook.com/TheEremites/


Fotos: Mischief Films
Was uns bindet / Ties that bind
Gerade als ich geglaubt habe, endlich mit meinen Gefühlen für meine Eltern und meine Herkunft im Reinen zu sein, vererbt mein Vater mir zur Hälfte sein altes, baufälliges Bauernhaus. Das Erbe aus Stein soll mich wieder an jenen Ort in den Salzburger Bergen binden, in dem ich aufgewachsen bin und in dem meine Eltern immer noch leben. Ich leide unter Atemnot. Ich merke: Die Auseinandersetzung mit meiner Familie hat nicht aufgehört. Mit meiner Rückkehr beginnt ein neuer Blick auf meine Eltern.
Der Film von Ivette Löcker wurde unter anderem mit dem Großen Diagonale Preis 2017 für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Kinostart: 1. Dezember 2017
Buch und Regie: Ivette Löcker
Kamera: Frank Amann
Produktion: Mischief Films
www.mischief-films.com/filme/was-uns-bindet
www.mischief-films.com/presse/was-uns-bindet


Guardians of the Earth
„People who benefit from a system don´t want to change the system“.
Nach 21 Jahren des kontinuierlichen Scheiterns von UN Klimaverhandlungen treffen 195 Länder, 20.000 weltweite Unterhändler, auf einem durch das Militär gesicherten Privat-Flughafen im Norden von Paris zusammen.
„Die konkrete Idee, die COP21 (Conference Of Parties) in Paris zum zentralen Element der Erzählung eines Filmes über den Klimawandel zu nehmen, wurde Anfang 2015 festgelegt - danach blieben acht Monate Zeit, um das Projekt zu finanzieren und die notwendigen Vorbereitungen mit der UNFCCC zu treffen, dem Sekretariat der Vereinten Nationen für den Kampf gegen den Klimawandel. [...] Ein großer Erfolg war, dass wir als einziges Team in der Hauptversammlung drehen durften. [...] In sehr hoher Arbeitsintensität sind so Aufnahmen entstanden die den unmöglichen, nicht planbaren, unfassbaren Ort „COP21” mit seiner immensen Vielschichtigkeit und Komplexität für ein Publikum außerhalb greifbar machen sollen. Das Unterfangen, die COP mit ihren hochkarätigen Figuren filmisch einzufangen und vor allem das Wesentliche festzuhalten, war eine absolute Gratwanderung,“ erklärt Regisseur Filip Antoni Malinowski.
Foto: Soleil Film
“Guardians of the Earth” zeigt das Ringen um das monumentale Abkommen aus der Perspektive von fünf Hauptfiguren - unter anderem aus jener der Chefin der UNFCCC-Klimaabteilung, und der Chefunterhändler der Exportländer von fossilen Brennstoffen bzw. der am meisten von der Zerstörung bedrohten Staaten.
Der Film bietet Einblicke in den Prozess hinter verschlossenen Türen und offenbart den Konflikt einer globalisierten Gesellschaft: das Dilemma zwischen Solidarität und nationalen Eigeninteressen  - der Kampf um Wirtschaftswachstum auf der einen und der massive Verlust an Menschenleben auf der anderen Seite.
Regie: Filip Antoni Malinowski, Cinematography: Jakob Fuhr, Emmanuel Cappelin, Börres Weiffenbach, Attila Boa, Editing: Frank Brummundt, Sound: Sergey Martynyuk, Peter Rösner, Music: Nils Frahm
Sound design: Kai Tebbel, Producers: Jürgen Karasek, Filip Antoni Malinowski, Michael Boagr, Inka Dewitz;
Produktion: Soleil Film in Ko-Production MIT Perfect Shot Films
Verleih: www.filmdelights.com
Kinostart in Österreich: 17. November 2017.
Trailer: https://vimeo.com/235517932
www.guardians-of-the-earth.net, www.soleilfilm.at


Western
Der zweite Langspielfilm der deutschen Regisseurin und Absolventin der Wiener Filmakademie Valeska Grisebach nach ‚Sehnsucht‘ feierte beim Festival de Cannes Weltpremiere und erntete dort ebenso wie von der internationalen Filmpresse Begeisterung.
Eine Gruppe deutscher Bauarbeitern macht sich auf den Weg zu einer Auslandsbaustelle in der bulgarischen Provinz. Das fremde Land weckt Abenteuergefühle bei den Männern. Gleichzeitig werden sie mit ihren Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert. Für zwei der Männer wird ein nahe gelegenes Dorf zur Bühne für einen Konkurrenzkampf um die Anerkennung und die Gunst des Dorfes.
„Mit der Idee, eine Gruppe deutscher Männer ins Ausland auf Montage auf unbekanntes Terrain zu versetzen, wo sie selber fremd und mit ihren Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert sind, hatte ich den Zugang zu dem Thema und eine passende Ausgangssituation für eine Geschichte,“ erklärt Valeska Grisebach, die sich schon als Mädchen mit den Helden der Western identifiziert hat. Das Genre Western, mit dem sie vor dem Fernseher in den 70er Jahren in West-Berlin großgeworden ist, übt nach wie vor ungebrochen eine Faszination auf sie aus. „Die Suche nach Unabhängigkeit und Freiheit, die die Helden im Western verkörpern, die Idee, alles hinter sich zu lassen oder wenigstens für Momente ungebunden und frei zu sein, habe ich als ein universelles, romantisches Motiv verstanden, das etwas über die Sehnsucht nach Erlebnis und der Bedeutung des eigenen Schicksals erzählt.“
Valeska arbeitet immer mit nicht-professionellen Schauspielern. Die Bauarbeiter im Film sind auch im wirklichen Leben Bauarbeiter.
Ein Western der im Osten spielt, mit deutschen Helden, die durchwegs aus dem Osten stammen und in einen sehr speziellen Lebensraum eindringen, werden mit Spiegelmomenten konfrontiert, die auch das Publikum berühren.
Buch und Regie: Valeska Grisebach
Bildgestaltung: Bernhard Keller
Szenenbild: Beatrice Schultz
Kostümbild: Veronika Albert
Ton: Uve Haußig
Montage: Bettina Böhler
Produzenten: Jonas Dornbach, Janine Jackowski, Maren Ade, Valeska Grisebach, Antonin Svoboda, Bruno Wagner, Boris Chouchkov und Viktor Chouchkov
Eine Produktion von Komplizen Film, coop99 filmproduktion und The Chouchkov Brothers
Verleih: Stadtkino Film
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=p8f8zHDwv_c
Kinostart Österreich: 3. November 2017
www.western-der-film.de
www.coop99.at/web-coop99/?portfolio=western&lang=de


Fotos: Christian Schulz NGF
Licht / Mademoiselle Paradis
Die persönliche Geschichte der hochbegabten und sehr sensiblen Maria Theresia Paradis, die im späten 18. Jahrhundert in Wien lebte, bietet zugleich tiefe Einblicke in ein gesellschaftliches System, das auf Verhinderung und Unterdrückung aufgebaut ist – und von Frauen, die versuchen, damit zurecht zu kommen und ihren eigenen Raum und ihre Freiheit innerhalb dieser restriktiven Strukturen zu finden.
„Ich möchte ,Licht’ nicht als Flucht in eine Ästhetik der Vergangenheit verstanden wissen, vielmehr widmet sich der Film Grundfragen der menschlichen Existenz: Der fortwährenden Spannung zwischen Unterordnung und Anpassung, und der Sehnsucht, sich über das Gewöhnliche zu erheben, letztlich unsterblich zu werden. Und darüber hinaus dem Wert des Menschen an sich“, beschreibt Regisseurin Barbara Albert ihren Zugang.
Wien 1777. Die früh erblindete 18jährige Maria Theresia „Resi“ Paradis ist als Klavier-Wunderkind in der Wiener Gesellschaft bekannt. Nach zahllosen medizinischen Fehlbehandlungen wird sie von ihren ehrgeizigen Eltern dem wegen seiner neuartigen Methoden umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer anvertraut. Langsam beginnt Resi in dem offenen Haus der Mesmers, zwischen Rokoko und Aufklärung, im Kreise wundersamer Patienten und dem Stubenmädchen Agnes, das erste Mal in ihrem Leben Freiheit zu spüren. Als Resi in Folge der Behandlung erste Bilder wahrzunehmen beginnt, bemerkt sie mit Schrecken, dass ihre musikalische Virtuosität verloren geht...
Für das Drehbuch verantwortlich zeichnete Drehbuchautorin und Schauspielerin Kathrin Resetarits, die die Geschichte frei nach dem Spiegel-Bestseller „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser erzählt.
„Da, wo im Roman das Drama von Franz Anton Mesmer, der nicht aus seiner Haut kann und gegen Neid und Ehrgeiz nicht ankommt, auch sehr eindrucksvoll beschrieben wird, tritt bei uns das Drama der blinden Frau in den Vordergrund, die weiß, dass sie nur mit ihrer Blindheit außergewöhnlich ist, gleichzeitig auch das Sehen für sich einfordert. Sie entwickelt sich von einem passiven, objekthaften Wesen zu einer starken Frau mit eigenem Willen. Sie weiß zuletzt, dass sie das Recht aufs Sehen hat, dass ihr das Sehen aber in der Gesellschaft, in der sie lebt, nicht mehr Freiheit bringen würde, sondern sogar weniger. Als sehende Frau müsste sie heiraten, sonst wäre sie nicht viel wert; Komponistin dürfte sie ohne diesen Sonderstatus auch nicht mehr sein“, so Barbara Albert.
„Licht“ von Barbara Albert feierte im September 2017 Weltpremiere im Rahmen des TIFF in Toronto und Europapremiere beim Internationalen Film Festival San Sebastian.
Kamera: Christine A. Maier
Kostümbild: Veronika Albert
Szenenbild: Katharina Wöppermann
Schnitt: Niki Mossböck
Ton: Dietmar Zuson
Sound-Design: Christian Conrad
Produktion: Geyrhalter Film
Koproduktion: Looks Film
Verleih: Filmladen
Trailer: www.youtube.com/watch?v=C0nDuRhV9EI
Kinostart: Nach der Österreichpremiere im Rahmen der Viennale startet „Licht“
ab 10. November 2017 in österreichischen Kinos und ab dem 1. Februar 2018
in Deutschland.
www.licht-paradis-film.com


Foto: Filmperlen
Happy End
Diese Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie ist, so  Michael Haneke „ein Film, der wie alle anderen Filme von mir darüber reflektiert, wie wir miteinander umgehen, nämlich ebenso acht- und rücksichtslos wie hungrig nach Liebe und bedürftig nach Zuwendung.“
Koproduziert von WEGA Filmproduktion mit Les Films du Losange (F), X-Filme Creative Pool (D)
Mit: Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Fantine Harduin, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski, Laura Verlinden und Toby Jones
„Happy End“ feierte seine Weltpremiere bei den 70. Filmfestspielen in Cannes und wurde als österreichischer Kandidat für den Auslands-Oscar in der Kategorie Best Foreign Language Film bei den 90. Acadamy Awards (4. März 2018) ausgewählt
Drehbuch und Regie: Michael Haneke
Kamera: Christian Berger
Verleih: www.x-verleih.de
Trailer: www.youtube.com/watch?v=PU1cNL-FM8I
Kinostart: 12. Oktober 2017
www.wega-film.at


Die dritte Option
In seinem 78-minütigen filmischen Essay stellt Thomas Fürhapter Fragen, die sich bei diesem brisanten Thema auftun und setzt Einzelschicksale im Zeitalter von Pränatal-Diagnostik und Biopolitik in einen radikal gegenwärtigen und gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Die Ausgangsfrage lautet: Was tun, wenn man erfährt, dass man ein behindertes Kind erwartet?  Schicht um Schicht wird in „Die dritte Option“ der Blick freigeräumt auf grundsätzliche Fragen zu Geburt, Ethik und Norm – so wird das, was nur wenige betrifft, zu etwas, das alle angeht.
„Die dritte Option“ feierte im März 2017 Weltpremiere im internationalen Wettbewerb von CPH:DOX.
Trailer: https://vimeo.com/206553240
Buch und Regie: Thomas Fürhapter
Kamera: Judith Benedikt, Manuel Zauner
Produktion: Navigator Film Produktion & Co. KG
Verleih Österreich: www.thimfilm.at
Weltvertrieb: www.taskovskifilms.com
Kinostart Österreich: 15. September 2017
http://diedritteoption.at


Fotos: Filmperlen
Die beste aller Welten
„Sie spielt eine Frau von unglaublicher Kraft, die nur scheinbar zu den Schwachen, Haltlosen zählt. Eine Frau, die ihr geliebtes Gegenüber mit Erfindungsreichtum und Fantasie vor den eigenen Dämonen beschützt und ihm Geborgenheit in schwierigsten Umständen ermöglicht. Eine solche Rolle verlangt außerordentliche Hingabe und Furchtlosigkeit und eine Schauspielerin, die fähig ist, in feinsten Nuancen Verletzlichkeit und Zähigkeit zu zeigen. Einhellig hat die Jury daher beschlossen: Der Schauspielpreis der Diagonale’17 für die beste Darstellerin muss an Verena Altenberger als suchtkranke Mutter in Adrian Goigingers ,Die beste aller Welten’ gehen,“ so die Begründung der Jury.
Wie kann eine drogensüchtige Mutter die beste Mutter der Welt sein? Regisseur und Drehbuchautor Adrian Goiginger erzählt in seinem Debütfilm seine eigene Geschichte und schafft damit eine Hommage an seine Mutter, eine starke Frau, trotz aller widrigen Umstände. „Ein Kind muss keinen Reichtum haben, keine Spielsachen, kein gesundes Essen, sondern nur eines: Liebe“, sagt Adrian Goiginger. Und berührt - ohne jeglichen Anflug von Kitsch, trotz Happy End – mit seiner Geschichte - auch dank grandioser schauspielerischer Leistungen - das Publikum, bringt es zum Weinen, und auch zum Lachen, und entlässt es mit einem Gefühl der Hoffnung.
Der siebenjährige Adrian erlebt eine Kindheit, im außergewöhnlichen Milieu einer Drogenszene am Rand einer österreichischen Stadt, mit einer Mutter, die zwischen Fürsorglichkeit und Drogenrausch hin und hergerissen ist. Wenn er groß ist, möchte er Abenteurer werden. Für ihn ist seine Kindheit eine behütete, die beste aller Welten. Er ist kein unglückliches Kind, Helga ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihm Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Doch dann lässt sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren. Helga weiß, sie muss clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie ihre eigenen Dämonen besiegen…
Bei seiner Weltpremiere bei der Berlinale 2017 waren die Karten nach drei Minuten ausverkauft, dann - minutenlang „standing ovations“ für Adrian Goiginger und die beiden Hauptdarsteller Verena Altenberger und den kleinen Jeremy Miliker aus St. Johann im Pongau. Vom Spiegel wurde der Debütkinospielfilm des Salzburger Regisseurs und Drehbuchautors Adrian Goiginger auf die Liste der „12 Highlights der Berlinale“ gesetzt. Bei der Diagonale in Graz wurde „Die beste aller Welten“ mit drei Preisen (beste Schauspielerin, beste Ausstattung und Publikumspreis „Beliebtester Film der Diagonale“) ausgezeichnet. Selbst in Russland, beim 39. Moskauer Internationalen Filmfestival, kam der Film im Salzburger Dialekt gut an. Verena Altenberger wurde auch dort mit dem Preis „Beste Schauspielerin" für ihre Darstellung der Helga Wachter ausgezeichnet. Zahlreiche weitere Preise und Nominierungen bei internationalen Festivals, unter anderem in der Kategorie „Bester abendfüllender Spielfilm“ bei den First Steps Awards 2017, bringt der Film zu seinem offiziellen Kinostart im September mit.
„Der Film erzählt mit einer frappierenden Realitätsnähe von einer drogensüchtigen jungen Mutter, die alles versucht, ihrem Kind Inseln von Wärme und Geborgenheit zu schaffen. Was uns besonders beeindruckt, ist die Besetzung und präzise Schauspielführung bis in die kleinste Nebenrolle hinein und die Genauigkeit in allen gestalterischen Bereichen. Ein mit Film mit Sogwirkung! Lieber Adrian Goiginger, dein Film hat uns tief bewegt“, lautet die Begründung der Spielfilmjury für die Vergabe des NDR-Regiepreises beim 27.Filmkunstfest M-V in Schwerin.
Kinostart: 8. September in Österreich, 28. September in Deutschland
Trailer: https://vimeo.com/230417917
Drehbuch und Regie: Adrian Goiginger 
Mit Verena Altenberger, Jeremy Miliker, Lukas Miko, Michael Pink und weiteren Darstellern.
Kamera: Yoshi Heimrath, Paul Sprinz
Editing: Ingrid Koller
Production Design: Veronika Merlin
Costume: Monika Gebauer
Make-Up: Tim Scheidig
Sound: Bertin Molz, Marvin H. Keil, Tobias Scherer
Music: Dominik Wallner, Manuel Schönegger
Produktion: RitzlFilm, www.ritzlfilm.at
Verleih: www.filmperlen.com
www.diebesteallerwelten.at, www.facebook.com/DBAWFilm/


Foto: Filmgarten
Die Liebhaberin /Los decentes
Die schüchterne Belén, die selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammt, bewirbt sich um einen Job als Hausangestellte und wird aufgenommen. Sie reist umgehend zu der Villa am Stadtrand von Buenos Aires und tritt ihre neue Stelle bei einer reichen und karrierebestimmten Familie an. Die Villa und die umliegenden Häuser betuchter Nachbarn sind von hohen Mauern umgeben - Grenzlinien zwischen Reich und Arm. Auf einem ihrer Spaziergänge entdeckt Belén auf der anderen Seite der Mauer ein Nudistencamp – und damit das Versprechen auf nie gekannte Freiheit.
Lukas Valenta Rinner, geboren 1985 in Salzburg, studierte Film in Barcelona und Buenos Aires. Seine mehrfach ausgezeichnete Gesellschaftssatire ist eine Koproduktion zwischen Argentinien, Österreich, konkret Salzburg – und dem südkoreanischen Jeonju Digital Cinema Project.
„...So tritt auch die Hauptfigur des Films, den wir auszeichnen, eine Reise auf unbekanntes Terrain an. Nahezu ohne Dialog, in langen, präzise komponierten Einstellungen erschließen sich der Protagonistin – und mit ihr dem Publikum – zwei durch einen Elektrozaun getrennte Welten: eine vorstädtische ‚gated community’ für Reiche und die vermeintliche Idylle einer benachbarten Nudistenkolonie. Die Liebhaberin von Lukas Valenta Rinner ist sowohl Gesellschaftsparabel als auch schwarze Komödie. Basierend auf genauer Beobachtung gesellschaftlicher Mechanismen im heutigen Argentinien erzählt der Regisseur von der Kollision unvereinbarer Lebensmodelle und der allmählichen Selbstbefreiung seiner Protagonistin. Die Liebhaberin ist ein im besten Sinne eigenwilliger Film, der uns mit seiner Mischung aus formaler Strenge und Humor beeindruckte und es nicht scheut, den geschilderten Konflikt auf surreale Spitzen zu treiben,“ so die Begründung der Jury für die Vergabe des Großen Diagonalepreises 2017 für den besten Spielfilm.
Verleih, Weltvertrieb: FiGa Films
Kinostart: 1. September 2017
Trailer: https://vimeo.com/229277481
www.dieLiebhaberin.com


Mario Girotti aka Terence Hill
und Karl-Martin Pold
© www.budspencermovie.com / Thimfilm
Carlo Pedersoli aka Bud Spencer
und Karl-Martin Pold
© www.budspencermovie.com / Thimfilm
Sie nannten ihn Spencer
„Es wird viel zu viel gesprochen und es stirbt keiner“, so die Kritik zum ersten Spencer-Hill-Film, mit dem allerdings der erste Schritt zu einem weltweiten Kult begründet wurde. Dieses Phänomen versucht Karl-Martin Pold in seiner Hommage an Carlo Pedersol, bekannt als Bud Spender, und an die Filme rund um Watschen, Witz und die Botschaft „Steh auf und mach weiter“ greifbar zu machen. In Fanclubs in Augsburg und in Berlin hat er Marcus Zölch und Jorgo Papasoglou - zwei Fans mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten und dem gemeinsamen Nenner, dass Bud Spencer ihr Leben nachhaltig beeinflusst hat - kennen gelernt. Nicht ganz zufällig weisen die beiden auch eine „gewisse Ähnlichkeit“ mit Bud Spencer und Terence Hill auf. Sie sind: Ein Blinder und ein Blonder auf der Suche nach Bud Spencer…  und verfolgen mit diesem Road-Trip einen Traum, brechen aus ihrem Alltag aus, um etwas Verrücktes zu tun. Ihr Ziel: Das damals noch existierenden Sekretariat von Bud Spencer in Rom. Dass sie auf dem Weg dahin zig prominente Vertreter des Spencer-Hill-Universums höchstpersönlich kennenlernen durften, haben sie gern in Kauf genommen.
„Der Film stellt Bud Spencer Filmszenen und Momente zwischen Marcus und Jorgo gegenüber. Wir haben die coolsten, witzigsten und ikonischsten Filmszenen verwendet und mit den beiden Fan-Protagonisten nachinszeniert. In den Parallelmontagen entsteht eine ganz eigene Dynamik, ein ganz eigener Humor“, erklärt Karl-Martin Pold.
Pold, mit Bud Spencer quasi aufgewachsen und seit fast 40 Jahren Bud-Spencer-Fan, hat zunächst Journalismus und Unternehmenskommunikation am Joanneum Graz studiert. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit Bud Spencer. Danach studierte er Theater-, Film und Medienwissenschaft an der Universität Wien, wo er seine zweite Diplomarbeit verfasste. Thema? „Bud Spencer!“
„Ich habe dafür einen fiktiven Trailer zu einem fiktiven Dokumentarfilm gemacht. Von Anfang an habe ich die Fans miteinbezogen und versucht, ein interaktives Projekt auf die Beine zu stellen. Ich habe eine Homepage und einen Blog gegründet und angekündigt, einen Film über ihn zu machen. Als ich den fertigen Trailer veröffentlicht hatte, gab es ein unglaubliches Feedback. Ich habe Emails bekommen aus Japan, aus Südafrika, aus Deutschland, aus Südamerika, und alle haben mich gefragt, wann der Film ins Kino komme. Das musste ich weiterverfolgen! Es sollte kein typischer 08/15 Dokumentarfilm werden, sondern etwas ganz Neues: Eine Mischung aus Road-Movie und Dokumentarfilm mit Komponenten aus alten Bud Spencer und Terence Hill Filmen. Wichtig dabei waren mir die Filmausschnitte, die Musik, die alten Sprecher, die Schauspielkollegen, Stuntmen und vor allem, den Humor einzusetzen“, beschreibt Pold die Entstehungsgeschichte des ersten Kinodokumentarfilms mit und über Bud Spencer.
Stuntman und Stuntkoordinator Ottaviano Dell'Acqua, Mitglied der legendären italienischen Stunttruppe „Il Miraculosi“ lüftet das Geheimnis der Endschlägerei. Filmbösewicht Riccardo Pizzuti, genannt Silberlocke, zeigt, wie man vor laufender Kamera Schläge einsteckt. Dialogregisseur Rainer Brandt, der den Dialogen der deutschen Synchronversion mit seinem eigenen Wortwitz versah, verrät seine Tricks.
Star-Autor Luciano De Crescenzo erzählt von der gemeinsamen Jugend in Neapel, der Stadt, in der jeder quasi Schauspieler qua Geburt ist. Terence Hill (Mario Girotti) der sich seit Jahren nicht mehr öffentlich zum Thema Bud Spencer äußern wollte, ließ sich vom Projekt begeistern und zu einem ausführlichen Gespräch überreden. Guido und Maurizio De Angelis, das Bruderpaar hinter Oliver Onions, erklären, wie die Kult-Soundtracks erstanden sind und machen mit Jorgo Musik. Russel Crowe schwärmt von Bud. Und Thomas Danneberg, der Synchronsprecher von Terence Hill, konnte ebenfalls für das Projekt gewonnen werden. Zu Wort kommen zudem der Präsident von Buds Schwimmclub Antonio Bucchioni oder die Regisseure Alessandro Capono und Giulio Base.
Nach rund neun Jahren, davon rund sieben Jahre Produktionszeit, begeisterte der Film bei seiner Welt-Uraufführung am 23. Juni beim  Filmfest München das Publikum.
Drehbuch und Regie: Karl-Martin Pold
Kamera: Jens Fischer, Serafin Spitzer
Schnitt: Thomas Vondrak
Produzenten: Dieter Pochlatko, Jakob Pochlatko, Karl-Martin Pold, Thomas Král, Undine Filter
Produktion: epo-film produktionsg.m.b.h.
Kinostart in Österreich und in Deutschland: 27. Juli 2017
Besetzung: Marcus Zölch, Jorgo Papasoglou
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ckAo6fG0wu4
www.budspencermovie.com
www.facebook.com/budspencermovie/


© KGP /ElsaOkazaki
© KGP /Dominik Schwärzler
Home is Here
„Es gibt die Sehnsucht nach einem Ankommen in einem anderen Leben, in einer Beziehung oder im „richtigen“ Beruf. Diese Sehnsucht lässt uns individuelle Grenzen überschreiten, um emotionale Nähe oder ein persönliches Ziel zu finden. Hannah und Max haben ähnliche Sehnsüchte und finden am Ende zu ihrem jeweils persönlichen Zuhause“, beschreibt Tereza Kotyk ihren Zugang zum Thema des „Zuhause-Seins“, dem sie in ihrem Spielfilmdebüt nachgeht.
Hannah kehrt zu ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder ins Olympische Dorf in Innsbruck zurück. Eine Welt, die ihr so fremd wie auch vertraut ist. Eines Tages bricht sie bei Max ein, der allein in einer modernen Villa lebt, und wiederholt dies, beinahe rituell, täglich. Immer wieder erkundet Hannah heimlich das kühl wirkende Haus, bis Max kleine Veränderungen in seiner gewohnten Umgebung bemerkt. Er lässt sich auf eine spielerische Kommunikation mit Hannah ein, im Laufe derer sie beide erkennen, dass es im Leben nicht um die Suche nach einem bestimmten Ort geht, sondern darum, dass man sein Zuhause nur bei sich selbst finden kann.
Home is Here“ ist eine subtile, reduzierte Liebesgeschichte und gleichzeitig eine universale Erzählung über die Einsamkeit des Einzelnen in der modernen Gesellschaft. Abseits jeglicher Sentimentalität beschreibt der Film eine (Nicht-)Begegnung von zwei Menschen, die geradezu modellhaft für ihren Lebensabschnitt und Lebensstil steht.
Die Handlung wird mit wenigen Dialogen skizziert, die Geschichte wird von der konzentrierten Bildsprache getragen.
Astrid Heubrandtner-Verschuur, aac (Kamera): „Ein Großteil der Geschichte wird über die Körpersprache der SchauspielerInnen und ihre Interaktion mit den Räumen, in denen sie sich bewegen, erzählt. Es war eine spannende Herausforderung, dies in Bilder umzusetzen. Ich habe vor allem mit natürlichem Licht gearbeitet, weil mir seine sanfte und klare Feinheit für den Film wichtig war. Diese Weichheit steht in einem gewissen Spannungsfeld zur Strenge der Cadrage, den grafischen Linien der Architektur und dem Spiel mit Symmetrie. Darüber hinaus war es mir wichtig, Bilder mit einer großen Schlichtheit zu finden, um möglichst offen zu bleiben. Durch die Andeutung soll die Oberfläche eines rein formalen und ästhetischen Ansatzes durchbrochen werden.“
Drehbuch und Regie: Tereza Kotyk,
Kamera: Astrid Heubrandtner-Verschuur;
Schnitt: Thomas Woschitz, Musik: Markéta Irglová, Ton: Peter Rösner, Ausstattung: Elena Riccabona, Kostüm: Veronika Harb, Aufnahmeleitung: Jeannette Ziemeck, Produktionsleitung: Karin Berghammer, Licht: Robert Mayr;
Produktion: KGP Kranzelbinder Gabriele Production;
Mit: Anna Åström und Stipe Erceg in den Hauptrollen;
Kinostart: 13 Juli 2017
Wien-Termine: http://bit.ly/2tAQIPv
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=RjzOZyEQZZ8
www.homeishere.at
www.facebook.com/tereza.kotyk?fref=mentions


Fotos: Golden Girls Filmproduktion
Die Migrantigen
Der Türke wird manchmal aggressiv, der Jugo liebt Jogginghosen und der Österreicher meckert gerne ... Auf sehr unterhaltsame Weise, durchaus und durchwegs auch bissig, spielt Arman T. Riahi mit  Klischees über Migranten, falsche Identitäten und Schubladisierungen, und will mit dieser in allen Haupt- und Nebenrollen sehr speziell und bestens besetzten Komödie Bewusstsein dafür schaffen, wie Stereotypen und Stigmata unseren Alltag – nicht ganz ohne Zutun der Medien – durchdringen.
Die beiden nicht so wirklich erfolgreichen Freunde Benny (Faris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic) sehen im Auftauchen von Frau Weizenhuber, die für eine TV-Serie Protagonisten mit Migrationshintergrund sucht, die Chance für eine Wende ihres Schicksals.
Benny ist überzeugt, für die Rolle seines Lebens ein authentischer „Tschusch“ werden zu können, Marko (Aleksandar Petrovic), bei dem man nicht an einen „Jugo“ denkt, wenn man ihn sieht, will auf keinen Fall mehr in den Gemeindebau und verwandelt sich in seiner Not für das Fernsehen in den kleinkriminellen Tito, und die TV-Journalistin Marlene Weizenbauer (Doris Schretzmayer), weiß, dass sich Lügen leichter verkaufen lassen als die Wahrheit. Ein Schlitzohr namens Juwel coacht Benny und Marko als „Ausländer“. Aber, was ist eigentlich ein „echter“ Ausländer? Eine Frage, der „Die Migrantigen“ in einer alles andere als seichten Komödie nachgehen.
Arman T. Riahis „Die Migrantigen“ wurde nach dem Publikumspreis des Saarbrücker Max Ophüls Festivals auch mit dem Publikumspreis des Nashville Film Festivals und bei der Diagonale in Graz 2017 mit dem Preis für das Beste Kostümdesign ausgezeichnet.
Mit: Faris Rahoma, Aleksandar Petrović, Doris Schretzmayer, Zijah A. Sokolović, Daniela Zacherl, Josef Hader, Mehmet Ali Salman, Julia Jelinek, Maddalena Hirschal, Margarethe Tiesel, Dirk Stermann, Rainer Wöss
Producer: Arash T. Riahi, Karin C. Berger
Produktion: Golden Girls Filmproduktion
Kinostart: 9. Juni 2017
Trailer: https://vimeo.com/215698143
http://diemigrantigen.at
https://www.facebook.com/diemigrantigen/
www.goldengirls.at


Fotos: Filmladen /Lotus-Film
Untitled
Ein Dokumentarfllm, der von Nichts handelt, von einer Reise durch den Balkan, durch Italien, Nordwest- und Westafrika, die Michael Glawogger gemeinsam mit Kameramann Attila Boa und Tonmann Manuel Siebert Anfang Dezember 2013 angetreten war, um die „Welt einzufangen, wie sie war, ohne Erwartung, ohne filternde Brille“.
Einige Wochen später schickte das Filmteam kommentarlos erstes Material in den Schneideraum, zur Editorin Monika Willi, die „stunden- und tagelang menschenleere Straßen, zerschossene Häuser und verfallende Rohbauten betrachtete, dann wieder pompöse Prunkpaläste, viele davon noch unfertig“, und sich die Frage stellte: „Was ist das erste Bild, wann kommt der erste Schnitt?“
Geplant war eine Reise um die Welt, die ein Jahr dauern und durch nichts unterbrochen werden sollte. Der Film, der daraus entstand, sollte die Welt so zeigen, wie sie dem kleinen Filmteam in dieser zufälligen, maximal offenen Versuchsanordnung entgegentreten würde. Es gab eine ungefähre Reiseroute, einige vorher festgelegte Drehorte, aber kein Thema, keine Handlung, keinen „roten Faden“. Kameramann Attila Boa sagte nach seiner Rückkehr: „Serendipity, das war unsere einzige Richtlinie. Eine Mischung aus Erwartung, dass etwas kommen wird, und dem Umarmen des Zufalls, wie auch immer er eintreten möge."
In den einundsiebzig Drehtagen waren suchende Bilder entstanden, erzählende, dokumentierende. Es gab Einstellungen von Menschen, Tieren, Landschaften und Häusern, von Dunkelheit und Feuer, von abgelegenen Paradiesen, vom prallen Leben. Mehr als zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod Glawoggers im April 2014 hat Monika Willi aus dem gedrehten Material und Glawoggers Reisetagebuchtexten einen atemberaubenden Film gestaltet. Die Texte von Michael Glawogger, die er während der Reise als Blog für zwei Tageszeitungen geschrieben hatte, waren ursprünglich nicht als Filmtexte gedacht. „Ihre poetische Kraft und der naturgegebener Bezug zu den gedrehten Sequenzen erwiesen sich plötzlich als einzig stimmige Textquelle. Darüberhinaus wurde mir der Komponist Wolfgang Mitterer über die Jahre hinweg zum unentbehrlichen Partner. Er komponierte Musik zu entstandenen Filmteilen, vertonte aber auch von mir formulierte lose Ideen, die mir wiederum eine Grundlage gaben, die Bilder zu strukturieren,“ so Monika Willi.
„Untitled“ von Michael Glawogger und Monika Willi feierte im Rahmen der Berlinale in der Sektion „Panorama Dokumente“ am 13. Februar 2017 seine Weltpremiere und eröffnete die Diagonale`17 in Graz. „In Zeiten von allgegenwärtiger Bewegtbildkonfektionsware ist ,Untitled’ ein wagemutiger und bildgewaltiger Gegenentwurf. Ein immanent politischer Film, dessen Blick ein reflektierender, zweifelnder, stets weltgewandter ist. Einer, der die Gegenblicke nicht scheut, sondern geradewegs begrüßt, um sie zu erwidern“, liest man im Statement der Intendanten der Diagonale.
Regie: Michael Glawogger, Monika Willi
Buch: Michael Glawogger, Attila Boa, Monika Willi
Produktion: Lotus Film
Weltvertrieb: Autlook Filmsales
Trailer: www.youtube.com/watch?v=XhJQd4gg5IY
Kinostart: 31. März 2017.
www.lotus-film.at/filme/untitled-fragmente
www.filmladen.at/untitled
razor-film.de/news/


© Familie Suschitzky
© Stadtkino Filmverleih
Auf Ediths Spuren
Tracking Edith
Der Dokumentarfilm „Auf Ediths Spuren“ erzählt die wahre Geschichte einer österreichischen KGB-Spionin, die maßgeblich daran beteiligt war, dass Russland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz der Atombombe kam: Edith Tudor-Hart. Sie wurde 1908 in Wien als Edith Suschitzky geboren und starb 1973 in Brighton. Selbst Menschen, die ihr sehr nahestanden, wussten nichts über ihr Doppelleben. Sie war eine bekannte Fotografin, die das Elend der 1930er Jahre in Wien und London abbildete. In ihrem Doppelleben rekrutierte sie den Spion des Jahrhunderts, Kim Philby, und half mit, die Cambridge Five, den erfolgreichsten und berühmtesten Spionagering aufzubauen, den die Sowjetunion je beschäftigt hat.
Edith war die Großtante des Schriftstellers und Filmemachers Peter Stephan Jungks: „So, wie es Auswege aus der Tunnel- Dunkelheit gibt, so fördert dieser Film, nach und nach, Geheimnisse aus Ediths Leben ans Tageslicht: Ihr erstes Leben als Schülerin von Maria Montessori und als Kindergärtnerin, ihr zweites Leben als Bauhausstudentin in Dessau und professionelle Fotografin, ihr drittes, geheimes Leben als Agentin.“
Zu Jungks Gesprächspartnern zählen u. a. Ediths Bruder, der Fotograf und Kameramann Wolf Suschitzky, der 2016 im Alter von 104 Jahren verstorben ist, Paul Broda, Sohn des Physikers Engelbert Broda, die Schriftstellerin Anna Kim, der Militär- und Geheimdiensthistoriker Nigel West und die Ex-KGB-Mitarbeiter Alexander Vassiliev und Igor Prelin.
Peter Stephan Jungks Mutter, geborene Ruth Suschitzky (1913–1995), war die Cousine von Edith Tudor-Hart, deren Väter waren Brüder. Ediths Bruder war der bekannte Kameramann und Fotograf Wolf Suschitzky (1912– 2016). Dessen Sohn Peter Suschitzky, der Neffe von Edith, ist ein ebenfalls sehr bekannter Kameramann, u.a. bei nahezu allen Filmen von David Cronenberg, sowie „Star Wars”, „Mars Attacks“ oder „The Rocky Horror Picture Show”.
Regie und Drehbuch Peter Stephan Jungk
Kamera Jerzy Palacz
Schnitt Bettina Mazakarini
Animation Neuer Österreichischer Trickfilm
Produzentin Lillian Birnbaum
Koproduzent: Roland Hablesreiter
Verleih: Stadtkino Filmverleih
www.auf-ediths-spuren.com
www.peterstephanjungk.com


Fotos: Plan C Filmproduktion
Desert Kids
Die Wüste Negev in Israel ist ein Ort der Gegensätze und Extreme, Heimat zweier unterschiedlicher Kulturen. Menschen aus dem Kibbuz und der Beduinensiedlung leben nah beieinander und dennoch getrennt.
Die Probleme der Jugendlichen aber, ihre Wünsche und Hoffnungen, sind dieselben wie überall auf der Welt. Doch ebenso stark und unauflösbar scheint ihr Leben mit dem Schicksal und der Geschichte Israels verbunden.
„Die Wüste Negev ist keine ruhige Insel. Die Bevölkerung ist beinahe täglich mit Terrorattacken und Raketenalarm konfrontiert, von Kindesbeinen an, lernen sie damit umzugehen. Die Desert Kids werden einmal mitentscheiden, welche Richtung ihre Zukunft, ihre Familie, ihr Land nimmt. Im Mittelpunkt von Desert Kids“ steht aber die Diversität als befruchtende Gemeinsamkeit. Der Film versucht durch den subjektiven Blick der Desert Kids nicht nur das Verbindende sichtbar zu machen, es gibt durch die währende Geschichte eine innere Zerrissenheit von Volk und Staat. Die Desert Kids zeigen uns aber, dass sie keine Mauern oder Zäune sehen, sondern die Menschen dahinter, die für sie keine Feinde sind,“ erklärt Michael Pfeifenberger.
„Kein Land der Welt ist mit größeren Stereotypen und Irrtümern konfrontiert als Israel. „Desert Kids“ schlägt eine neue Tonalität jenseits vorgefasster Zitate-Kartelle in der Auseinandersetzung mit Israel an, das Interesse des Films ist die Lebensrealität israelischer Jugendlicher, arabischer wie jüdischer. Was banal klingt, ist im Kontext von Israel doch erfrischend und wichtig; gerade im postnazistischen Österreich, wo Antisemit/ innen und Feinde Israels von Links und Rechts regelmäßig um die Pole-Position rittern.“ (Diagonale)
Regie: Michael Pfeifenberger
Drehkonzept: Wolfgang Stahl, Michael Pfeifenberger;
Kamera Meri Elias;
Schnitt: Petra Zöpnek, Ton Haim Meir
Produzentin: Claudia Wohlgenannt
Production: Plan C Film, www.plancfilm.com
Verleih: Waystone Filmverleih
Kinostart: 24. Februar 2017
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=yWUaK0JlRbI
www.desert-kids.com


Fotos: Ioan Gavriel
Wilde Maus
„Meine Hoffnung war, dass, wenn man das Komische und das Tragische wirklich ausbalanciert hinbekommt, sich eine Abbildung von Leben ausgeht, die dem nahekommt, wie ich mein Leben empfinde,“ beschreibt Josef Hader seinen Zugang zu seinem Regiedebüt „Wilde Maus“, das auf der Berlinale zwar ohne Preis ausging, aber mehrfach von der Presse unter die sehenswertesten Filme des Festivals gereiht wurde.
Könige werden zuvorkommend behandelt! Das ist zumindest Georgs (Josef Hader) Ansicht, der seit Jahrzehnten als etablierter Musikkritiker für eine Wiener Zeitung schreibt. Doch dann wird er überraschend von seinem Chefredakteur (Jörg Hartmann) gekündigt: Sparmaßnahmen. Seiner jüngeren Frau Johanna (Pia Hierzegger), deren Gedanken nur um ihren nächsten Eisprung und das Kinderkriegen kreisen, verheimlicht er den Rausschmiss und sinnt auf Rache. Dabei steht ihm sein ehemaliger Mitschüler Erich (Georg Friedrich) zur Seite, dem Georg in seiner neu gewonnenen Freizeit hilft, eine marode Achterbahn im Wiener Prater wieder in Gang zu setzen. Georgs nächtliche Rachefeldzüge gegen seinen ehemaligen Chef beginnen als kleine Sachbeschädigungen und steigern sich, zu immer größer werdendem Terror. Schnell gerät sein bürgerliches Leben völlig aus dem Ruder...
Josef Hader: “Die „Wilde Maus“ bietet einen amüsant lakonischen und dennoch zärtlichen Blick auf ein universelles Thema: Midlife Crisis.”
Mit: Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann, Denis Moschitto, Georg Friedrich, Crina Semciuc, Nora von Waldstätten, Maria Hofstätter, Thomas Schubert, Murathan Muslu, u.v.m.
Buch & Regie: Josef Hader
Kinostart: 17. Februar 2017 in Österreich, 9. März in Deutschland
www.hader.at/film/wilde-maus/
wildemaus.derfilm.at


Fotos: Golden Girls
KINDERS
Nicht das „Funktionieren“, sondern die Entfaltung der Talente und deren Einsatz sollen im Mittelpunkt unseres Lebens stehen.
In dem mit dem Publikumspreis der DIAGONALE 2016 ausgezeichneten Dokumentarfilm Film von Arash T. Riahi & Arman T. Riahi wird die Welt der Erwachsenen durch die Augen der Kinder wunderbar konterkariert.
Ist es notwendig, einen dritten Weltkrieg anzuzetteln? Kommt man nach einem Selbstmord wirklich in die Hölle? … Arash und Arman Riahi versuchen erst gar nicht, Antworten auf solche Fragen zu finden. Als stille Beobachter folgen sie ihren Heldinnen vom kleinen Singsang im Klassenzimmer zum großen Event im Wiener Konzerthaus.
„Wir sind zusammen und helfen einander“ lautet eine der Kernaussagen dieses berührenden Films über die Macht der Musik. Ein erwachsener Film über Kinder - empathisch, schonungslos, inspirierend.
Als roter Faden dient das 2009 ins Leben gerufene musische Ausbildungsprogramm ((superar)), basierend auf den Ideen von José Antonio Abreu, der mit El Sistema in Venezuela bereits seit 1975 nachhaltig gesellschaftspolitisch wirkt. Inspiriert von El Sistema brachten die Caritas der Erzdiözese Wien, das Wiener Konzerthaus und die Wiener Sängerknaben gemeinsam die Idee nach Wien, um Kindern und Jugendlichen kostenlosen Zugang zu Musik zu bieten. Bei Superar lernen Kinder und Jugendliche nicht nur musikalische Fähigkeiten, sondern erleben viele andere Möglichkeiten, ihr Potenzial zu entdecken und auszuschöpfen. Regelmäßige Gesangs-, Tanz- oder Orchesterstunden bilden nicht nur Stimme, Körper und Musikverständnis, sondern vor allem auch die Persönlichkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Arash T. Riahi & Arman T. Riahi waren bei diesem Projekt von Anfang an dabei, sogar bei der Namensfindung. Für beide war von Beginn an klar, es nicht als ihre Aufgabe als Dokumentarfilmer sehen, die Arbeit des Vereins Superar zu dokumentieren. Beobachtend und vor allem inspiriert durch die Perspektive der Kinder selbst, wollten sie sie auf ihrem Weg zur Selbstverwirklichung begleiten, ihre Gefühle für den Zuschauer spür- und greifbar machen.
Der Film zeigt, wie hindernisreich und dramatisch, aber auch beglückend und inspirierend der Weg ist, den die Kinder im Zuge ihrer Ausbildung zurücklegen. Auch das Leben dieser gesellschaftlich benachteiligten jungen Menschen erhält durch gemeinsames  Singen und das Erlernen eines Musikinstrumentes eine völlig überraschende, lebendige und kreative Dimension.
Arash T. Riahi: „Mir war wichtig zu zeigen, dass die Kinder ein Spiegel unserer Gesellschaft sind und sie im Kleinen die gleichen Probleme wie wir Erwachsenen haben und sie genauso lösen lernen müssen wie wir. Probleme in der Familie, Liebeskummer, Religionsfragen, Probleme an ihrem „Arbeitsplatz“, das habe ich verfolgt und konnte auch für mich sehr viel mitnehmen. Sie besprechen ernsthaft und hören mit Interesse zu - manchmal wünscht man sich diese Art von Problemgesprächen von Erwachsenen. Sie lernen ihre Gefühle zu artikulieren und auf einander einzugehen. Wenn man da ansetzt, kann man vielleicht leichter Lösungen für die Zukunft finden.“
Arman T. Riahi: „Die Kinder in unserem Film sind ein repräsentativer Status quo unserer ethnischen Vielfalt in den österreichischen Volksschulen und sie gehen anders mit dieser Vielfalt um, im Gegensatz zu unserer Generation. Wir haben eine Diskussion von Kindern erlebt, dass sie eifersüchtig auf einander sind, weil die einen mehrere Sprachen sprechen. Sie haben keine Probleme mit der Nationalität, sie kennen diese Feindlichkeit nicht. Ein Zitat, das mir immer wieder einfällt ist, als ein Kind gefragt wurde, ob es Flüchtlinge in seiner Klasse gäbe: ,Nein, wir haben nur Kinder!’ Und genau so gehen sie miteinander um.“
Arash: „In der Schule sollten Kinder die Möglichkeit haben ihre Kindheit zu leben und erleben. Wir sollten nicht auf das Funktionieren hingedrillt werden, sondern zum freien Leben. Ich habe ein schönes Beispiel im isländischen Schulsystem gefunden: Das Ziel der Schule ist, dass die Kinder glücklich sind und ihre Interessen geweckt werden und sie sind die Nummer 1 im Pisa-Test, also funktioniert es offensichtlich. ... Das Hauptanliegen verbindet uns mit Superar: Dinge mit Leidenschaft zu machen! Das gilt für unser ganzes Leben.“
Buch & Regie: Arash und Arman T. Riahi
Kamera: Mario Minichmayr, Riahi Brothers
Produzenten: Arash T. Riahi & Karin C. Berger
Verleih Österreich: DOCS by AUTLOOK FILMSALES
Trailer: https://vimeo.com/161952711
Kinostart: 11. November 2016
www.kinders.docs.at, www.goldengirls.at
www.superar.eu, www.facebook.com/vereinsuperar


Foto: Thimfilm
Die Nacht der 1000 Stunden
Wien ist Museum seiner selbst – hier führen Stromleitungen in die Vergangenheit und die Tapeten von Wohnungen durch die Jahrhunderte.
Regisseur Virgil Widrich schickt den jungen Philip (Laurence Rupp) durch eine mysteriöse Nacht der lebenden Toten, in der dieser nicht nur hinter ein dunkles Familiengeheimnis kommt, sondern sich auch in seine eigene Großtante (Amira Casar) verliebt.
Grund der Zusammenkunft im Wiener Palais: ein Erbstreit beim Clan der Ullichs. Philip soll „Ullich & Cie“, das Traditionsunternehmen, von seinem Vater Georg (Johann Adam Oest) übernehmen. Sogar die notorisch komplizierte Tante Erika (Elisabeth Rath) unterschreibt. Ihr Sohn Jochen (Lukas Miko) ist bei einer rechtsradikalen Burschenschaft, sie möchte nicht, dass er zum Zuge kommt. Während Philip mit seinem Cousin um die Kontrolle über das Familienunternehmen kämpft, enthüllen die verstorbenen Vorfahren, wie die Ullichs gelebt und geliebt haben…
„Die Geschichte spielt nicht zufällig in der Stadt, in der die Psychoanalyse erfunden werden musste. Es wäre sogar eine Rahmenhandlung denkbar, in der sich Philip auf die Couch legt und dann die ganze Handlung des Films unter Hypnose erlebt. Mit dem Arzt Dr. Wisek haben wir eine Figur, die für den wissenschaftlichen Zugang dieser Zeit steht. Der rationale Zugang, der strikt verleugnet, dass es ein Leben nach dem Tod geben könnte, war mir sehr wichtig. Daran ändert sich für Dr. Wisek auch nichts, wenn er selbst wieder zurückkommt. Man kann die Konstellationen im Film natürlich auch als Familienaufstellung betrachten, aber nicht mit Stellvertretern, sondern mit den tatsächlichen Vorfahren,“ so Virgil Widrich.
In den Hauptrollen sind der österreichische Schauspieler Laurence Rupp und die französische Schauspielerin Amira Casar zu sehen, in weiteren Rollen u.a. Barbara Petritsch, Lukas Miko und Udo Samel. Die Bildgestaltung übernahm Kameramann Christian Berger. 
Drehbuch & Regie: Virgil Widrich
Co-Produzenten: Hanneke Niens, Hans de Wolf, Arash T. Riahi & Raphael Barth
ProduzentInnen: Bady Minck & Alexander Dumreicher- Ivanceanu
Verleih: Thimfilm
Trailer: www.youtube.com/watch?v=H3Wvx5UEkDM
Kinostart Österreichweit: 18. November 2016
www.widrichfilm.com/projekte/die_nacht_der_1000_stunden


JAndreas Kiendl (Luis), Amanda Seyfried (Aimèe)
Foto: Juhani Zebra / Thimfilm
Was hat uns bloß so ruiniert
Marie Kreutzer stürzt in ihrer Komödie sechs mitteljunge, beruflich erfolgreiche Bobos in eine neue Welt und den Glaubenskrieg Kindeserziehung. Ihre Charaktere züchten Biotomaten, trinken lokal gerösteten Kaffee und haben Apple-Computer. Über die Produkte wird scheinbar Lebensgefühl gekauft. „Ich habe die Charaktere in diesem Film nicht anders geschrieben als die Charaktere in meinen vorigen Filmen. Die Figurenarbeit, sowohl im Drehbuch als auch mit den Schauspielerinnen und Schauspielern, unterscheidet sich überhaupt nicht von der Figurenarbeit bei meinen Filmen ‚Die Vaterlosen’ oder ‚Gruber geht’. Ich liebe meine Figuren, und in jeder Figur steckt zwangsläufig auch etwas von mir. Und ja, wir alle verfallen der Werbung und der Illusion, ein Lebensgefühl kaufen zu können. Das ist menschlich. Für mich ist das mein bisher intuitivster Film. Ich denke nicht viel nach. Es ist auch ein sehr assoziativ geschriebenes Drehbuch. Das einzige Motto, das Leena Koppe und ich für die Kamerabilder bei diesem Film haben, ist ‚Snapshot’. Vielleicht ist so ein übergeordnetes Motto meiner Arbeit, im Moment zu sein, und nur dort,“ erzählt Marie Kreutzer.
Die drei Paare erleben das Alltäglichste der Welt, das jeder trotzdem für eine individuelle Grenzerfahrung hält. Und sie sind sicher: Nichts kann sie spießig machen. Im Gegenteil: Stella will die Welt in Staunen versetzen durch ihre Coolness und ihre Liebe und die Makellosigkeit ihres Bindegewebes. Aber alles ist neu, alles ist anders, zumindest vorerst. Das bisherige, eben noch maßgeschneiderte Leben, das will bei manchen nicht mehr so richtig sitzen. Doch wie hieß es schon im Geburtsvorbereitungskurs? „Leben – das ist auf einer Welle surfen, die niemals ruht.“ Und wenn selbst Luis bemerkt, ob es sein kann, „dass alles irgendwie anders ist“, haben sich die Lebensentwürfe der Freunde schon drei Mal geändert, haben sie sich schon zigfach gestritten und mitunter getrennt, haben sie Verhaltenstherapien absolviert und das eine oder andere Bio-Hirse-Bällchen gegen einen Gin Tonic getauscht. Und das unter anderem, weil man anstelle des gewünschten neuen Romans von Michel Houellebecq nun Ratgeber von Familientherapeut Jesper Juul geschenkt bekommt.
Marie Kreutzer ist 2011 selbst Mutter geworden: „Jahre zuvor hatte mir eine Kollegin gesagt: Da gibt es dieses Paralleluniversum der Eltern, von dem hast du vorher keine Ahnung, dass es existiert. Und so ist es. Dann hat Produzent Alexander Glehr zu mir gesagt hat, schreib doch was über Bobo-Eltern. Und ich habe geantwortet, das ist leicht, da muss ich nur das Fenster zum Spielplatz offen lassen, der direkt unter meiner Wohnung ist. Das Drehbuch hat sich wirklich fast von selbst geschrieben.“
Regie: Marie Kreutzer
Kamera: Leena Koppe
Produzenten: Franz Novotny, Alexander Glehr, Koproduzenten: Ursula Wolschlager, Robert Buchschwenter
Mit: Vicky Krieps, Pheline Roggan, Pia Hierzegger, Manuel Rubey,
Marcel Mohab, Andreas Kiendl
Verleih: Thimfilm
Trailer: www.youtube.com/watch?v=PdqGJXwNKdg
Kinostart: 23. September 2016
http://kino.novotnyfilm.at/filme/340-was-hat-uns-bloss-so-ruiniert


Foto: Metafilm
Der zornige Buddha
"Die Langzeitbeobachtung „Der zornige Buddha“ bringt die Welt der Roma mit der Welt des Buddhismus zusammen und gewährt uns Zuschauern einen Blick in diese Welt. Der Film erzählt die Geschichte der beiden Lehrer Janos und Tibor, die mit großem Mut und Engagement durch ein innovatives Schulprojekt Kindern eine zweite Chance geben, die nie eine erste hatten. Der Film kommt den starken Protagonisten nahe, die allen Diskriminierungen zum Trotz mit ihrem Projekt Roma-Kindern Zugang zu Bildung ermöglichen. Er betont die Wichtigkeit des Kampfes für Chancengleichheit und macht damit Hoffnung,“ so die Begründung der Jury des Fünf Seen Filmfestivals 2016, die Stefan Ludwig mit dem Dokumentarfilmpreis auszeichnete.
János Orsós stammt aus einer Roma-Familie. Er ist Lehrer. Und er ist Buddhist. In einem ungarischen Dorf hat er eine Schule gegründet. Sein Ziel: Teenager aus den ärmsten Roma-Ghettos sollen es auf die Universitäten schaffen. Sein Vorbild: der Aufbruch der Unberührbaren in Indien – Mutterland der Roma und des Buddhismus. Der zornige Buddha beobachtet über fast drei Jahre János' unbeirrbaren Kampf gegen alle Widerstände. Zugleich zeichnet der Film liebevolle und ungeschminkte Portraits der Roma-Jugendlichen, die in einer Welt voller Elend und Vorurteil mit Witz und Lebensenergie ihren Weg suchen.
Buch und Regie: Stefan Ludwig
Kamera: Thomas Beckmann, Stefan Ludwig
Produktion: Metafilm und Tellux-Film in Koproduktion mit ZDF und ORF
Verleih: Filmdelights
Trailer: https://vimeo.com/170785414
Kinostart: 23. September
www.derzornigebuddha.at


Pia Hierzegger, Willi Resetarits
© Toni Muhr / Dor Film
Georg Friedrich, Pia Hierzegger,
Detlev Buck, Gerald Votava,
Michael Ostrowski
© Toni Muhr / Dor Film
Hotel Rock´n Roll
Michael Ostrowski hat den auf „Nacktschnecken“ (Sex) und „Contact High“ (Drugs) folgenden letzten Teil der Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Trilogie von Michael Glawogger glanzvoll vollendet.
Mao (Pia Hierzegger) erbt ein abgetakeltes Hotel in der steirischen Pampa. Mithilfe ihrer stets fröhlichen Loserfreunde und Hobby-Rockstars  - Max, einem Möchtegern-Entertainer und Verfechter brillanter Konzepte mit wenig Struktur (Michael Ostrowski) und Jerry, einem begnadeten Guitarrero, aber wenig begnadeten Koch (Gerald Votava) - versucht sie eine Hotelband aufzustellen, um den Spirit von Sex, Drugs & Rock’n’Roll wieder aufleben zu lassen und so mit neuen Gästen das bankrotte Hotel wiederzubeleben.
Doch bald schon müssen die Helden das Erbe gegen feindliche Konkurrenz, einen falschen Gärtner, einen walzenden Inspektor und ihre eigene Unfähigkeit verteidigen. Nach unzähligen Unfällen und Missverständnissen erotischer und musikalischer Natur kommt es zum boulevardesken Showdown. Unterstützt von der Hotelband. Am Mikrofon: Michael Ostrowski, Gitarre: Gerald Votava, Bass: Pia Hierzegger, am Schlagzeug: Georg Friedrich.
Der Soundtrack zum Regie-Erstling von Michael Ostrowski mit rund 20 Tracks von Künstlern und Bands wie The Base, Wolfgang Ambros, Skero, Koenig, Radio Trip, Suricates oder der Hotelband ist seit 19. August auf CD erhältlich.
Regie: Michael Ostrowski, Helmut Köpping
Buch: Michael Glawogger, Michael Ostrowski
Kamera: Wolfgang Thaler
Musik: Ingo Pusswald
Mit: Michael Ostrowski, Gerald Votava, Pia Hierzegger, Georg Friedrich, Detlev Buck, Hilde Dalik und mit Gaststars wie Willi Resetarits, Hilde Dalik, Sven Regener oder Detlev Buck.
Trailer: www.youtube.com/watch?v=HcCAkZaw_vA
Kinostart: 26. August 2016
www.hotel-rocknroll.com, facebook.com/HotelRocknRoll


Johannes Zeiler
© Thimfilm
Deckname: Holec
In seinem Spionage-Thriller stellt Regisseur Franz Novotny eine schillernde Persönlichkeit der jüngeren österreichischen Innenpolitik in den Mittelpunkt einer fiktiven Geschichte: „Attraktiv erschien unter anderem das Moment der Verstrickung: wie sich ein Mann der 60er Jahre - Helmut Zilk - aus einem selbstgesponnenen Knäuel befreit, wie es ihm gelingt, Erpressung und Zwang abzuschütteln und seine Karriere zu befördern. Was zählt ist mitnichten die dokumentarisch korrekte Wiedergabe von Tatsachen (deren Existenz so oder so gesehen werden kann) sondern die künstlerische Darstellung des Lebensmodells einer Karrierepersönlichkeit, aus denen der Betrachter seine Schlüsse ziehen mag.“
Ein Spion aus Leidenschaft? Novotny deutet die Rolle von Helmut Zilk, dem ehemaligen Fernsehdirektor des ORF, der später von 1984 bis 1994 Bürgermeister Wiens wurde, im Zusammenhang von Zilks Aktivitäten Ende der 1960er-Jahre. Der Film orientiert sich in seinen Eckpunkten an den umstrittenen Fakten zu Helmut Zilks Kontakten zum tschechischen Geheimdienst Mitte der 60er-Jahre und beleuchtet die inneren Konflikte der zentralen Figuren. Das Originaldrehbuch basiert auf der Erzählung „The Italian Connection/Italská Spojka“ des tschechischen Regisseurs Jan Němec und auf realen und vermuteten Geschehnissen, wie auch auf den im „Profil“ publizierten Geheimdienstakten. Im Film wird die Rolle Zilks als Journalist und Fernsehmacher in den Wirren der Ereignissen rund um die Niederschlagung des Prager Frühlings am 21. August 1968 erzählt. Ein junger tschechischer Regisseur, der gerade die ersten Bilder des Einmarsches der Russen in Prag gefilmt hat, sieht in Zilk die Chance, der Welt von dem Unrecht, das gerade in der CSSR passiert, zu berichten. Er weiß aber nicht, dass Zilk seit den von ihm initiierten „Prager Stadtgesprächen“, einer gemeinsamen Livesendung des tschechischen und österreichischen Fernsehens, schon längst im Fokus des tschechischen Geheimdienstes steht.
Regie: Franz Novotny
Drehbuch: Franz Novotny, Alrun Fichtenbauer, Martin Leidenfrost
Kamera: Robert Oberrainer
Schnitt: Karin Hammer
Mit: Johannes Zeiler, Kryštof Hádek, Vica Kerekes, David Novotny, Gerrit Jansen, Michael Fuith, Heribert Sasse, Eva Spreitzhofer, Hilde Dalik Verleih: Thimfilm
Weltvertrieb: PICTURE TREE INTERNATIONAL
Kinostart: 29. Juli 2016
Trailer: https://vimeo.com/168617349
www.decknameholec.at/, https://www.facebook.com/decknameholec/
http://kino.novotnyfilm.at/filme/0330-deckname-holec


Foto: La Banda Film
Holz Erde Fleisch
"Der Mut dieses klugen Filmes liegt in seiner Schlichtheit. Es ist ein Film über Väter und Söhne, dessen filmisches Universum eine kleine Welt im ländlichen Österreich ist. Seine Größe besteht aber darin, trotzdem das Universale des Menschlichen zum Thema zu haben. Ein Film voller Zärtlichkeit, der von Leben und Tod, von Herkunft und Zukunft handelt." (Jurybegründung Diagonale 2016)
Der Abschlussfilm von Sigmund Steiner wurde unter anderem mit dem Großen Diagonale Dokumentarfilm-Preis 2016 und dem VIKTOR DOK.deutsch Preis beim DOK.fest München 2016 ausgezeichnet.
Sigmund Steiner, selbst Sohn eines Landwirtes und auf dem elterlichen Hof in Judenburg in der Steiermark aufgewachsen, hat bei Michael Haneke und Wolfgang Glück an der Filmakademie studiert. In seinem essayistischen Dokumentarfilm portraitiert er drei Landwirte und deren Arbeit. „Einen Bauern, hat mein Vater immer gesagt, kann man nur dann verstehen, wenn man einmal mit ihm im Wald war. Oder am Feld. Oder auf der Alm.“
Keiner der drei Männer ist sein Vater, aber man spürt, dass Steiner hier sein persönliches Verhältnis zu seinen Wurzeln, zu seinem Vater verhandelt.
Das Leben der drei Bauern wird von der Generationenfrage bestimmt: werden ihre Kinder eines Tages das Anwesen übernehmen und den Familienbetrieb fortführen, wie sie selbst es einst getan haben?
„Holz Erde Fleisch“ wurde von La Banda Film produziert.
Verleih: Stadtkino Filmverleih
Buch, Regie, Schnitt: Sigmund Steiner (www.sigmundsteiner.com)
Kamera: Michael Schindegger
Kinostart: 3. Juni 2016

www.holzerdefleisch.com


Carl Andersens Underground der Liebe
Der am 15. Mai 1958 in Wien geborene Karl Brazda, so der bürgerliche Name des exzessiven Filmemachers Carl / Caro Andersen, hat die Wiener Subkultur der 80er Jahre entscheidend mitgeprägt. Er arbeitete als Filmkritiker und schuf sein eigenes Kino. Der Großteil seiner filmischen Arbeiten entstand in Berlin, wo er mehr als zwei Jahrzehnte lebte. Dort realisierte er mit minimalen Budgets 12 Filme über Beziehungen und das Filmemachen. Die Anerkennung seiner Arbeit blieb ihm zu seinen Lebzeiten verwehrt, seine letzten Lebensjahre waren von Alkoholismus und Depressionen überschattet. Im August 2012 nahm sich Carl Andersen das Leben. Seine ersten beiden Filme "I was a Teenage Zabbadoing" (A / 1988) und "Mondo Weirdo - a trip to Paranoia Paradise" (A / 1989) sind mittlerweile Klassiker des Undergroundfilms. Sein Wirken als Wegbereiter des Programmkinos und sein eigenes Alternativ - Lokal namens Fun Factory (1090 Wien) sind legendär.
Andersen hinterließ ein umfangreiches subversives Filmoeuvre, das es nun neu zu entdecken gilt. Der Filmemacher Martin Nechvatal, der mit Andersen befreundet war und an einigen seiner Filme mitgewirkt hat, bietet Einblicke in dessen abenteuerliche Lebensgeschichte und verwebt zahlreiche Ausschnitte des Gesamtwerks von Carl Andersen mit Erzählungen aus seiner ganz persönlichen Sichtweise von diesem außergewöhnlichen Künstler. Zahlreiche Freunde, Bekannte und Mitwirkende seiner Filme kommen zu Wort.
Mit: Carl Andersen, Lothar Lambert, Erwin Leder, Reinhard Jud, Stefan Grissemann, Alexander Horwath, Paul Poet, Olaf Möller, Elmar Weihsmann u.a.
Regie: Martin Nechvatal & Gerald Jindra
Drehbuch: Gerald Jindra, Martin Nechvatal, Patrick Spanbauer
Produzenten: Patrick Spanbauer, Monica Parii
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=G1O3JbAurZw
Kinostart: 19. Mai (D), 20. Mai (A)
www.schikaneder.at


Foto: Ruth Beckermann
Die Geträumten
Für Ingeborg Bachmann ist es die große Liebe ihres Lebens, und doch hört sie nie auf, in Paul Celan den Fremden zu sehen und ein bisschen wohl auch zu fürchten: einen Juden aus Czernowitz, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind, während sie selbst nichts dergleichen erlebt hat. Sie liebt ihn und stößt an Grenzen, an ihre eigenen und an seine.
Liebe und Hass, richtige und falsche Worte – erlesen von den beiden jungen Schauspielern, Anja Plaschg und Laurence Rupp aus einem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die sich im Nachkriegswien kennengelernt haben. Die dramatisch schwankenden Gefühle der Briefe – zwischen Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit – gehen auf die Schauspieler über. Aber sie amüsieren sich auch, streiten, rauchen, reden über Tattoos und Musik.
„Eine Dramaturgie von Intimität und inszenierter Vortragssituation, von Text, Körper, Gesicht und Raum, Sprechen und Zuhören. Ruth Beckermanns ,Die Geträumten’ wird dem Dialogischen des mehr als zwanzig Jahre umfassenden Briefwechsels ebenso gerecht wie der teils schmerzhaft einsamen Innenwelt der beiden Schriftsteller. Der Film verdichtet das Textmaterial, lässt ihm dabei aber immer genügend Raum zum Nachklingen. Durch die Abfolge von Sprechszenen und Rauchpausen, in denen sich das Aufeinandertreffen der Musikerin Anja Plaschg und des Schauspielers Laurence Rupp zu einer offenen Parallelerzählung gestaltet, bekommt der literarische Text seinen Platz in der Gegenwart,“ so die Begründung der Jury zur Vergabe des mit 21.000 Euro dotierten Großen Diagonale-Preises Spielfilm des Landes Steiermark 2016.
Zudem ging der Diagonale Preis für den Besten Schnitt an Dieter Pichler.
Drehkonzept und Regie: Ruth Beckermann
Kamera: Johannes Hammel
Schnitt: Dieter Pichler
Ton: Georg Misch
Produzentin: Ruth Beckermann
Verleih: Stadtkino Filmverleih
Kinostart: Ende 2016
www.diegetraeumten.at


Foto: Polyfilm Verleih
Das Leben ist keine Generalprobe - Die Welt des Heini Staudinger
Wie lassen sich die Visionen einer gerechten Welt, die Heinrich Staudinger antreiben, in den wirtschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart verwirklichen? In ihrem ersten Kinofilm begleitet die Filmemacherin Nicole Scherg den alternativen Schuhfabrikanten, seine Lebensgefährtin und Mitgeschäftsführerin Sylvia Kislinger und das Waldviertler/GEA Team im Rahmen ihrer Auseinandersetzung mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) und beim täglichen Versuch, eine andere Vision von Wirtschaft und das gute Leben zu verwirklichen und auf eine Reise nach Afrika.
„Ich lernte Heini vor vier Jahren bei einem seiner Vorträge kennen. Er erzählte von seiner Haltung als Unternehmer. Wie er in der totgesagten Schuhbranche über die Runden komme und dass es ein Armutszeugnis für ein Land sei, wenn es selbst nichts mehr produzieren könne. Dass Betriebe gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müssen - ebenso wie die Kunden, die mit dem Kauf eines Produktes auch das dahinter liegende System unterstützen. Dass ihm Wachstum und Gewinn nicht so wichtig seien und er für regionales, lebensbejahendes Wirtschaften eintrete. ... Für mich ist ,Das Leben ist keine Generalprobe’ auch ein Film über ,Selbstermächtigung’ geworden - ein Beispiel, dem eigenen Ruf zu folgen, egal, wie mühevoll es sein mag. Heinis Ausspruch ‚Es gibt im Leben nichts Wichtigeres, als das Leben’ kann auf dieser Reise manchmal ein hilfreicher Kompass sein.“
Kinostart: 8. April 2016.
Produktion: NGF - Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH
www.daslebenistkeinegeneralprobe.at


Fotos: European Film Conspiracy
WINWIN
Wer Geld hat, darf sich alles erlauben. Um sich in Wirtschaft, Politik und Kunst einzukaufen, landen drei „Investoren im falschen Gewand“ (Christoph Dostal, Stephanie Cumming, Jeff Ricketts), die sich „Sandberg & Lachmann“ nennen, in Österreich. Wo immer sie auftreten, werden sie mit offenen Armen empfangen.
Im Regiestatement zu seiner witzig bissigen Satire sagt Daniel Hoesl: „Mit ‚Soldat Jeannette’ habe ich den Wert des Geldes in Frage gestellt, nun hinterfrage ich die Macht des Geldes.“
WINWIN zählte zu den großen Gewinnern der Diagonale 2016. Ausgezeichnet wurden Gerald Kerkletz (Beste Bildgestaltung) und Laura Weiss (Bestes Szenenbild).
Die Jurybegründungen: „Mit Stil, Haltung und Präzision zeigen und kommentieren die Bilder die Repräsentationslogik einer Gegenwart, die form-, macht-und selbstbewusst Räume beschreitet und einnimmt. Die Kamera ist Spiegel und Rahmen für exakt vermessene Worte, Mimiken, Gesten, Körperhaltungen und Hierarchien. Für diese dichte, pointierte Bildkomposition verleihen wir den Diagonale-Preis für die beste Bildgestaltung in einem Spielfilm an Gerald Kerkletz.“
„Vom Mondrian-Jet bis hin zur modularen Sitzgruppe, von den abstrakt-geometrischen Settings über das mit Herrschaftssymbolen behaftete Palais bis hin zu der Dioramen-Kulisse des Naturhistorischen Museums: Durch die ebenso präzise wie ökonomische Auswahl und Zusammenstellung von Orten, Räumen und Objekten setzt WINWIN die Verstrickungen und Hierarchien von Wirtschaft, Politik und Kunst auf beeindruckend klarsichtige Weise ins Bild.“
Mit dabei ist wieder Johanna Orsini-Rosenberg, die 2013 für „Soldat Jeanette“ den Schauspielpreis der Diagonale erhielt. In kleinen Nebenrollen sind Marijana Stoisits (Vienna Film Commission), und die Regisseure, Produzenten und Autoren Franz Nowotny und Markus Schleinzer zu sehen.
Darsteller: Christoph Dostal, Stephanie Cumming, Jeff Ricketts, Nahoko Fort-Nishigami;
Regie: Daniel Hoesl
Kamera: Gerald Kerkletz
Produzenten: Georg Aschauer, Julia Niemann, Katharina Posch, Daniel Hoesl, Gerald Kerkletz
Produktion: European Film Conspiracy
Verleih: Stadtkino Filmverleih
Kinostart: 1. April
Trailer: https://vimeo.com/153247357
www.europeanfilmconspiracy.com


Foto: oliver-oppitz-photography/Lunafilm
MAIKÄFER FLIEG
Völlig mittellos kommt die neunjährige Christine mit ihrer Familie im Jahr 1945 in einer noblen Nazi-Villa in Neuwaldegg unter. Nach der Kapitulation der deutschen Soldaten quartieren sich die Russen im Haus ein. Alle fürchten sich vor den als unberechenbar geltenden russischen Soldaten. Nur Christine nicht.
In einer Hauptrolle in Mirjam Ungers Adaption des autobiografischen Romans von Christine Nöstlinger, die darin ihre eigene Kindheit in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges schildert, brilliert Ursula Strauss als Mutter der kleinen Christine und wurde dafür mit dem Diagonale-Schauspielpreis 2016 ausgezeichnet.
Die Begründung der Jury: „Ursula Strauss spielt die resolute Mutter in Maikäfer flieg so natürlich, dass man ihr Spiel gar nicht als Spiel wahrnimmt. Sie geht so in dieser Rolle auf, dass sie uns die historische Barriere zum Stoff vergessen lässt. Ihre Körperlichkeit und ihre Sprache verwurzeln uns in dieser Zeit. Die akribische Vorbereitung auf diese Rolle lässt sie sich in keiner Minute anmerken. Das ist hohe Schauspielkunst mit enormer Leichtigkeit und Präzision.“
Mirjam Unger war, wie sie im Interview sagt, davon fasziniert, dass die Geschichte der ersten Nachkriegszeit aus der Sicht eines kleinen Mädels erzählt werde: „Ich habe dieses wundervolle Buch erst als Erwachsene entdeckt und da passierte einiges gleichzeitig mit mir. Ich war gebannt, hingerissen, belustigt und vor allem habe ich etwas über den 2. Weltkrieg und die unmittelbaren Nachkriegswochen erfahren, so wie ich es von niemandem bislang geschildert bekommen hatte.“
Zum Kinostart ist im Verlag GULLIVER eine Sonderausgabe von Christine Nöstlingers Buch „Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich.“ Erschienen.
Mit: Zita Gaier, Ursula Strauss, Gerald Votava, Heinz Marecek, Konstantin Khabensky, Ivan Shvedoff, Markus Schwärzer, Hilde Dalik u.a.;
Regie: Mirjam Unger
Drehbuch: Sandra Bohle, Mirjam Unger
Kamera: Eva Testor, Schnitt: Niki Mossböck
Musik: Eva Jantschitsch, Ton: Didi Zuson
Ausstattung: Katharina Wöppermann, Kostüme: Caterina Czepek
Produktion: Gabriele Kranzelbinder
Kinostart: 11. März 2016
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=CDdQ56jMW-U
http://maikaeferflieg.derfilm.at/
www.kgp.co.at/index.php?option=com_moviedb&task=viewmovie&id=90


Foto: Filmladen/Lotus Film
THANK YOU FOR BOMBING
Der Film begleitet drei internationale TV-Korrespondenten, Ewald, Lena und Cal, auf ihren Wegen zu und an einem Schauplatz eines Krieg, der nicht beginnen will, und portraitiert ihren Alltag jenseits von Kameras und Satellitentelefonen – irgendwo zwischen Bombenalarm, Sockenwaschen und Bachblütentherapie.
Erwin Steinhauer überzeugt „mit seiner zurückgenommenen und in jedem Moment authentischen Darstellung eines Mannes, der mit den Dämonen einer lange zurückliegendes Traumatisierung zu kämpfen hat. Sein Spiel ist mutig, ohne jegliches Pathos oder Effekthascherei, und seine Präsenz ist umso bemerkenswerter, als seine Rolle nur ein Kapitel in einem Episodenfilm umfasst, so die Jurybegründung bei der Vergabe des Diagonale-Schauspielpreises 2016 an Erwin Steinhauer. Diese Episode, MILAN VIDIČ, handelt von Ewald, einem alten Auslandskorrespondenten aus Österreich, der sein Dasein mittlerweile nur mehr in der Redaktion in Wien fristet, wo er Berichte für die täglichen Nachrichten betreut. Völlig unvermutet erhält er den Auftrag, nach Afghanistan zu reisen. Ewald kommt nie an, denn noch am Flughafen holt ihn seine Vergangenheit ein.
In Afghanistan berichtet indes Lana, eine amerikanische Journalistin, vom bevorstehenden Krieg. Lana möchte eines Tages als anerkannte Journalistin gelten und sieht diesen Auftrag als Chance, endlich zu zeigen was sie drauf hat. Doch sowohl ihr Produzent als auch ihre Kollegen sehen Lana nur als hübsche Erscheinung, die Quote bringt. Die Tatsache, dass der Krieg einfach nicht beginnen will, macht es Lana nicht unbedingt leichter.
Das Redaktions-Team rund um den amerikanischen Korrespondenten Cal,  hat schon seit Wochen im Hinblick auf die erwarteten Unruhen in Kabul und anderen Brennpunkten mehrere Sendestützpunkte installiert, um möglichst live über Tod und Zerstörung berichten zu können. Von Cal wird erwartet, selbst aus der dünnsten Geschichte eine Sensationsnachricht zu machen und er stellt zunehmend die Maschinerie der modernen Berichterstattung in Frage.
Mit: Erwin Steinhauer, Manon Kahle, Raphael von Bargen uvm.;
Regie: Barbara Eder
Buch: Barbara Eder, Tommy Pridnig
Kamera: Christian Haake
Schnitt: Monika Willi, Claudia Linzer
Produzenten: Tommy Pridnig, Peter Wirthensohn
Produktion: Lotus-Film GmbH
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UbT5V-YkCGM
Kinostart: 18. März 2016
www.lotus-film.at/filme/thank-you-for-bombing


Fotos: Edgar Honetschläger
LOS FELIZ
Von der Konzeption bis zur Fertigstellung „des ersten Roadmovies in der Geschichte des Films, das in einem Studio gedreht wurde“ vergingen 15 Jahre. Dreieinhalb Jahre verbrachte Edgar Honetschläger damit, ikonografische Bilder des Landes der Freiheit zu malen und zu zeichnen. Die Protagonisten seines Filmes haben ihm abverlangt, ein zweidimensionales Amerika zu erschaffen - drei Kardinäle, die den Teufel anheuern, um den Bedeutungsverlust des Westens zu verhindern. Mit Bildern von Amerika.
Denn: „Wer die Bilder macht, der hat die Macht“. Mit seinem Filmprojekt, das in Rom, Wien und in den USA entstanden ist, verbindet Honetschläger die beiden Wiegen der manipulativen Bilderproduktion Rom/Vatikan mit Los Angeles/Hollywood und kratzt mit Humor und Ironie an deren Bildermacht. Es gibt da eine Macht, die dem Westen diese Vorherrschaft streitig machen will…
Im Film werden 16 x 4 Meter große Leinwände von einer extra dafür geschaffenen Maschine transportiert, die die Illusion eines durch die Landschaft fahrenden Autos erzeugen. Ein Mercedes-Benz aus den fünfziger Jahren. Damit fahren der britische Teufel, eine junge französische Museumswärterin und eine japanische Shinto Göttin durch ein gemaltes und gezeichnetes, zweidimensionales Amerika. Ruhm ist es, wonach das junge Mädchen sucht, Liebe, was die Göttin aus Fernost nicht verstehen kann, und Tiefe ist, wonach wir alle suchen. 3D ist, was man uns gibt.
„Der Film erfüllt sich in dem hippen Stadtteil Los Feliz, wo die Protagonistin ihr Über-Ich entdeckt, das verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, berühmt zu werden. In Hollywood herrscht das ganze Jahr über das gleiche Klima, blauer Himmel, gepflegte Gärten, nichts verändert sich – ein Grund, weshalb die Filmindustrie hierherzog –  und der allgegenwärtige, immerfort den Rasen benetzende Wassersprinkler. Wann immer man aus dem Fenster blickt, es verändert sich nichts – nie. Das Einzige was sich verändert, ist man selbst. Man blickt in den Spiegel – eine neue Falte! Los Angeles‘ gespielte Permanenz macht vor den Menschen halt. Darum ist die Schönheitsindustrie hier so überbordend. Ewige Jugend ist angesagt, und über den Film wird dieses Muss seit Jahrzehnten in den Rest der Welt transportiert“, so Edgar Honetschläger.
Charlie Campagna wurde mit dem Diagonale-Preis 2016 Sounddesign ausgezeichet. Die Begründung der Jury: „Los Feliz verwebt unterschiedliches, zum Teil konträres und kontrastierendes Musik-und Klangmaterial, verbindet Gefundenes und Geschaffenes in gewitzter, unkonventioneller Weise. Die Tongestaltung schafft trotz der Heterogenität der einzelnen Elemente einen organischen Fluss, unterstützt damit den bemerkenswerten Wirklichkeits-und Erzählraum des Gesamtprojekts, bringt aber zugleich eine eigenständige künstlerische sowie narrative Ebene mit sich.“
Trailer: http://www.1000000000.at/#/Teaser/?_k=8gou6a
Kinostart: 14. März 2016
www.1000000000.at, www.honetschlaeger.com


Foto: Amour Fou Film
Dreams Rewired - Mobilisierung der Träume
Der Dokumentarfilm von Manu Luksch, Martin Reinhart, Thomas Tode feierte seine Weltpremiere beim Internationalen FilmFestival Rotterdam und seine Österreich-Premiere bei der Diagonale 2015 in Graz.
Der Film befasst sich mit den Ängsten und Hoffnungen unserer hypervernetzten Welt und nimmt uns dazu mit auf eine Reise, die mehr als hundert Jahre zurückreicht, als Film, Fernsehen und Telefon zu den neuesten Entwicklungen zählten.
Oberstes Ziel dieses Films ist, die öffentliche und akademische Debatte über die allgegenwärtige Datenverarbeitung und die Medien durch ihre historische Rekontextualisierung wiederzubeleben (…) Die Medien- und Datenlandschaft scheint heutzutage, so wie im späten 19. Jahrhundert, für jeden verfügbar. Doch wenn wir diese Landschaft nicht für die größere Gemeinschaft sicherstellen, wird sie jemand an sich reißen und aufteilen, wie es einst mit ganzen Kontinenten geschehen ist. (Manu Luksch) 
Drehkonzept und Regie: Manu Luksch, Martin Reinhart, Thomas Tode
Buch: Manu Luksch, Mukul Patel
Produktion: Amour Fou Film
Verleih: Polyfilm
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aYvk6YAE9Ko
Kinostart: 11. März 2016
www.dreamsrewired.com
www.amourfoufilm.com/news/dreams-rewired-iffr/


Fotos: Thimfilm
ALLES UNTER KONTROLLE
„Wer die Daten hat, hat die Macht“, stellt Werner Boote einmal ernüchtert fest. Aber wer sind die Guten, wer die Bösen in diesem System? Werner Boote richtet erneut den Blick auf einen Aspekt unseres Alltags, der für viele als selbstverständlich, unabänderlich oder belanglos, als ganz „normal“ betrachtet oder einfach hingenommen wird. Auf spannende und unterhaltsame Weise zeigt er in diesem Dokumentarfilm auf, wie transparent wir Privatpersonen in der digitalen Welt geworden sind und wie persönliche Daten Teil eines kommerziellen und politischen Modells wurden. „Alles unter Kontrolle“ soll ein „call to action“ sein, bewusster mit den eigenen Daten umzugehen, Nutzungsbestimmungen, zum Beispiel der verwendeten Apps zu lesen, und grundsätzlich mehr darauf zu achten, wem, zum Beispiel unserer Bank, wir warum welche Daten geben und was damit gemacht werden kann.
Auch Emma Carr, Direktorin der britischen Organisation Big Brother Watch, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Überwacher zu überwachen und deren permanente Grenzüberschreitungen öffentlich zu machen, malt kein sehr erfreuliches Bild. Längst gehe es nicht mehr um „kleine Ausrutscher“, sondern darum, seine eigene Freiheit zu schützen und die Oberhoheit über die eigenen persönlichen Daten wiederzuerlangen, sagt sie.
In diesem aufrüttelnden Film über die Selbstverständlichkeit der Überwachung sucht Werner Boote – wie in allen seinen Filmen - Antworten und Informationen bei Experten auf der ganzen Welt.
Produktion: Geyrhalter Film
Kamera: Dominik Spritzendorfer
Schnitt: Gernot Grassl, Emily Artmann
Ton: Andreas Hamza
Musik: Marcus Nigsch
Verleih: Thimfilm GmbH
Teaser: https://youtu.be/ED2XPhoIPCg
Kinostart: 25. Dezember
www.geyrhalterfilm.com, www.wernerboote.com


Foto: Filmladen Filmverleih
Lampedusa im Winter
Die Bewohner der „Flüchtlingsinsel“ Lampedusa ringen verzweifelt um ihre Würde und um Solidarität mit den afrikanischen Bootsflüchtlingen. Jakob Brossmann rückt in seinem Dokumentarfilm die Bewohner der Insel in den Fokus. Er beobachtet ihre Begegnungen mit den Flüchtlingen und wie sie mit dem emotionalen Druck, dem sie ausgesetzt sind, umgehen, erzählt von den daraus resultierenden Problemen der Fischer oder von Einsätzen der Küstenwache.
Jacob Brossmann wünscht sich, dass die Botschaft und die politische Dimension seiner Arbeit bei einem großen Publikum ankommt: „Ich entdeckte auf Lampedusa, dass die dortige Situation nicht, wie man als europäischer Medienkonsument meinen möchte, ein Nährboden für Rassismus und Xenophobie ist. Im Gegenteil: Es findet hier eine Form von Solidarität statt – die nicht immer zum Zug kommt, aber grundsätzlich vorhanden ist. Denn die Inselbewohner sehen sich als Opfer derselben zynischen Politik wie die Flüchtlinge. ... Einer der großen Aspekte, der Lampedusa für uns so relevant macht, ist die Erfahrung der eigenen Hilf-und Machtlosigkeit. Einer der Kernmomente des Films ist für mich, als sich die Bürgermeisterin mit ausgebreiteten Armen vor 25 Flüchtlinge stellt und sich für die in Europa herrschenden Gesetze entschuldigt, an denen sie gar nichts ändern kann. Das ist ein wesentliches Merkmal lampedusanischer Realität. Das Ausgeliefertsein ist ein Gefühl, das jeder Mensch nachvollziehen kann – oder muss.“
Trailer: www.youtube.com/watch?v=drXnFXhjYSo
Kinostart in Österreich: 6. November 2015
World Sales: Taskovski films ltd., (UK)
www.facebook.com/lampedusaimwinter, www.finali.at


Fotos: Fortuna Media
Sommer in Wien
Ein ungewöhnliches Stadtportrait
Ein seltenes Handwerk, eine Stadt voll Musik und Menschen mit besonderen Lebensentwürfen verbinden sich zu einem ungewöhnlichen Stadtporträt, das von Schellack und Karpfen handelt, von Leidenschaft und Mut, von der Notwendigkeit des Scheiterns und von Herzenswärme während eines heißen Sommers in Wien.
Einer der Protagonisten ist der Wiener Klavierbaumeister Bernhard Balas. In seiner Werkstatt im 15. Wiener Gemeindebezirk warten verletzte Klaviere auf ihre Genesung und seltene Saiteninstrumente auf ihre Entstehung. Ein Streifzug durch die Welt des Klavierbauers hat etwas Heilsames. Hier dominiert die Liebe zum Beruf, zur Qualität. „Im Erleben des Werkstattalltags und durch Gespräche mit seinen Mitarbeitern offenbart sich ein System, das als Modell für eine bessere Welt tauglich wäre. Die persönliche Geschichte der Protagonisten zu erzählen, war mir ein großes Anliegen, weil sie Mut macht, nichts so hinzunehmen wie es ist. So werden vielleicht manche Menschen angeregt, über den eigenen Lebensentwurf nachzudenken und lang gehegte Träume zu verwirklichen,“ erklärt Walter Größbauer die Motivation für seinen aktuellen Film. Angeregt dazu wurde er durch den Besuch eines der Konzerte, die der Klavierbauer immer wieder veranstaltet. Die Heimreise trat Größbauer „mit einem fundamentalen Gefühl von Zuversicht an, denn selten zuvor war ich so sehr von Musik und der Stimmung eines Ortes berührt wie an diesem Abend. Im Laufe der Jahre lernte ich auch einige Menschen aus dem Umfeld von Bernhard kennen, die zum Essen kamen - Balasz ist auch passionierter Fischer und Koch - oder spontan in der Werkstatt auftauchten: Andrea und Christian, der bald darauf zu Christin wurde, oder John und Max. Eines haben alle gemeinsam, sie sind aktive Widerstandsnester gegen den herrschenden Zeitgeist, die sich dem Einfluss der konsumorientierten Gesellschaft konsequent entzogen haben. So wurde der Keim gesät für einen Film über dieses seltene Soziotop inmitten der Großstadt.“
Nach der Indien-Trilogie „Next Nirvana“, „Indian Dreams“ und „Road to Heaven“ und weiteren Dokumentarfilmen über Afrika und Europa schenkt Walter Größbauer diesmal besonderen Menschen und Dingen in Wien seine Aufmerksamkeit und lässt sich dabei auf „das Spektakuläre des Unspektakulären ein“.
Kinostart: 18. September 2015
Trailer: https://vimeo.com/119839379
Regie: Walter Größbauer
Soundtrack: https://vimeo.com/132931477 by Der Machatschek,
www.dermachatschek.at
Produzentin: Claudia Pöchlauer
www.fortuna-media.com


Fotos: Langbein & Partner
Landraub
„Kaufen Sie Land, es wird keines mehr gemacht“ - Mark Twains Satz ist hoch aktuell, seit das globale Finanzkapital die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt hat. Statt Bauern bestimmen Profitinteressen über die Böden.
„Landraub“, was hat das mit uns zu tun? Es sind Programme der EU, die zu Mega-Plantagen für die Biosprit-Erzeugung und zur Zuckerproduktion führen. Und es sind Entwicklungshilfegelder aus Österreich, mit denen Superreiche ihre Investitionen absichern.
„Landraub“ erzählt in großen Bildern von den Folgen. Die Böden werden für GPS-gesteuerte Maschinen im großen Stil eingeebnet, der Verbrauch an Wasser, Chemie und Energie ist in der Agrarindustrie enorm.
„Landraub verurteilt nicht, sondern folgt den Gedankenwelten der Protagonisten und sucht die Bilder, welche die Konsequenzen des Handelns zeigen. Da sind die Investoren. Die Vertreter des großen Geldes erzählen von ihrer Entdeckung der Landnahme als Geldanlage. Ihre Gedankengebäude sind nachvollziehbar und wirken nicht zynisch, ja sogar logisch. Ihre Ländereien sind phantastisch geordnet, riesengroß und perfekt organisiert. Da sind die Kleinbauern, Flüchtlinge und die Landarbeiter. Sie erzählen von Vertreibung, Hunger, Konkurrenzkampf und Zerstörung ihrer Heimat. Ihre Lebenswelt ist karg und elend.
Landraub soll betroffen machen. Es sind die Rahmenbedingungen aus unseren Ländern, die das große Geld auf die Äcker lockt – und diese Rahmen können wir gestalten“, erklärt Kurt Langbein die Hintergründe.
Regie: Kurt Langbein
Buch: Christian Brüser, Kurt Langbein
Kamera: Wolfgang Thaler, Attila Boa, Christian Roth, Udo Maurer Produktion: Langbein & Partner
Kinostart Österreich: 18. September 2015,
Kinostart Deutschland: 8. Oktober

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Yk8XD7KYt3Q
facebook.com/Landraub


Foto: KGP Kranzelbinder
BAD LUCK
Inspiriert von kleinen Zeitungsausschnitten stellt Thomas Woschitz in seinem tragikomischen Thriller Menschen in den Mittelpunkt, „die aus ihrer existenziellen Verzweiflung heraus etwas Dummes tun“.
Dagmar arbeitet in einer Tankstelle, hat Schulden und fliegt zu allem Unglück auch noch aus ihrer Wohnung. Lippo versteht sein Leben nicht mehr. 15 Jahre lang hat er gemeinsam mit seinem Chef einen Wettsalon aufgebaut und plötzlich ist er gefeuert. Karl ist Automechaniker und verkauft nebenbei Wasserfilter. Rizzo ist Karls seltsamer Freund und unglücklich darüber, dass er anders ist als alle anderen. Eine trostlose Tankstelle im Nirgendwo ist der gemeinsame Lebensmittelpunkt. Drei Autounfälle, eine gestohlene Pistole und ein überraschender Geldfund scheinen wie ein Wink des Schicksals, um der Monotonie des Alltags entfliehen zu können. Doch nichts ist so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Zufälle, unüberlegte Handlungen und Verstrickungen: Am Ende erscheint das persönliche Glück unerreichbar fern.
BAD LUCK wurde bei der Diagonale 2015 mit dem Preis für Sounddesign - Best Sound Design of a Feature Film ausgezeichnet.
Begründung der Jury: Eine schwarze Komödie im Kärtner Dialekt, geprägt durch die archetypischen Charaktere und ihre Sprache. Stefan Deisenbergers Soundkonzept von Bad Luck kontrastiert den Dialekt der Laiendarsteller/innen gekonnt mit den Originalgeräuschen der Natur und der wenigen Drehorte. Die Musik von Manfred Plessl und Oliver Welter verstärkt dabei die Komik der Geschichte. Und mit der Blaskapelle im Reisebus fahren wir alle in eine ungewisse Zukunft.
Regie, Buch: Thomas Woschitz
Kamera: Enzo Brandner
Schnitt: Hannes Starz
Musik: Manfred Plessl/Oliver Welter
Ausstattung: Stefanie Hinterauer
Kostüm: Michaela Haag
Darsteller: Christian Zankl, Josef Smretschnig, Valerie Pachner, Markus Schwärzer, Thomas Oraže, Ernestine Schmerlaib, Gerhard Kubelka
Produktion: KGP Kranzelbinder Gabriele Production GmbH
Kinostart Österreich: 29. Mai 2015
Trailer: www.youtube.com/watch?v=CwFWj8gytdg
http://badluck.at/
www.kgp.co.at
www.facebook.com/pages/Bad-Luck/329887230542815?fref=ts


Foto: Langbein & Partner / Blanko Musik
Brenna tuat's schon lang
Seit mehr als 25 Jahren ist Hubert von Goisern – von seinem Anfängen als Alpenrocker mit seinem ersten Durchbruch „Hiatamadl“ über seine Expeditionen nach Tibet und Afrika, die Linz- Europa-Tour auf einem umgebauten Lastschiff bis zu „Brenna tuat’s guat“  - erfolgreich auf den Bühnen Europas unterwegs.
Der Musikdokumentarfilm von Marcus H. Rosenmüller zeigt nicht nur den Künstler Hubert von Goisern und sein Schaffen, er stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Gespräche mit dem Hauptprotagonisten und seinen Wegbegleitern, garniert mit zum Teil noch kaum veröffentlichtem Archivmaterial, verbinden sich zu einer Gesamtschau auf die bisherige persönliche und künstlerische Entwicklung des vielseitigen Musikers.
Sein Manager Hage Hein, der seit einem Vierteljahrhundert an seiner Seite steht, wird zu den gemeinsamen Kämpfen, Niederlagen und Erfolgen interviewt und seine teilweise andere Sicht auf die Geschehnisse, auf die Person Hubert von Goisern, und Außenbetrachtungen von weiteren Wegbegleitern geben Einblicke in die 25 Jahre währende Reise des Musikers Hubert von Goisern.
Mit Johannes Kaltenhauser setzt ein gefühlvoll arbeitender und erfahrener Kameramann die verbindenden Sequenzen und Interviews ins Bild.
Die Salzburger Cutterin Petra Hinterberger beherrscht beide hier nötigen Genres auf höchstem Niveau: Sie hat ausgezeichnete Dokumentarfilme ebenso gestaltet wie Musikfilme.
Produktion: Langbein & Partner Media GmbH & Co KG, www.langbein-partner.com
Blanko Musik GmbH, www.blankomusik.de 
Kinostart: Österreich: 24. April, Deutschland 23. April 2015
Trailer: www.youtube.com/watch?v=pS_L4QpU_NI
www.brennatuatsschonlang.at
www.hubertvongoisern.com/brennatuatsschonlang/


Foto: Fortuna Media
Road to Heaven
„Mein Plan war es, einen Essayfilm über das menschliche Schicksal zu machen. Meine Vorstellung von Indien war bis zu diesem Zeitpunkt geprägt von Assoziationen wie Spiritualität, Weisheit, Gewaltlosigkeit, größte Demokratie der Welt, aufstrebende Wirtschaftsgroßmacht, unsägliche Armut. Also von all den westlichen Klischees, die durch mediale Berichterstattung verstärkt werden, durch Filme wie ‚Gandhi’ oder Bücher von westlichen Sinnsuchenden, die ihre Erlösung nach Indien projizieren. ... Im Verlauf dieser Reisen hat sich mein Bild von Indien drastisch verändert,“ so Walter Größbauer über seine ursprünglichen Pläne. Entstanden ist daraus eine Trilogie. Nach „Next Nirvana“ und „Indian Dreams“ kommt nun der dritte Film in die Kinos. Dafür begleitete Walter Größbauer einen jungen Sikh auf seiner Pilgerreise quer durch Indien. Sie führt über die „Grand Trunk Road“, eine antike Handelsroute, die zu den gefährlichsten Straßen der Welt zählt, von Kolkata im Osten nach Amritsar im Westen. Dort befindet sich das spirituelle Zentrum des Sikhismus. Rajan repräsentiert die nächste Generation Indiens, die mit Smartphone und Social Media groß geworden ist und den westlichen Lebensstil zum Vorbild hat. Er ist jung und konsumhungrig, findet Politik deprimierend und weiß wenig über die Geschichte seines Landes. In der Familie gilt Rajan als Rebell, denn er trägt die lange Haarpracht der Sikh nicht unter einem Turban, sondern unter einer Baseballkappe versteckt. Dass er trotzdem auf Pilgerreise geht, um sich bei Gott zu bedanken, zeigt den Zwiespalt einer Generation, die nur mehr blind den Traditionen ihrer Kultur folgt.
Das Ziel seiner Reise ist der Goldene Tempel in Amritsar, auf dem Weg dorthin wird er allerdings mit der Realität seines Landes konfrontiert, in dem Korruption, soziale  Missstände und Gewalt an Frauen wie Meilensteine auf dem Weg liegen. Die Straße zum Himmel führt ihn unweigerlich durch das Fegefeuer.
Die Filmmusik komponierte Erich Pochendorfer, der den Auftrag hatte, eine stimmungsvolle Road-Movie-Musik zu gestalten und keine typischen indischen Klangwelten zu generieren, die gerne in Dokumentationen über Indien eingesetzt werden. Diese würden auch dem Musikgeschmack der jungen Generation Indiens entgegenstehen, die mit klassischer indischer Musik rein gar nichts am Hut hat.
Regie: Walter Größbauer
Soundtrack by: Erich Pochendorfer
Trailer: https://vimeo.com/95518939
Kinostart: 24. April 2015
www.fortuna-media.com


Foto: Thimfilm
Unter Blinden
Andy Holzer ist 46 Jahre alt, seit seiner Geburt blind und der einzige professionelle Extrembergsteiger Europas, der nicht sehen kann. Er hält Vorträge vor Führungskräften, repariert das Dach seines Hauses selbst und ist seit 25 Jahren verheiratet.  Von seinen Eltern wird er wie ein Sehender erzogen, was er als die Ursache seines erfolgreichen Lebens sieht. Er sagt, er habe gelernt, sich an das Leben der Sehenden anzupassen. 
Wenn wir ihn im Film am Berg in der Wand oder mit dem Fahrrad durch Tirol fahren sehen, haben wir nicht eine Sekunde lang den Eindruck, dass er blind ist. Holzer formulierte es so, er habe kein Problem damit, dass er blind sei, weil er nicht das Gefühl habe, dass er deswegen nicht sehe. „Jetzt muss ich nur noch die anderen unter Kontrolle bringen“, berichtet er über seine Erfahrungen mit den Sehenden, „damit sie mich nicht rausbringen.“
Sein Buch ist ein Bestseller, das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, ist gespalten. Artikel rund um den Globus, Talkshows auf der ganzen Welt. Im Dorf herrscht Skepsis über das große Interesse an diesem Blinden, den sie nie als blind wahrgenommen  haben, der die öffentliche Schule besucht hat und mit dem Fahrrad zur Schule fährt.
„Unter Blinden“ konzentriert sich nicht auf Einschränkungen oder Defizite bedingt durch eine Sehbehinderung, sondern auf Menschen, die ein selbstbestimmtes Leben führen und deren Behinderung mehr in der Wahrnehmung der Sehenden stattfindet, als in ihrer eigenen.
Buch und Regie: Eva Spreitzhofer
Kamera: Leena Koppe
Produzent: Dieter Pochlatko
Kinostart: 3. April 2015
www.unterblinden.at


Foto: Thimfilm/Petro Domenigg
Superwelt
„SUPERWELT ist eine Geschichte über Gott und die Welt, deren Hauptfigur in einem Supermarkt arbeitet. Wie also sonst hätte ich meinen neuen Film SUPERWELT nennen sollen außer SUPERWELT?“, so die Antwort von Karl Markovics auf die Frage, wie er auf den Namen für seinen neuen Film gekommen ist.
Auf den ersten Blick führt Gabi Kovanda (Ulrike Beimpold) ein scheinbar geordnetes und gesichertes Leben. Als eine „Geschichte über das Banale und das Besondere” beschreibt Karl Markovics selbst „Superwelt“. Zwischen Einfamilienhaus und Supermarkt, Küche und einem Frauentanzabend einmal pro Woche hat sich Routine in den Alltag von Gabi eingeschlichen – unbemerkt zwar, aber stetig. Die Familie lebt eher neben- als miteinander. Gabi hat sich eigentlich mit ihrem Leben abgefunden, doch eines Tages verliert sich ihr Blick apathisch im Nichts. Was wie momentaner Wahnsinn anmutet, entpuppt sich als göttliche Eingebung. Es ist der Einbruch des Metaphysischen in den eingespielten Kosmos des Vorhersehbaren – ein Sujet, das Karl Markovics subtil und durchaus gewitzt mit biblischen Motiven in die Bildebene überträgt. Da brennt der Dornbusch, der eigentlich eine Thujenhecke ist, da avanciert ein Kaffeekränzchen in einem Bauwagen zum perspektivisch ausgeklügelten Abendmahlgleichnis. Gott ist überall. Und spricht fortan vor allem zu Gabi.
Überzeugend und beeindruckend übersetzt Ulrike Beimpold, die dafür mit dem Diagonale Preis 2015 für die Beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, diese imaginäre Beziehung in Gestik und Körperlichkeit, verwandelt ein vorgebliches Selbstgespräch durch ihr Spiel zunehmend in ein vertrautes, intimes Flüstern, münzt den anfänglichen Fluch des Stimmenmeeres in einen regelrecht physischen Befreiungsschlag aus der familiären und gesellschaftlichen Konvention um, wandelt paradoxerweise sowohl ferngesteuert als auch selbstbestimmt durch ihre irritierte Mitwelt und erduldet dabei das Stigma der „Irren“ heroisch.
Drehbuch und Regie: Karl Markovics
Kamera: Michael Bindlechner
Schnitt: Alarich Lenz
Produzent: Dieter Pochlatko
Kinostart Österreich: 20. März 2015
www.superwelt.at


Josef Hader (li.), Johannes Silberschneider
Foto: Dor Film
Das ewige Leben
Das Leben ist hart, aber unfair. Brenner (Josef Hader) kehrt nach Graz zurück, in die Stadt seiner Jugend. Dort holt ihn seine Vergangenheit ein: Als Schüler war er auf der Polizeischule und mit anderen Kameraden an einem Banküberfall beteiligt, aus dem Jugend-Streich war damals blutiger ernst geworden. Brenner hätte das alles gern verdrängt, doch als eine Kugel erst in seinem Kopf zur Ruhe kommt und er auf der Intensivstation aufwacht, ...
„Das ewige Leben“ nach der Romanvorlage von Wolf Haas, mit: Josef Hader, Simon Schwarz, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, u.a.,
Regie: Wolfgang Murnberger,
Buch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger
Kamera: Peter von Haller
Musik: Sofa Surfers
Produzenten: Danny Krausz, Kurt Stocker
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cmWAEzZFb1U#t=61
Kinostart: 5. März 2015
www.dasewigeleben.at


Sharbat Abdallah
Foto: Daniela Praher Filmproduktion
PRIVATE REVOLUTIONS - JUNG, WEIBLICH, ÄGYPTISCH
„Meine Geschwister lehnen die Revolution total ab. Wir streiten viel, weil ich auf den Tahrir-Platz gehe. Ich habe auch Probleme mit meinem Mann, weil ich an den Demonstrationen teilnehme. Er sagt: "Nimm die Kinder mit. Wenn du stirbst, sterbt ihr alle zusammen. Dann hab ich meine Ruhe", erzählt Sharbat Abdullah, eine der vier jungen Ägypterinnen, die Alexandra Schneider zwei Jahre lang begleitet und porträtiert hat. Vier sehr unterschiedliche Frauen mit verschiedenen Lebensentwürfen, Zielen und Träumen, von denen sich jede auf ihre Art für Veränderungen in ihrem Heimatland engagiert. Die dreifache Mutter Fatema ist hin und hergerissen zwischen ihrer politischer Karriere bei den Muslimbrüdern und ihren Verpflichtungen als Mutter und Ehefrau. Amani setzt sich mit einer Internetradiostation und ihrem Verlag für mehr Frauenrechte ein und stößt dabei mit ihrem unverheirateten Businessdasein ihre Umgebung vor den Kopf. Die Nubierin May beendet ihre Karriere als Bankerin und baut ein Entwicklungsprojekt im konservativen Süden Ägyptens auf und Sharbat widersetzt sich ihrem Mann und demonstriert, gemeinsam mit ihren Kindern, in den Straßen Kairos unermüdlich für den Fortgang der Revolution.
Ein spannendes Porträt mutiger Frauen, ausgezeichnet unter anderem mit dem Crossing Europe Social Awareness Award Local Artist 2014 und dem this human world Publikumspreis 2014.
Regisseurin: Alexandra Schneider
Produzentin: Daniela Praher
Kinostart: 13. Februar 2015
Trailer: http://vimeo.com/40094486
www.privaterevolutions-film.com
www.facebook.com/pages/Private-Revolutions/107771032651263


Foto: Filmladen Filmverleih
WE COME AS FRIENDS
Hubert Sauper („Darwin’s Nightmare“) entführt die Zuseher mit seinem kleinen, selbst konstruierten Zweisitzer-Flugzeug aus Blech und Leinwand an die unwahrscheinlichsten Orte und tief in die Gedanken und Träume der Menschen.
Chinesische Ölarbeiter, UN-Friedenstruppen, sudanesische Kriegsherren und amerikanischen Evangelisten verweben ironisch Gemeinsamkeiten in diesem Film. Ein komplexes, tiefgreifendes und humorvolles filmisches Unterfangen. „Zum Glück ist die Welt eine Aneinanderreihung von
Absurditäten, in so einem Wahnsinn sind die Ironie, das Paradoxe, das Enigmatische, das Phantastische und Schöne die Überlebensanker,“ so Hubert Sauper, der mit seinem Dokumentarfilm zu einer atemberaubenden Reise in das Herz Afrikas lädt, zu einer Reise durch Zeit und Raum, die aber keineswegs als „Komfortreise“ gedacht ist. „Wenn man sich durch Zeit und Raum bewegt, hat man nur wenig Zeit, sich nur bei einem Planeten oder einem Alien aufzuhalten. Das macht den Film härter. Wenn man Menschen in einem Film wieder begegnet, dann hat man ein heimeliges Gefühl. Das erzeugt für den Zuschauer einen gewissen Komfort. Wenn man Leute, an die man sich gerade ein bisschen bindet, nie mehr sieht, dann ist man auch als Zuschauer immer wieder in einem Ausnahmezustand und dieses Gefühl wollte ich herstellen. Ich will auf keinen Fall, dass sich der Zuschauer wohlfühlt.“
In jenem Moment als der Sudan, das größte Land auf dem Kontinent, in zwei Nationen geteilt wird, verfällt das Land erneut in alte Muster der "Zivilisierung" - Kolonialismus, Kampf der Herrscher, und neue blutige Kriege im Namen des Glaubens und im Namen der Territorien und Ressourcen.
„Der Sudan wurde in eine Nord- und eine Südhälfte, praktisch in eine westliche und eine chinesisch dominierte asiatische Hälfte geteilt. Eine Teilung, die sich wie ein gespielter, hundert Jahre alter Witz vor unseren Augen vollzog. Mein Wissen über die Kolonialgeschichte, das Prinzip des „Divide and rule“, die Art, wie der Schritt der Teilung als politisch notwendiger Schritt zwischen den Guten und den Bösen kommuniziert wurde, sah ich real umgesetzt. Für einen Filmemacher ein wahres Geschenk. Im Prinzip ging es nur um die Frage, wie man am besten herrschen kann. Niemand sprach davon, dass die ganze Welt aktiv daran mitarbeitete, eine neue, 2000 Kilometer lange Grenze mitten durch Afrika, mitten durch die Ölfelder zu ziehen. Jedes Kind kann den Schluss ziehen, dass das nicht lange gut gehen kann“, so Hubert Sauper, der in diesem Dokumentarfilm seine Reflexionen zum Thema Kolonialisierung weiterführt. ... „Wir, die westliche Zivilisation, agieren als Piraten, Mörder und Völkermörder und erfinden andererseits immer neue Mechanismen, um uns zu versichern, was für gute Menschen wir sind und wie sehr wir „on the good side of history“ stehen. Wir fahren nach Afrika, um die Menschen, die im Schatten leben, ans Licht zu bringen. Die Wahrnehmung davon, wo die Menschen im Licht und wo sie im Schatten leben, ist implizit in unserer kranken Weltsicht verankert.“ ...
„Auch wenn ich Filme in Afrika drehe, mache ich keine Filme über Afrika. Afrika ist eine Plattform, die es ermöglicht, über unsere Zivilisation und unsere Zeit zu reden.“
„We come as friends“ feierte seine internationale Premiere beim Sundance Film Festival  und seine Europa-Premiere bei der Berlinale 2014.
Ausgezeichnet mit dem Friedens Film Preis der Berlinale 2014, dem World Cinema Documentary Special Jury Award for Cinematic Bravery und dem Wiener Filmpreis 2014, und nominiert für den Europäischen Filmpreis.
Drehbuch und Regie: Hubert Sauper
Produzenten: Hubert Sauper, Gabriele Kranzelbinder
Sängerin: Malia
Produktion: Adelante Films (FR), Hubert Sauper, KGP - Gabriele Kranzelbinder
Verleih: Filmladen Filmverleih
Kinostart Österreich: 28. November 2014
Trailer: www.youtube.com/watch?v=y_IBLlNzw4E
www.wecomeasfriends.com


Foto: Thim Film
VALS
Das Alpendrama wirft, inmitten der Idylle des Valsertales, einen ungeschönten Blick auf Lebensverhältnisse in furchtbaren Zeiten. Zeiten von Not, Elend, Tod und wenig Glück. Eine Lebenswelt, die heute nur mehr in den mündlichen Erzählungen der Menschen existiert, wurde in opulenten Bildern visualisiert. Gedreht wurde in Vals an exponierten Stellen, auf Berggipfeln, mit den Menschen vor Ort beim Heuziehen und Viehschmuggeln, und auch am Gletscher im Hintertuxer Ferner, der die natürliche Verbindung zum Valsertal bildet.
Rosa (Gerti Drassl), eine junge selbstbewusste Frau, kann sich ein Leben außerhalb von Vals nicht vorstellen, denn hier sieht sie ihr Glück. Naturkatastrophen, Verrat und die Auswirkungen des 2. Weltkriegs stellen genau jenes Glück jedoch in Frage. Ihr Verlobter Hans (Harald Windisch) wird denunziert und muss noch am Ende des Krieges an die Front. Der Verräter Peter (Hannes Perkmann) aber bleibt. Er ist selbst in diesen Zeiten immer noch ein überzeugter Nationalsozialist. Seine Liebe zu Rosa und die Eifersucht auf den Rivalen Hans trieben ihn dazu, Hans zu denunzieren. Aber nicht nur seine Überzeugung, auch sein Wunsch nach Moderne, nach einem Zugang zur Welt außerhalb des Tales, führt zu seinem Konflikt mit Rosa und auch mit anderen Talbewohnern. Bernadette (Josefine Bloéb), die Schwester von Rosa, teilt die Überlegungen von Peter – sie liebt ihn und sieht in vielem Rosa als Rivalin. Dann ist da noch das Salige Fräulein, das im Gletscher die Geschehnisse des Tales sieht und auch beeinflusst.
Trailer: http://youtu.be/YLdwwGkk5Ig
Regie und Buch: Anita Lackenberger
Kamera: Gerhard Mader, Marco Zimprich
Produktion: Produktion West, Gerhard Mader
Premiere: 13. November im Innsbrucker Metropol Kino
Kinostart Österreich: 14. November 2014
Verleih Österreich: Thim Film
http://vals-derfilm.com
www.facebook.com/ValsFilm


Foto: Pimp the pony Productions
DESERTEUR 
Regisseurin Gabriele Neudecker arbeitete mehr als drei Jahren an Recherchen für ihren Film und für das Kunstprojekt „Mobiles Denkmal für den unbekannten Deserteur“ – das erste Denkmal für Deserteure in Österreich.
Vier junge Männer vom Land, der Bauer, der Ministrant, der Koch und der Schweinemeister, erzählen ihre persönlichen Geschichten über Widerstand, Verweigerung und Desertion aus der Wehrmacht. Im Hungerwinter 1946 arbeiten sie ihre traumatischen Erinnerungen an den Krieg und ihre gesellschaftliche Ausgrenzung als Deserteure auf. Die Protagonisten, verkörpert von Laienschauspielern, sind fiktive Figuren, basieren aber auf wahren Schicksalen und zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen.
Drehbuch und Regie: Gabriele Neudecker
Produktion: Gabriele Neudecker, Peter Neudecker
Wienpremiere: 9. November 2014, Breitenseer Lichtspiele
www.pimptheponyproductions.com
www.drehbuchwerkstatt.eu
http://de-de.facebook.com/pages/DESERTEUR/168181426603335


Foto: Stadtkino Filmverleih
AMOUR FOU
Nach der Weltpremiere in Cannes – Un Certain Regard feierte „Amour Fou“ von Jessica Hausner als Eröffnungsfilm der Viennale 2014 seine Österreich Premiere.
Sterben muss doch wohl jeder für sich allein.
„Für mich ist es paradox zu glauben, dass man „zu zweit sterben“ kann. Im Augenblick des Sterbens ist man unweigerlich allein, der Tod trennt einen auch immer von der anderen Person. Dieses Paradoxon hat mich, wie viele andere, gereizt. Dazu muss man wohl sagen: Amour Fou ist keine naturalistische Erzählung. Es geht nicht um einen konkreten „Fall“, sondern eher um eine Versuchsanordnung zur These: Liebe ist ein ambivalentes Gefühl. Im einen Moment ist man einander nahe, man ist eins mit der anderen Person, man versteht einander, und im nächsten Moment merkt man, wie missverständlich das ist,“ Jessica Hausner im Interview mit Claus Philipp zur Entstehungsgeschichte von „Amour Fou“.
Berlin, zur Zeit der Romantik. Der Dichter Heinrich hat den Wunsch, durch die Liebe den unausweichlichen Tod zu überwinden: seine ihm nahe stehende Cousine Marie lässt sich aber partout nicht davon überzeugen, zu zweit dem übermächtigen Schicksal entgegenzutreten, und gemeinsam mit Heinrich den eigenen Tod zu bestimmen. Doch die junge Ehefrau eines Bekannten, Henriette - als sie erfährt, dass sie sterbenskrank sei - findet Gefallen an dem Angebot. Eine romantische Komödie frei inspiriert durch den Suizid des Dichters Heinrich von Kleist, 1811.
Drehbuch und Regie: Jessica Hausner,
Produziert von: Coop 99 Filmproduktion, AMOUR FOU Luxembourg und Essential Films
Mit: Birte Schnöink, Christian Friedel, Stephan Grossmann, Paraschiva Dragus, Marie-Paule von Roesgen & Marc Bischoff
VerleiH: Stadtkino Filmverleih
Kinostart: 7. November 2014
Trailer: www.youtube.com/watch?v=y8F37hJIf70
www.amourfou-film.com


Foto: FreibeuterFilm
MACONDO
Macondo ist ein Teil Wiens, der nicht zu den typischen Touristen-Hotspots gehört und der auch vielen Wienern verborgen bleibt. Aber es ist ein Ort voller Geschichten: Geschichten von Menschen, die ihre Heimat aus verschiedenen Gründen verlassen mussten und in Macondo ein neues Zuhause gefunden haben. Eine davon erzählt Sudabeh Mortezai in ihrem Film - ein beeindrucktes, einfühlsames Film-Portrait eines Jungen aus Tschetschenien, der viel zu früh erwachsen werden muss.
Ramasan muss viel Verantwortung übernehmen für einen Elfjährigen. In der traditionellen tschetschenischen Gesellschaft gilt er seit dem Tod seines Vaters als Mann im Haus, der sich um seine Mutter und seine zwei jüngeren Schwestern kümmern muss.
„Macondo wurde unter anderem mit dem Thomas Pluch Spezialpreis der Diagonale Jury, dem Firebird Award (Hong Kong International Film Festival 2014), dem Best Screenplay Award + Cineuropa Award (Lecce, Festival del Cinema Europeo 2014) und dem Outstanding Directorial Achievement Award Feature (Scarborough Film Festival 2014) ausgezeichnet.
Kinostart Österreich: 14. November 2014.
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=is5PuDZ8MkY
Regie & Drehbuch: Sudabeh Mortezai
Produktion: FreibeuterFilm
http://macondo-film.com
https://www.facebook.com/MACONDOderFilm


Alechan Tagaev (Mikail),
Martina Spitzer (Andrea)
Foto: Filmladen Filmverleih
Risse im Beton
Eine Geschichte über die Brüche im familiären und sozialen Gefüge zweier Menschen aus verschiedenen Generationen, aber mit ähnlichen Träumen, gemeinsam entwickelt von Umut Dag und Petra Ladinigg, die das „Milieu der Kleinkriminalität“ in ein menschlicheres Bild rückt.
Ertan (35) kommt nach zehn Jahren frei - gebrochen und gezeichnet von der Zeit hinter Gittern. Der 15-jährige Mikail hängt mit seinen Jungs auf der Straße ab und träumt von einem Leben als Rapper. „Ich wollte hinter die Fassaden dieser Menschen, die wir aus den Medien zu kennen glauben, schauen und mich nicht mit einer oberflächlichen, klischeehaften Härte abspeisen lassen, sondern etwas erzählen, wo ich sie ein bisschen aufbrechen kann“, so Umut Dag. „Im kleinkriminellen Milieu hört man sehr viel deutsch- und englischsprachigen Rap, in dem immer wieder die Notwendigkeit nach dem Kriminellen als einzigem Ausweg aus einem hoffnungslosen Leben behauptet wird. Darin lag einer meiner Anknüpfungspunkte. Ich höre selbst Hip Hop und kenne Menschen aus meiner Schulzeit, die sehr schnell ihre Hoffnungen aufgaben, weil sie mit nicht einmal 20 weder einen Schulabschluss noch Lust auf einen solchen hatten. Es hat mich fassungslos gemacht, wie man sich selbst so aufgeben kann, so sehr an Wertvorstellungen festhalten kann und da nicht rauskommt. In diesem Milieu geht es darum, schnell an Geld zu kommen, ohne sich unterzuordnen. Unterordnung ist weder in der Schule noch in der Arbeit denkbar, deshalb sind sie alle in der Zwickmühle. Sie finden sich in einem Alltag wieder, in dem Kriminalität nicht hinterfragt wird, weil es Teil des täglichen Lebens ist.“
Regie: Umut Dag
Drehbuch: Petra Ladinigg
Kamera: Georg Geutebrueck
Mit: Murathan Muslu, Alechan Tagaev, Erdem Türkoglu, Ivan Kriznjak, Shamil Iliskhanov,...
Produktion: WEGA Filmproduktionges.m.b.H, www.wega-film.at
Verleih: Österreich: Filmladen (www.filmladen.at), World Sales: FILMS BOUTIQUE (www.filmsboutique.com)
Kinostart Österreich: 19. September 2014
Trailer: www.youtube.com/watch?v=kvcv2ayRG4U
www.facebook.com/RisseImBeton
www.risseimbeton.com/
www.cracksinconcrete.com


Foto: Navigator Film
DAS GROSSE MUSEUM
"Ein Mann fährt, verfolgt von einer wunderbar dahingleitenden Kamera, auf einem Tretroller durch die endlosen Gänge des Kunsthistorischen Museums Wien - und stoppt vor einen Kopierer. Sinnlicher kann man den Spagat zwischen Kultur und Bürokratie kaum visualisieren. Und der Film ist voll solch ironisch gebrochener Anspielungen, liebenswert gezeichneter Protagonisten, die mit Herzblut Kunstobjekte bewahren. Dem Regisseur gelingt ein informativ-witzig-intelligenter Blick hinter die Kulissen eines großen Museums, das sich im internationalen Wettbewerb behaupten muss." Jurybegründung Caligari-Preis.
Johannes Holzhausen portraitiert mit diesem Kinodokumentarfilm eines der bedeutendsten Museen der Welt: das Kunsthistorische Museum in Wien (KHM). Ohne Off-Kommentar, ohne Interviews und ohne Begleitmusik. Der Film unternimmt eine ausgedehnte Reise hinter die Kulissen dieser faszinierenden Institution und zeigt anhand des vielfältigen Museumsalltags und einer Fülle von charismatischen Protagonisten die einzigartige Welt des KHM.
Trotz moderner Methoden und durchaus im Hier und Jetzt lebenden Menschen vermittelten einige der Protagonisten den Eindruck, dass das Ende der Monarchie sie nicht erreicht habe. So als ob die Nachricht darüber an der Brandung des Museums versickert, verdunstet, verdampft ist, sie schlicht nie erreicht hat. Ein Film mit großen Momenten.
Regie: Johannes Holzhausen
Drehbuch: Johannes Holzhausen, Constantin Wulff
Kamera: Joerg Burger, Attila Boa
Schnitt: Dieter Pichler
Produktion: Navigator Filmproduktion
Kinostart Österreich: 5. September 2014
Trailer: http://vimeo.com/104375610
www.dasgrossemuseum.com


Foto: NGF
DAS KIND IN DER SCHACHTEL
Die junge österreichische Regisseurin Gloria Dürnberger wurde für ihre berührend dokumentierte Spurensuchen zu ihren biologischen Wurzeln mit dem Publikumspreis der Diagonale 2014 ausgezeichnet. Als acht Monate altes Baby kam sie zu einer Pflegefamilie, weil ihre leibliche Mutter aufgrund ihrer psychischen Erkrankung sie nicht bei sich behalten konnte. Nun gibt es eine Pflegefamilie mit liebevollen Eltern und Geschwistern – und eine leibliche Mutter, deren Rolle jetzt hinterfragt wird. „Das Kind in der Schachtel“ ist eine Momentaufnahme dieser inneren Suche und ein Einblick in eine Geschichte, die als Beispiel für viele andere Lebensgeschichten dient.
Buch & Regie: Gloria Dürnberger
Kamera: Leena Koppe
Ton: Laura Endres
Dramaturgie: Elisabeth Scharang
Produktion: NGF Nikolaus Geyrhalter Film
Mit: Gloria Dürnberger, Margarete Dürnberger
Kinostart: 9. Mai 2014
www.geyrhalterfilm.com/das_kind_in_der_schachtel
Trailer: www.youtube.com/watch?v=Qi1miv7JLas
http://kindinderschachtel.com


Büro SEMCO, São Paulo
Foto: Elisabeth Scharang KGP 2014
KICK OUT YOUR BOSS
Das Thema alternative Arbeits- und Unternehmensstrukturen des neuen Dokumentarfilms von Elisabeth Scharang ist ein großes, globales Thema, das eine weitreichende Diskussion über den Film hinaus erfordert. Die interaktive Plattform, die von der Regisseurin und dem Film-Weltvertrieb filmdelights kreiert wurde, gibt Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit ihre Gedanken und Erfahrungen zu teilen.
Die Neuorganisation von Arbeit hat bereits begonnen - Mitarbeiter-Partizipation, Gewinnbeteiligung, Abschaffung von Hierarchien sind Beispiele davon. Dieser Dokumentarfilm steigt anhand von drei Beispielen in Brasilien, Serbien und Österreich direkt in die aktuelle Diskussion ein und zeigt auf, wie solche Systeme funktionieren können. 
Der Film bietet Einblicke in die Welt des brasilianischen Visionärs Ricardo Semler und seiner Company SEMCO. Dort gibt es seit dreißig Jahren keine Privilegien für Führungskräfte; und zwar zugunsten eines guten Betriebsklimas. Semlers radikale Umsetzung einer demokratischen Firmenstruktur hat den Umsatz seines Unternehmens mit rund 3.000 Beschäftigten beständig und um ein Vielfaches gesteigert.
In Serbien haben sich die Beschäftigten der Pharmafabrik Jugoremedija zehn Jahre lang gegen die Privatisierung des Unternehmens gewehrt - mit Gerichtsprozessen und Demonstrationen. Wenn Brankas Töchter über den Hungerstreik ihrer Mutter erzählen, die in der Fabrik im Labor gearbeitet hat, schießen ihnen Tränen in die Augen. Aus Stolz über den Mut und die Entschlossenheit ihrer Mutter, für die diese Fabrik ein zweites zu Hause ist. Sie haben von ihrer Mutter gelernt, dass es sich lohnt, sich zu wehren. Die Arbeiterinnen haben den Kampf gegen den neuen Eigentümer schließlich gewonnen und ihren Streikführer zum neuen Direktor gewählt. Aber kann die selbstverwaltete Fabrik auf dem freien Markt und gegen internationale Pharmakonzerne bestehen?
In Graz stellt sich Mario Rampitsch, Grafikdesigner und Mitbegründer der Design-Agentur EN GARDE die Frage, wie aus dreißig Kreativen eine Gruppe wird, die nicht nur beruflich an einem Strang zieht. Die kleine, interdisziplinäre Kreativagentur ist innerhalb weniger Jahre zu einer erfolgreichen Marke mit großem Netzwerk angewachsen. Wie verhindert man aber, dass aus einem Kollektiv mit Nachhaltigkeitsanspruch ein zeit- und ressourcenfressendes Monster wird? Dass Spaß an der Arbeit und Idealismus nicht von finanziellen Zwängen verschluckt werden? Während einer Reise nach Brasilien gemeinsam mit dem Strategieberater, Nachhaltigkeitsforscher und En Garde-Satelliten Johannes Frühmann hinterfragt Mario Rampitsch seinen beruflichen Werdegang. Das Zusammentreffen und der Austausch mit SEMCO-CEO Ricardo Semler haben schließlich weitreichende Folgen und öffnen neue Perspektiven für Mario.
Kinostart Österreich: 9. Mai 2014
Produced by KGP
Worldsales filmdelights
www.kickoutyourboss.com
facebook.com/KICKOUTYOURBOSS


Foto: Reinhard Mayr
Der letzte Tanz
Ein sensibler junger Zivildiener fühlt sich auf besondere Art zu einer betagten Alzheimer-Patientin hingezogen, die mit ihrem Leben schon abgeschlossen hat. In einem besonderen Moment kommen die beiden einander näher. Eine Annäherung, die nicht sein darf – ein vermeintlicher Tabubruch, der in staatlich exekutierter Repression mündet. Er ist sich keiner Schuld bewusst und handelt sich eine psychiatrische Untersuchung ein. Für die Justiz wird der junge Mann zum Verbrecher, für die Gerichtspsychiatrie zum Triebtäter.
Ein Film über eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, Perspektiven zwischenmenschlicher Nähe, die auf enge Grenzen gesellschaftlicher Moralvorstellungen prallen.
Bei der Diagonale 2014 erlebte „Der letzte Tanz" seine Uraufführung und wurde als bester österreichischer Spielfilm ausgezeichnet. „Mit dem Großen Diagonale-Preis zeichnen wir einen Künstler aus, der mit großem Mut ein aktuelles Thema aufgreift“, so die Begründung der Jury.
Zudem wurde Erni Mangold für ihre Rolle in "Der letzte Tanz" mit dem Diagonale Schauspielpreis 2014 ausgezeichnet. „Erni Mangold spielt den Weg, vom Sterbebett ,noch einmal, ein letztes Mal’ zurück ins Leben zu tauchen, einmal noch die Freuden der Liebe zu erleben, als ein Erblühen der sterbenden Alten zu einem jungen Mädchen von 87 Jahren. Wie sie das macht, wie sie den jungen Mann, der ihr Urenkel sein könnte, verführt, ist unbeschreiblich, das muss man gesehen haben. Und Erni Mangold in dieser Rolle, das ist wirklich großes Kino. Was für ein Glücksfall, dass die letzte Szene im Film ein langer Tanz ist. Der letzte Tanz. Glücklich und strahlend tanzt sie dem Tod entgegen. Das ist hohe Schauspielkunst, berührende Menschlichkeit, definitiv ein starker Auftritt und eine große, vielleicht bleibende Szene der österreichischen Filmkultur.“ (Auszug aus der Jury-Begründung).
Regie: Houchang Allahyari
Darsteller: Erni Mangold, Daniel Sträßer, Marion Mitterhammer, Viktor Gernot, Janina Schauer u.a.
Kamera: Peter Roehsler
Musik: Erdem Tunakan
Autoren: Houchang Allahyari, Daniel Kundi, August Staudenmayer, Tom-Dariusch Allahyari
Produktion: Houchang Allahyari Film
Verleih: Stadtkino Filmverleih
Kinostart: 13. Juni 2014


EVERYDAY REBELLION
Das Cross-Media- und Dokumentarfilm-Projekt von Arash und Arman T. Riahi über kreative Formen des weltweiten gewaltlosen Widerstandes – „The Art of Change“ - hat vor seinem Kinostart bereits zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem den ARTE Pixel Pitch Preis für das beste Cross-Media Projekt des Jahres 2012 beim weltweit bedeutendsten Cross-Media Event Pixel Market (Power to the Pixel) in London, oder Anfang November 2013 auf der ersten B3 Biennale in der Kategorie Transmedial den BEN und kurz darauf beim CPH:DOX Copenhagen International Documentary Film Festival den Publikumspreis mit der höchsten Bewertung in der Geschichte des Festivals.
„Gehorsam? Eine Gewohnheit, die Sie ablegen können“, so Srdja Popovic, Mitbegründer und Schlüsselfigur der serbischen Widerstandsbewegung Otpor!, deren gewaltloser Widerstand Slobodan Milosovic im Jahr 2000 zum Rücktritt veranlasste. Neben Popovic geben zahlreiche internationale Aktivisten wie die US-amerikanischen Yes Men oder die ukrainische Femen Bewegung Tipps zum gewaltenfreien Widerstand.
EVERYDAY REBELLION, eine Hommage an die Kraft und die Macht, die zivilem Ungehorsam und den kreativen, gewaltlosen Protestformen weltweit innewohnt, dokumentiert und analysiert Aktionen und Strukturen von erfolgreichen Protestbewegungen.
Was haben „Occupy”, die spanischen „Indignados” und der „Arabische Frühling” gemeinsam? Was verbindet die Demokratiebewegung im Iran mit dem Kampf in Syrien? Wo sind die Berührungspunkte zwischen den ukrainischen Oben-ohne-Aktivistinnen von „Femen” und den oppositionellen Protesten in Ägypten? Die Gründe für den Protest sind in jedem Land ganz unterschiedlich, aber die kreativen gewaltfreien Taktiken sind sehr ähnlich und inspirieren sich gegenseitig auf überraschende Weise.
Das Projekt besteht aus einem Kino- & TV-Dokumentarfilm über die Geschichten kreativer AktivistInnen rund um den Globus, interaktiven Tools wie eine Smartphone-App, die AktivistInnen im gewaltlosen Einsatz unterstützt und zugleich auch auf spielerische Art den kreativen, gewaltlosen Widerstand vermitteln soll und einer crossmedialen Internetplattform. www.everydayrebellion.com soll als permanent wachsende Inspirationsquelle Aktivisten und Unterstützer informieren, miteinander vernetzen, über aktuelle Geschehnisse berichten und kreative Methoden gewaltfreien Widerstands vorstellen.
Kinostart in Österreich: 21. März 2014
Trailer: https://vimeo.com/59188605
Webserie Creative Resistance:
http://creative.arte.tv/fr/space/Creative_Resistance/messages
Webserie Generation Revolution:
http://monde-arabe.arte.tv/de/generation-révolution-porträts-von-everyday-rebellion
www.facebook.com/everydayrebellion
www.everydayrebellion.com


Foto: Filmladen Filmverleih
D.U.D.A! Werner Pirchner – der Film
In Anlehnung an den legendären Werner Pirchner/ Christian Berger Film "Der Untergang des Alpenlandes" entstand der Titel dieser Hommage an den Tiroler Tonkünstler Werner Pirchner (1940 - 2001) und seine alpenländische Heimat.
Auf seiner Spurensuche nach dem Phänomen Werner Pirchner traf der Berliner Regisseur Malte Ludin auf prominente Wegbegleiter des legendären Musikers und Komponisten. Unter anderem berichten Josef Hader, Erwin Steinhauer oder Felix Mitterer von Ihren Erlebnissen mit Werner Pirchner. Seine Kreativität, sein Humor und auch sein Perfektionismus haben ihn im Laufe der Jahre mit vielen illustren Köpfen zusammen gebracht.
Auf Ö1 ist sein Signation-Konzept noch täglich zu hören. Die Geschichte von Zustimmung und Ablehnung des Konzeptmenschen Werner Pirchner ist eine Europäische Nachkriegsgeschichte, die vom Tiroler Alpendorf ausgehend über das Jazzfestival Montreux und – wenn man will – auch wieder zurückführt.
Mit: Georg Breinschmid, Josef Hader, André Heller, Felix Mitterer, Tobias Moretti, Christian Muthspiel, Erwin Steinhauer uvm.
Produktion: Wildruf Film, Volders/Tirol (www.wildruf.com)
Verleih: Filmladen Wien
Welturaufführung im Rahmen der Diagonale 2014 am 21. März.
Kinostart: 28. März 2014
www.duda-derfilm.at


Foto: Sigma Film
Der Stille Berg
Der junge Tiroler Anderl trifft im Mai 1915 bei der Hochzeit seiner Schwester die hübsche, rebellische Italienerin Francesca. Zwischen beiden entflammt eine Liebe auf den ersten Blick. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht. Die plötzliche Nachricht, dass Italien Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hat, zerschlägt die lustige Hochzeitsgesellschaft. Was eben noch eine hoffnungsfrohe europäische Gemeinschaft war, wird von einem Moment auf den anderen in Nationalitäten zerrissen und der schicksalshafte Patriotismus alter Schule erweist sich als bestimmender als die eben erst geknüpften familiären Bande.
Anderl muss schon am nächsten Tag an die österreichische Seite der Dolomitenfront - sein neuer Schwager Angelo an die italienische. Francesca bleibt, zunächst versteckt, als Krankenpflegerin im Dorf zurück.
Der Erste Weltkrieg rast wie ein Sturm durch die spektakuläre Berglandschaft. Doch auch im Granatenhagel und umgeben von fanatischen Offizieren bewahrt Anderl die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft vereint mit seiner Geliebten. Mitten im Wahnsinn des Krieges kämpft er seinen eigenen Kampf um das Leben und die Liebe seiner Francesca.
Regie: Ernst Gossner
Drehbuch: Clemens Aufderklamm
Produktion: Sigma Film
Kinostart Österreich und Südtirol: 14. März 2014
www.derstilleberg.com


Gas-Solar-Kombinationskraftwerk,
Kuraymat, Ägypten
Foto: Thimfilm
MACHT ENERGIE
Ihre Reise durch den Energiewahnsinn führt Hubert Canaval und Corinna Milborn auf Atom-Müllhalden, zu den Ölbohrungen in die Arktis und zu überfluteten Dörfern – aber auch zu Rebellen, die gegen die Macht der Konzerne ankämpfen und die Energie-Erzeugung selbst in die Hand genommen haben.
Wir sind an einem Scheidepunkt angelangt. „Weiter wie bisher“ ist keine Option. Doch wie können wir unseren Energiebedarf decken, ohne uns dabei selbst zu ruinieren? Gibt es sauberen Strom und effiziente Technik – und wenn ja, warum verwenden wir sie dann nicht?
Hubert Canaval und Corinna Milborn fragen nach: „Macht Energie“ lässt Pioniere und Kritiker, Rebellen und Profiteure zu Wort kommen.
Aus dem Blickwinkel von Anrainern, Pionieren und Kritikern erzählt, zeigt der Film die hartnäckigen Versuche, der Erde die letzten Öl-, Kohle- und Gasreserven zu entlocken und die Risiken der Atomenergie zu verschleiern. Er lenkt den Blick auf die Auswirkungen von gigantischen Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerksprojekten, die den Mythos der erneuerbaren Energien entzaubern – und zeigt Lösungen auf. Es geht augenscheinlich nicht darum, den Bedarf der Menschen an Energie zu decken, sondern darum, das Bedürfnis der Energiekonzerne nach Gewinn zu befriedigen. Und was das betrifft, scheinen viele der großen Konzerne keine Skrupel zu kennen.
Trotzdem, es herrscht nicht überall Trostlosigkeit. Immer mehr Menschen widersetzen sich den Konzerninteressen und nehmen die Energieerzeugung selbst in die Hand.
Regie: Hubert Canaval
Drehbuch: Corinna Milborn, Hubert Canaval
Kamera: Dani Purer, aac, Magdalena Lauritsch
Schnitt: Paul-Michael Sedlacek
Produktion: Allegro Film
Verleih: Thimfilm
Kinostart Österreich: 7. März 2014
Trailer: http://youtu.be/BKAhIJCD07M
www.allegrofilm.at/filme/macht-energie


Foto: Golden Girls Film
TOMORROW YOU WILL LEAVE
"Die Geschichte meines vietnamesischen Vaters, der mit seiner Familie als Flüchtling in ein österreichisches Dorf kam. Nun kehrt er in das Flüchtlingslager in Malaysia zurück, um den Mann zu finden, der ihm einst geholfen hat", Martin Nguyen.
Furth an der Triesting ist eine beschauliche niederösterreichische Gemeinde mit 795 Einwohnern. Dorthin verschlug es die Eltern des österreichisch-vietnamesischen Filmemachers vor 30 Jahren, nach seiner Flucht aus Vietnam über Malaysia. Die Dokumentation folgt dem Vater des Regisseurs, Quang Nguyen, der als vietnamesischer Flüchtling mit seiner Familie dieses Dorf kam. Die entbehrungsreichen Anfänge des Fremdseins waren nicht leicht, doch der Blick wird auf die Gegenwart der Familie gerichtet.
Während der Vater in der Landwirtschaft arbeitet, pendelt die in der Wiener Schmuckindustrie arbeitende Mutter nur noch am Wochenende nach Hause zu ihrer Familie. Ein hartes Leben, das dennoch von Glück und Zufällen geprägt ist. Einer dieser Zufälle war die Begegnung mit Ali, einem Soldaten im Flüchtlingslager in Malaysia, der Quang einst auf der Flucht geholfen hatte. Über 30 Jahre lang gab es keinen Kontakt. Nun bricht Quang mit seiner Ehefrau und seinem Sohn, der inzwischen selbst Vater geworden ist, nach Malaysia auf, um den ehemaligen Helfer zu suchen.
Verleih: Stadtkino Wien
Regie: Martin Nguyen
Produktion: Golden Girls Film
Kinostart: 28. Februar 2014
www.tomorrowyouwillleave.com


Wolfgang Böck, Michael Ostrowski,
Bettina Redlich
Foto: Thimfilm
Bad Fucking
Harald Sicheritz, Regisseur einiger der größten Kinohits Österreichs („Muttertag“, „Hinterholz 8“, „Poppitz“) und einer Reihe der quotenstärksten Tatort-Folgen verfilmte die gleichnamige Provinz-Polit-Komödie des Autors Kurt Palm, der damit 2010 auf den Bestsellerlisten landete und 2011 mit dem Friedrich Glauser Preis ausgezeichnet wurde.
„Bad Fucking“ malt aus der Sicht der Foto- und Souvenirgeschäft-Besitzerin Veronika ein satirisches Sittengemälde, erzählt die tragikomische Geschichte der Bewohner von Bad Fucking, einem typisch österreichischen Dorf. Gelüste, Nöte und auch Morde und sonstige Missetaten prägen das Dorfleben.
Gedreht wurde von 7. Juni bis 15. Juli in der Umgebung von Bad Ischl in Oberösterreich und in den Rosenhügel Studios in Wien.
Am 9. Oktober 2013 wurde Harald Sicheritz das Goldene Verdienstzeichens des Landes Wien verliehen. Nach seinen Dankesworten forderte Sicheritz die Gäste auf, sich „Bad Fucking“ anzusehen: „Sie werden dann mich und das Land besser verstehen.“
Drehbuch und Regie: Harald Sicheritz
Kamera: Helmut Pirnat
Produzenten: Kurt Mrkwicka, Andreas Kamm, Oliver Auspitz
Produktion: MR Film
Musik: Lothar Scherpe
Verleih: www.thimfilm.at
Cast: Adele Neuhauser, Wolfgang Böck, Michael Ostrowski, Johannes Silberschneider, Martina Ebm, Gerhard Liebmann, Thomas Stipsits, Proschat Madani, Thomas Mraz, Bettina Redlich, Walter Kordesch, Natascha Berg u.a.
Kinostart: 20. Dezember 2013
www.badfucking.at, www.sicheritz.com


Foto: coop99/SpielmannFilm
Oktober November
Ein ehemaliger Gasthof, einst ein stattlicher Betrieb, in einem Dorf in den österreichischen Alpen ist das Elternhaus der beiden Schwestern Sonja (Nora von Waldstätten) und Verena (Ursula Strauss).
Sonja, die jüngere, lebt in Berlin. Sie ist mit Anfang dreißig  schon eine sehr erfolgreiche Schauspielerin. Nach außen hin immer strahlend,  immer gut gelaunt, immer zufrieden. Aber damit hält sie auch zu den Menschen Distanz, wie um sich zu schützen.
Ihre ältere Schwester Verena hat das Dorf nicht verlassen. Nach dem Unfalltod der Mutter lebt sie mit Mann und Kind in ihrem Elternhaus. Auch Verena fehlt etwas in ihrem Leben, das sie mit einer heimlichen Liebesaffäre mit dem Arzt zu kompensieren versucht.
Der Vater (Peter Simonischek), ein alt und mürrisch gewordener Patriarch, lebt auch noch in dem Haus. Es ist Herbst, ein schöner Oktober. Ein schwerer Herzinfarkt bringt den Vater in Todesnähe. Er überlebt, doch ab nun ist er ein kranker Mann.
Das bringt Sonja wieder zu ihrer Familie und an den Ort ihrer Kindheit.
Das Wiedersehen bringt langsam und unerbittlich alte Konflikte zwischen den so unterschiedlichen Schwestern ans Licht.
Der neue Spielfilm von Götz Spielmanns wurde am 8. September in Toronto vorgestellt und feiert seine Österreich-Premiere im Rahmen der Viennale.
Drehbuch und Regie: Götz Spielmann
Kamera: Martin Gschlacht
Montage: Karina Ressler
Produktion: coop99 filmproduktion, SpielmannFilm
Kinostart Österreich: 8. November
Trailer: www.oktober-november.at/trailer


Foto: KGP
Shirley-Visions of Reality
Seine Filmarbeiten zur Phänomenologie des Mediums Film wie „Taschenkino“, die „Film ist.“-Trilogie, „Welt Spiegel Kino“ oder die gemeinsam mit Hanna Schimek realisierte Installation „Licht/Bild/Illusion – atlas“ wurden weltweit auf Festivals und in Ausstellungen gezeigt und vielfach ausgezeichnet. Für seinen ersten Spielfilm „Visions of Reality“ hat Gustav Deutsch dreizehn Gemälde von Edward Hopper zum Leben erweckt.
Hoppers Bilder entstanden in der Blütezeit des klassischen amerikanischen Erzählkinos, das von Regisseuren wie John Ford, Howard Hawks, Alfred Hitchcock, Anthony Mann, Nicholas Ray oder Frank Capra geprägt wurde. Sie zeigen anonyme Schauplätze des Alltaglebens - Hotelzimmer, Bars, Büroräume, Cafés oder Eisenbahnwagons, in denen Menschen oder Paare scheinbar in Erwartung eines Geschehens verharren. Zahlreiche Filmregisseure ließen sich von seinen Bildern inspirieren. Alfred Hitchcock ließ das Gebäude aus Hoppers Bild „House by the Railroad“ für „Psycho“ nachbauen. Und Wim Wenders stellte das Szenario von „Nighthawks“ in seinem Film „The End of the Violence“ nach.
Auch Gustav Deutsch hat sich von Hoppers Werk inspirieren lassen, um ein Stück US-amerikanischer Zeitgeschichte aus den Augen der Schauspielerin Shirley zu erzählen.
Shirley ist eine Frau, die die Wirklichkeit um sich herum nicht als Gegebenheit ansieht, sondern als gemacht und veränderbar und die in den entscheidenden Momenten ihren Überzeugungen treu bleibt. Eine Frau, die als Schauspielerin mit der Inszenierung von Realität vertraut ist, sie hinterfragen und selbst gestalten kann, eine Schauspielerin, die nicht in der Einzelkarriere und als Star ihre Zukunft und Bestimmung sieht, sondern als Mitglied eines Kollektivs gesellschaftliche Wirksamkeit des Theaters anstrebt. Eine Frau, die auf politische Repression mit Wut aber nicht mit Verzweiflung reagiert und die für Verrat nur Verachtung übrig hat. Shirley, das ist die Geschichte einer attraktiven, charismatischen, engagierten, emanzipierten Frau. Das Amerika der Depressionsjahre, der Kriegsjahre, der McCarthy Ära, der Rassenkonflikte und Bürgerrechtsbewegungen sind die Schauplätze der filmischen Auseinandersetzung.
„Wesentlich ist, dass ich nicht vordergründig die Lebensgeschichte einer Frau erzählen möchte, sondern versuche, über ihre Gedanken, ihr Spiel, ihre choreografierten Bewegungen ein Stück Zeitgeschichte spürbar zu machen, das sie widerspiegelt.“, so Gustav Deutsch.
Eine Woche lang hat die atmosphärische Rekonstruktion jedes einzelnen Bildes beansprucht. Vor allem die farbliche Ausgestaltung der Wände, Decken und Böden waren von besonderer Wichtigkeit. Gemalte Tableaus stellen die Ausblicke aus den Räumen auf die Außenwelt dar. Malerei und Film gehen so einen unmittelbaren Dialog miteinander ein, der auch den Bildern Hoppers inhärent ist.
Die Malerei und das farbliche Gesamtkonzept lagen in den Händen der Malerin und Fotografin Hanna Schimek.
Eine große künstlerische Herausforderung stellte die Positionierung der Kameras und die Gestaltung der Lichtquellen für Kameramann Jerzy Palacz dar: „Wir haben pro Bild  einen ganzen Tag benötigt, um die Kamerapositionen festzulegen und das Licht zu setzen. Die Schwierigkeit lag darin, dass weder Licht noch Schatten in den Gemälden von Hopper der Realität entsprechen.“
Besetzung:
Stephanie Cumming, Tänzerin und Choreographin (Goldener Löwen für die beste Performance bei der Biennale di Venezia 2007 mit der Gruppe Liquid Loft) verkörpert Shirley.
Christoph Bach („Mein Mörder“, „Dutschke“) spielt ihren Lebenspartner.
Florentin Groll, Elfriede Irrall, Tom Hanslmaier, Rudy Ruggiero, Yarina Gurtner Vargas.
Regie, Buch, Schnitt: Gustav Deutsch
Kamera: Jerzy Palacz
Musik: Christian Fennesz, David Sylvian
Ton: Christoph Amann
Produzentin: Gabriele Kranzelbinder – KGP
Verleih: Stadtkino
Kinostart Österreich: 7. November 2013
www.gustavdeutsch.net
www.kgp.co.at


Foto: Thimfilm
Population Boom
Wer von uns ist zu viel? Das ist eine der Fragen, die Werner Boote in seinem neuen Dokumentarfilm aufwirft.
Ein bekanntes Horrorszenario: Sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Schwindende Ressourcen, giftige Müllberge, Hunger und Klimawandel – eine Folge der Überbevölkerung? Wer behauptet eigentlich, dass die Welt übervölkert ist?
Nach dem großen Kinoerfolg von „Plastic Planet“ bereist Werner Boote fünf Kontinente und untersucht ein jahrzehntelang festgefahrenes Weltbild. Für ihn stellt sich eine völlig andere Frage: Wer oder was treibt dieses Katastrophenszenario an?
Regie: Werner Boote
Kamera: Dominik Spritzendorfer
Schnitt: Emily Artmann
Verleih: Thimfilm
Kinostart Österreich: 20. September 2013
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=vjrjuI-biC4
http://population-boom.at
www.wernerboote.com


Foto: Filmladen Filmverleih
Das Venedig Prinzip
Ausverkauf: 20 Millionen Fremde besuchten Venedig im letzten Jahr, das sind durchschnittlich 60.000 am Tag, und in diesem Jahr werden es wieder mehr sein.
Ihnen stehen inzwischen noch 58.000 Einwohner entgegen, so viele wie zuletzt nach der großen Pest von 1438. Und nächstes Jahr werden es wieder weniger sein.
Denn die Stadt wird unbewohnbar. Das urbane Eigenleben Venedigs ist beinahe zusammengebrochen, es existiert kaum noch.
Der mehrfach prämierte Dokumentarfilm zeigt, was vom venezianischen Leben übrig geblieben ist: eine Subkultur touristischer Dienstleister; ein Hafen für monströse Kreuzfahrtschiffe, der auf seine Erweiterung wartet; Venezianer, die auf das Festland ziehen, weil es keine bezahlbaren Wohnungen mehr gibt; eine alte Adelige, die die Stadtverwaltung mit Hohn überzieht; ein Immobilienmakler, der darüber nachdenkt, das sinkende Schiff zu verlassen.
Ein Lehrstück darüber, wie öffentliches Gut zur Beute einiger Weniger wird. Seit 23. Juni 2013 auch auf DVD erhältlich.
Regie: Andreas Pichler
Kinostart Österreich: 12. Juli 2013
Produktion: Filmtank (D, www.filmtank.de) in Koproduktion mit Golden Girls Filmproduktion (A, www.goldengirls.at) und Miramonte Film (I, www.miramontefilm.com)
Trailer: http://vimeo.com/52530821
www.venedigprinzip.de, www.venicesyndrome.com


Foto: StadtkinoVerleih
South Of Pico
Der Film des Tirolers Ernst Gossner feierte seine Weltpremiere beim American Black Film Festival in Los Angeles und wurde bei diesem Festival, das eigentlich den Zweck verfolgt „Black Talent“ zu fördern, mit dem Grand Jury Preis für den Besten Film und dem Spezialpreis für  “Originalität, Innovation und Vision“ ausgezeichnet. Henry Simmons wurde zudem für seine Rolle des Krebsspezialisten Dr. Chambers als Bester Schauspieler ausgezeichnet.
Ein verheerender Autounfall zwingt vier Fremde zur Entscheidung ihres Lebens. Auf dem Pico Boulevard, jener Schneise durch Los Angeles, die Reich und Arm trennt, kommt das Leben dieser vier Menschen zu einem abrupten Halt.
Mit dabei sind Christina Hendricks („Mad Men“), Kip Pardue („Rules of Attraction“), Henry Simmons („NYPD Blue“) und Gina Torres (“24”).
Dieser preisgekrönte Film zwingt den Zuschauer zur Frage: "Was würde ich tun, wenn mir das passiert?" Die Antwort könnte erschreckend sein.
Produktion: Vent Production Inc.
Kinostart: 19. April 2013
www.southofpico.com


Foto: StadtkinoVerleih
Meine keine Familie
Gemeinschaftseigentum, freie Sexualität, Auflösung der Kleinfamilie, - das waren die Grundprinzipien des Friedrichshofs, der größten Kommune in Europa, die vom Wiener Aktionisten Otto Mühl Anfang der 70er Jahre gegründet wurde.
Der Regisseur Paul-Julien Robert, der in diese Kommune hineingeboren wurde, begibt sich in „Meine keine Familie“ auf eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit. Ausgehend von Archivmaterial, das im Film erstmalig öffentlich gezeigt wird, konfrontiert der Regisseur sich selbst und seine Mutter mit der Frage: Was ist Familie?
Im Jahr 1970 gründete Otto Muehl in seiner Wiener Wohnung eine Kommune, die durch ihre Radikalität über die Kunstszene hinaus Bekanntheit  erlangte. 1972 erwarben die Kommunarden das letzte bewohnbare Haus eines verlassenen Gutshofes auf der Parndorfer Heide – den Friedrichshof. Dieser wurde innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten zum Zentrum eines internationalen Netzwerkes von über 20 Stadtgruppen ausgebaut. In den assoziierten Kommunen praktizierten zeitweise über 600 Menschen in halb Europa ein radikalutopisches Leben nach den Prinzipen: „Selbstdarstellung, gemeinsames Eigentum, freie Sexualität ohne feste Paarbeziehungen, gemeinsame Arbeit und Produktion, kollektives Kinderaufwachsen und direkte Demokratie“.
Nach der Einleitung von gerichtlichen Voruntersuchungen gegen Muehl und zunehmender Unzufriedenheit vieler Kommunenmitglieder wurde Ende der Achtzigerjahre der gesamte Besitz in eine Genossenschaft eingebracht und 1990 löste sich das gemeinschaftliche Lebensexperiment auf. Otto Muehl wurde im Herbst 1991 wegen Unzucht mit Unmündigen verurteilt.
www.sammlungfriedrichshof.at/de/archiv-friedrichshof/)  
Den heute in der Genossenschaft organisierten, ehemaligen Kommunarden ist es ein wichtiges Anliegen, die Entwicklung innerhalb der Kommune differenziert aufzuarbeiten.
Für „Meine keine Familie“ haben sie daher das seit 20 Jahren gesperrte Archivmaterial erstmals zur Verwendung in einem Film freigegeben.
Die Welturaufführung des Dokumentarfilms von Paul-Julien Robert fand bei der Viennale 2012 statt.
Buch und Regie: Paul-Julien  Robert
Kamera: Klemens Hufnagl, Fritz Ofner
Schnitt: Oliver Neumann
Musik: Walter Cikan, Marnix Veenenbos
Ton: Oliver Neumann, Sebastian Meise, Till Röllinghoff, Stefan Rosensprung
Produktion: FreibeuterFilm
Verleih: StadtkinoVerleih
Kinostart: 19. April 2013
www.facebook.com/MeineKeineFamilie


Foto: StadtkinoVerleih
Deine Schönheit ist nichts wert
Der 12-jährige Veysel, halb Kurde, halb Türke, ist mit seiner Familie aus der Türkei nach Österreich geflüchtet und lebt erst seit wenigen Monaten in Wien. Mangelnde Sprachkenntnisse machen ihn zum Außenseiter und Problemschüler. Zuhause lehnt sich sein älterer Bruder Mazlum gegen den Vater auf, der als kurdischer Freiheitskämpfer Jahre in den türkischen Bergen verbracht hat und somit aus Mazlums Sicht die Familie im Stich gelassen hat. Als der Konflikt zwischen Vater und Sohn in einer körperlichen Auseinandersetzung gipfelt, läuft Mazlum von zu Hause weg, was zum Streit zwischen Mutter und Vater führt. All diese Probleme und Konflikte drohen Veysel zu erdrücken, wären da nicht seine hoffnungsvollen Tagträume, in denen er zu seiner Ana flüchtet. Ana ist ein Mädchen aus seiner Klasse, in das er unendlich verliebt ist, die jedoch in der Realität nicht einmal von seiner Liebe weiß.
Als Veysel ein Gedicht in deutscher Sprache vor der Klasse vortragen muss, entschließt er sich dazu, seinen Nachbarn Cem um Hilfe zu bitten. Der türkische Macho mit Liebeskummer soll Veysel dabei helfen, sein Lieblingsgedicht "Deine Schönheit ist nichts wert" von Asik Veysel ins Deutsche zu übersetzen. Cem ist erst abweisend, dann aber so erstaunt darüber, dass ein 12-jähriger sich für die Musik und Texte von Asik Veysel, den berühmtesten türkischen Dichter und Sänger des 20. Jahrhunderts, interessiert, dass er sich dazu überreden lässt. Veysel gibt sich große Mühe, das Gedicht auf Deutsch auswendig zu lernen, um so vor der ganzen Klasse auf Ana Eindruck machen zu können. Als jedoch unerwartet die Polizei mit einer Hiobsbotschaft seinen großen Bruder betreffend vor der Türe steht und der Familie sogar die Abschiebung droht, scheint Veysels Traum von seiner Liebe zu Ana zu zerbrechen und der existentielle Kampf in der neuen und fremden Heimat beginnt.
Drehbuch und Regie: Hüseyin Tabak
Kamera: Lukas Gnaiger
Schnitt: Christoph Loidl
Kostüme: Christine Brunner
Musik: Judit Varga
Producer: Danny Krausz, Kurt Stocker, Milan Dor, Hüseyin Tabak
Produktion: Dor Film
Kinostart: 12. April 2013
www.deine-schoenheit-ist-nichts-wert.at


Foto: Ulrich Seidl Filmproduktion
PARADIES: Hoffnung
Im dritten Teil der Paradies-Trilogie befasst sich Ulrich Seidl mit dem aktuellen Schönheitswahn. Ein junges, übergewichtiges Mädchen, die 13-jährige Melanie, besucht ein Diätcamp im Wechselgebirge, wo sie sich in den leitenden Arzt verliebt. Ulrich Seidl auf die Frage, wie man mit Blick auf junge Mädchen in einem Diätcamp den Begriff Paradies lesen könnte: „Nicht der Ort der Handlung ist als Paradies zu verstehen, sondern - wie auch bei den anderen zwei Geschichten (Filmen) - die  Sehnsucht danach. Der Film beschreibt die Träume und Wünsche von pubertierenden Mädchen, was die Liebe, das Leben und ihre Vorstellungen von Sexualität anbelangt. Verunsichert durch ihr Übergewicht, glaubt Melanie, die Hauptdarstellerin des Films, dass ihr körperliches Aussehen der Grund des Scheiterns ihrer ersten, großen Liebe zu einem Mann ist.
Zwischen Sporterziehung und Ernährungsberatung, Polsterschlachten und ersten Zigaretten verliebt sich Melanie in einen um 40 Jahre älteren Arzt, den Leiter des Camps. Sie liebt ihn mit der Ausschließlichkeit der ersten Liebe und will ihn in aller Unschuld verführen. Aber der Doktor kämpft gegen die Schuld dieser Liebe an, wissend um ihre Unmöglichkeit. Doch Melanie hat sich ihr Paradies anders vorgestellt.
Seidl zum Thema Schönheitsideale: „Körperlichkeit spielt bei meinen Filmen immer eine große Rolle. Ich liebe es, hautnahe Bilder zu machen; Menschen in ihrer Physis ungeschminkt zu zeigen. Gerade darin, in dem Ungeschönten liegt für mich so etwas wie Schönheit. Es geht mir da auch um die Perversität von gesellschaftlichen Zwängen. Was tun Frauen und auch Männer – bzw. was tun sie sich alles an – um mit ihren Körpern gesellschaftlich verordneten Normen zu entsprechen.“
Darsteller: Melanie Lenz, Verena Lehbauer, Joseph Lorenz, Michael Thomas, Vivian Bartsch
Drehbuch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera: Wolfgang Thaler aac, Ed Lachman asc
Verleih: StadtkinoFilmverleih
www.paradies-trilogie.at
Kinostart Österreich: 15. März 2013


Foto: Golden Girls Filmproduktion
Nerven Bruch Zusammen
„Ich bin nach zehn Jahren in das Übergangswohnheim für obdachlose Frauen zurückgekehrt, in dem ich Zivildienst geleistet habe. Das Material, das ich damals dort gedreht habe, bildete die Basis für den neuen Film“, so Arash T. Riahi über die Entstehungsgeschichte seiner Langzeitdokumentation über die Annäherung an Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben. „Ich bin auf andere Frauen und auf andere Schicksale getroffen und habe sie in einem Zyklus von mehreren Monaten begleitet.“
Arash T. Riahi nimmt Teil am Alltag dieser Frauen und vermittelt so ein Gefühl für ihr Leben abseits unserer Erfolgsgesellschaft. Was sie verbindet, ist das Ausgesperrtsein von dem, was sie einst ihr „daheim“ nannten. In der zufälligen Zweckgemeinschaft erfahren sie manchen Rückschlag, aber vor allem Solidarität und Unterstützung. Nach und nach öffneten sich die Frauen und erzählten dem Regisseur aus ihrem Leben. Immer öfter forderten sie ihn auf, ihre Notlage filmisch festzuhalten, um eine Öffentlichkeit zu erhalten. Immer bewusster nutzten sie das Gedächtnis der Kamera und begriffen den Film als ihr Sprachrohr in eine Gesellschaft, von der sie sich vergessen glaubten.
Buch und Regie: Arash T. Riahi
Kamera: Arash T. Riahi, Dominik Spritzendorfer, Mario Minichmayr
Verleih: StadtkinoFilmverleih
www.goldengirls.at, http://nervenbruchzusammen.com
Kinostart: 1. März 2013


Foto: dok.it
1+1=100
oder die Schule des Lebens
Stell dir vor, du gehst zur Schule, und es macht Spaß! Leon hält es in der Volksschule nicht mehr aus und beschließt, an eine Klasse in der Peripherie Wiens zu wechseln. Dort fühlt er sich wie ein neuer Mensch: Er wird respektiert, darf spielerisch seinen Träumen nachgehen und leben lernen. Seit Jahren wird dieser Schulversuch einer Mehrstufenintegrationsklasse von engagierten Lehrerinnen geführt, die aus diversen Lehrmethoden ihren ganz eigenen Stil kreiert haben. Was von allen Seiten, ja sogar schon von der Wirtschaft gefordert wird, ist hier längst Realität: Kinder erleben Schule lustvoll und wachsen zu selbstbestimmten und kreativen Menschen heran.
Hier erleben wir Kinder in all ihrer Weisheit, feurig diskutierend, auf Sesseln turnend und am Boden lümmelnd. Ihr Schulalltag ist anders, als die meisten von uns ihn aus ihrer eigenen Kindheit kennen: ohne Angst vor Noten und ohne Zeitstress haben sie genug Muße, Dinge für sich zu entdecken und lieben zu lernen. Buchstäblich mit Haut und Haar werden abstrakte Lehrinhalte spielerisch be-griffen und verinnerlicht: Die Kinder backen das „B“ aus Teig, bauen die Stadt Wien als Miniatur oder zählen akribisch ein Kilo Reiskörner. Beschämt stellen wir fest, dass Kinder voneinander lernen: Ältere helfen Jüngeren, während Kinder mit besonderen Bedürfnissen ganz natürlich in der Gemeinschaft agieren und respektiert werden. – Eine Schulklasse als Beispiel für die Welt.
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt und Vertrieb: Doris Kittler
Musik: Otto Lechner
Tonmischung: Walther Soyka
Produktion: dok.it
Kinostart: 20. April
www.dokit.at


Foto: FortunaMedia
Indian Dreams
Die erstaunliche Reise des Bhupinder Chauhan
Eine Zugfahrt vom Norden in den Süden, jenseits bizarrer Klischees, wird zu einer Reise durch die indische Gesellschaft. Walter Größbauer begleitet den jungen Inder Bhupinder Chauhan auf seinem langen Weg von Delhi in den Süden. Seit seiner Kindheit träumt er vom Meer, von den Wellen und der Brandung. Wenn Bhupinder sein Ziel erreichen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich ganz den Strömungen seiner Reise hinzugeben. Neugierig und am Leben anderer interessiert, lernt er Menschen kennen und erfährt etwas über ihr Schicksal. Aus diesen Begegnungen ergeben sich Einblicke und Erkenntnisse, die ein realistisches Bild Indiens zeigen -  gezeichnet von Liebe, Tod und Hoffnung.
Regie: Walter Größbauer, Claudia Pöchlauer
Musik: Karl Ritter
Kinostart: 25. Jänner 2013
Trailer: http://vimeo.com/48532276
www.fortuna-media.com


Fotos: Thimfilm
What Happiness Is
„Was brauchen Sie persönlich, um richtig glücklich zu sein?“, beginnt der Glück-Forscher seinen Katalog. „Ich gebe Ihnen Beispiele, was mich glücklich machen würde: Vielleicht ist das für Sie anders, aber ich wäre glücklich, wenn ich ein Flugzeug hätte. Oder wenn es keinen Streit, nur Frieden gäbe. Was brauchen Sie für Ihr Glück?“
Ziel dieser Befragungen ist es, herauszufinden, wie es um das Glück der Bhutanerinnen und Bhutaner bestellt ist. Schlagwort „Brutto-Nationalglück“. Das Land ist arm, der größte Exportschlager Bhutans, durch den es weltweite Aufmerksamkeit erlangt hat, ist das „vermutlich größte Sozialforschungsprojekt der Welt“, wie einer der Beamten sagt: das Konzept des Brutto-Nationalglücks. Diesem Konzept liegt die Philosophie des Buddhismus zugrunde. Alle Säulen eines Daches – das Dach steht für das Leben – müssen gleich hoch sein. Sind sie es nicht, fällt alles in sich zusammen. Wohlbefinden und Glück wachsen auf einem feinen Geflecht aus materiellen und immateriellen Werten. Auf einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit.
Dafür werden im ganzen Land die Lebensverhältnisse und Stimmungslagen erforscht. Die Erkenntnisse dieser Befragung sollen die nächsten Entwicklungen des Landes bestimmen. Der Fragebogen sieht 249 Fragen vor, dazu Detailfragen. „In Summe dürften es an die 1.000 Fragen sein“, sagt der Glücksermittler. Fragen, die sich um Wünsche, um Sehnsüchte, um Infrastruktur, Spiritualität und Psychologie, um das Leben, das Privatleben der Menschen drehen.
Jede Befragung nimmt drei Stunden in Anspruch. 7.000 Fragebogen sind im Umlauf, werden mit zufällig ausgewählten EinwohnerInnen von Bhutan durchgearbeitet. Und die Ermittlung, die Befragung soll fortgesetzt werden.
„Bhutan will herausfinden, wie sich die laufenden Veränderungen der Lebensverhältnisse auf das Glücksempfinden auswirken. Was hindert die Menschen daran, glücklicher zu werden? Das kann an einem ungünstigen Verhältnis von Arbeit und Freizeit genauso liegen, wie an einer Bande korrupter Politiker, die man nicht los wird.“, erklärt Harald Friedl.
Es ist nicht lange her, dass Bhutan eines der ärmsten Länder der Welt war, eingeklemmt zwischen den beiden Riesen Indien und China und ängstlich darauf bedacht, ja keine fremden Einflüsse herein zu lassen. Erst mit Ende des 20. Jahrhunderts kam Fernsehen ins Land und vor ein paar Jahren Mobiltelefonie und Internet. Hotelkonzerne und Fastfood-Ketten sind bis heute nicht zugelassen, für Plastik gibt es Importbeschränkungen. Mehr als die Hälfte des Landes steht unter Naturschutz. „Vielleicht ist es ein Glück für Bhutan, dass seine Modernisierung so spät eingesetzt hat“, überlegt das Voice Over zur soften, nachhaltigen Modernisierung des Landes.
“What Happiness Is” begleitet zwei von fünf Forschungs-Teams – angeführt von Tshoki und Karma – bei der Ermittlung des Glücks. Eine Reise, die acht Monate lang dauert, quer durchs Land mit den Abgesandten des Centre for Bhutan Studies. Das Filmteam beobachtet die Befragungen, bleibt aber etwas länger und  interessiert sich für Fußnoten. Der Dokumentarfilm fängt dabei nicht nur Impressionen von Bhutan und seinem Volk ein, sondern stellt Fragen, die der Fragebogen nicht kennt, und erfährt so einzigartige, individuelle Geschichten vom Glück.
Einblicke in ein Land, das für Filmaufnahmen bisher weitgehend unzugänglich war mit Anregungen für andere Länder, sich mehr mit den Menschen im Land als mit ausschließlich wirtschaftlichen Kriterien und Zahlenspielen zu befassen, hat der Filmemacher, Schriftsteller und Musiker Harald Friedl von seiner Reise quer durch Bhutan mitgebracht.
„Den Menschen ins Zentrum zu stellen, ist ein humanistischer Ansatz, Fortschritt zu ermöglichen. Daher ist es für jede Gesellschaft, Kultur, Regierung ein Thema.“, erklärt Premierminister Lyonchhen Jigmi Y. Thinley im Interview.
Regie und Buch: Harald Friedl
Kamera: Helmut Wimmer
Ton: Joe Knauer, Axel Traun
Produzent: Kurt Mayer
Produktionsleitung: Hanne Lassl
Schnitt: Michaela Müllner, Harald Friedl
Produktion: Kurt Mayer Film
Drehort: Bhutan
Kinostart: 21. Dezember 2012
Die Glücksministerkampagne zum Film: http://blog.whathappinessis.at
http://whathappinessis.at/


Trains of Thoughts
Mit beeindruckenden Einblicken in die Untergrundwelten der Metropolen führt die Reise von Wien nach New York, Los Angeles, Moskau, Tokio und Hong Kong. Timo Novotny fängt in seinem essayistischen Dokumentarfilm die besondere Charakteristik jeder Stadt ein, zeigt Bilder der Menschen und ihr Verhältnis zum Metrosystem, das sie tagtäglich benützen, fängt die architektonischen Eigenheiten dieser Untergrundwelten und verknüpft spielerisch Geschichten aus kulturellen Ballungsorten miteinander. Die Sofa Surfers greifen eingefangene Klänge und Wörter auf, spinnen sie weiter, um den passenden musikalischen Rahmen für die jeweiligen Szenen zu basteln und schaffen so einen auf die Destinationen zugeschnittenen atmosphärischen Klangraum, der die lokale Stimmung musikalisch auf den Punkt bringt.
Für viele bedeutet die U-Bahn einen Ort der Entspannung, der Anonymität und Freiheit, der Tagträume. Ein Satz, der in diesem Film immer wieder fällt, ist, dass die Fahrt mit der U-Bahn einem selbst gehört. Endlich sei man für ein paar Minuten abgeschnitten vom Handy-Empfang und damit auch von seinen Pflichten.
Timo Novotny wollte mit diesem Projekt, an das ihn eigentlich die Architektur herangeführt hat, einzelne Städte charakterisieren und dabei war ihm auch die Bewegung von Ost nach West sehr wichtig. „Für mich ist L.A. der Inbegriff von Anti-Stadt, die dank Hollywood jedem ein Begriff ist. Es machte mir Spaß, dort unter der Oberfläche zu filmen, an Orten, die bisher kaum verfilmt worden sind. Von L.A. aus bot es sich natürlich an, nach Lateinamerika zu gehen, ich wollte mich aber weiter Richtung Westen bewegen. Der Kapitalismus und wie er sich in Tokio durchgesetzt hat, repräsentiert für mich Zukunft. Tokio ist der Ort, wo die Sonne aufgeht, und wo Menschen schon in einer Zukunftsform funktionieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir alle einmal so werden, wie die Menschen in Tokio. Ich habe dort ein Gesellschaftsbild wahrgenommen, das bestimmt ist vom Arbeiten, Nicht-mehr-Schauen, von Ordnung und Regeln. Ich habe das Gefühl, unsere Gesellschaften bewegen sich dorthin, etwas frisst sich hinein und irgendwann sind die Menschen innerlich kaputt, aber nach außen hin funktioniert alles. Die Bewegung geht weiter Richtung Westen und landet über den Mittelweg zwischen Kapitalismus und Kommunismus – Hong Kong – im Altkommunismus in Moskau. Die Grundidee war die, Sozialsysteme zu analysieren und auch „varieties“ zu schaffen. Wir beginnen in Wien und enden in Wien, landen aber erst zum Schluss mit Moskau wieder in Europa.“, erklärt Timo Novotny im Interview, wie er die Auswahl der Städte getroffen hat.
Kinostart: 7. Dezember
Regie & Kamera: Timo Novotny
Musik: Sofa Surfers
Produzenten: Ulrich Gehmacher, Timo Novotny
Produktion: Orbrock Film
Verleih: Thimfilm
www.TrainsofThoughts.com


Foto: Ulrich Seidl Film
Paradies: Liebe
Aus dem ursprünglich von Ulrich Seidl geplanten Paradiesprojekt „Drei Frauen, drei Urlaube, ein Film“ sind drei Kinofilme entstanden. Drei Filme über drei Frauen, von denen jede ihre ganz persönliche Urlaubsreise antritt. Als Sextouristin in "Paradies: Liebe", dem Auftakt zu dieser Trilogie, als missionierende Katholikin in „Paradies: Glaube“ (Filmstart: 11. Jänner 2013) und als Teenager in einem Diätcamp in „Paradies: Hoffnung“ (Filmstart: 22. Februar 2013).
Alle drei Filme behandeln so genannte große Themen unserer Zeit – Kolonialismus, Rassismus, religiöser Fanatismus, Kampf der Kulturen und den aktuellen Schönheitswahn, quasi ein Abriss brisanter, aktueller Debatten.
In der ersten dieser drei Sehnsuchtsgeschichten reist Teresa (Margarethe Tiesel), eine 50-jährige Wienerin und Mutter einer pubertierenden Tochter, nach Kenia, um als "Sugar Mama" einen Liebhaber zu finden. "Sugar Mamas" werden jene Frauen aus Europa genannt, denen schwarze Beachboys ihre Liebesdienste anbieten, um so ihr Leben zu finanzieren. Teresa aber sucht echte, wahre Liebe. Sie wechselt von einem Beachboy zum nächsten, von einer Enttäuschung zur anderen. Die Liebe am Strand von Kenia ist ein Geschäft. „Paradies: Liebe“ erzählt bildmächtig, bewegend und mitunter auch komödiantisch von Sextourismus, von älteren Frauen und jungen Männern; vom Marktwert der Sexualität, von der Macht der Hautfarbe, von Europa und Afrika und von Ausgebeuteten, denen nichts übrig bleibt als andere Ausgebeutete auszubeuten.
Paradies: Liebe
Drehbuch: Ulrich Seidl, Veronika Franz,
Kamera: Wolfgang Thaler, Ed Lachman,
Schnitt: Christof Schertenleib,
Produktion: Ulrich Seidl Film - Koproduktion: Société Parisienne (FR), Tat Film (DE).
DarstellerInnen: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux, Dunja Sowinetz, Helen Brugat, Gabriel Mwarua, Josphat Hamisi und Carlos Mkutano
Kinostart Österreich: 30. November 2012
www.ulrichseidl.com


OH YEAH, SHE PERFORMS!
Ein Musikerinnenfilm von Mirjam Unger
Die Regisseurin Mirjam Unger wirft einen offenen und eindringlichen Blick hinter die Kulissen des täglichen Musikbusiness, das in vielen Bereichen noch männerdominiert ist. Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf und Luise Pop zeigen sich selbstbewusst mit eigener Musik und kritischen Texten auf ihrem Weg durch die Höhen und Tiefen eines selbstbestimmten Lebenstraumes. Die Musikerinnen fordern Gleichberechtigung, verzichten dabei nicht auf selbstreflektierende Fragen und lassen sehr persönliche Einblicke in ihre Gefühlswelt und in ihre künstlerischen Visionen zu.
Mit: Clara Luzia, Gustav, Luise Pop, Teresa Rotschopf
Produktion: Mobilefilm (www.mobilefilm.at)
Kinoverleih Österreich: www.polyfilm.at
Kinostart Österreich: 9.November 2012
Trailer: http://www.ohyeahsheperforms.com/wp-content/uploads/
OhYeahShePerforms_Trailer_H264_360KLEIN.mov

www.ohyeahsheperforms.com


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